Hamburg - Kann Hertha BSC mit einem Sieg beim Hamburger SV zumindest ein klein wenig Revanche nehmen für die Niederlage unserer schönen Metropole im Wettstreit der Olympia-Bewerberstädte? Das war die Frage, die mal ganz abgesehen vom Abstiegskampf im Vorlauf der Auseinandersetzung „sehr gefährdet“ trifft auf „sehr gefährdet“ die Gemüter bewegte. Und weil wir diejenigen, die gestern mit sportlichen Rachegelüsten in den 26. Spieltag der Bundesliga gegangen waren, nicht länger auf die Folter spannen wollen, kommt hier gleich mal die Antwort: Ja! Die Elf von Cheftrainer Pal Dardai siegte im Volksparkstadion mit 1:0 (0:0), was ja mal abgesehen von der Sache mit den Olympischen Spielen so unglaublich wichtig ist, weil nun vier Punkte zwischen den Berlinern (29 Punkte) und den Hamburgern (25) liegen.

„Wir sind noch nicht fertig"

„Wir sind noch nicht fertig, erst wenn wir am kommenden Spieltag gegen zu Hause gegen Paderborn gewinnen, sieht es gut aus“, sagte Dardai, der − wie zu erwarten war − am Nachmittag im Teamhotel bei Kaffee und Kuchen die Startelf auf die Tafel gekritzelt hatte, die vor einer Woche gegen den FC Schalke um eine Brooks-Haaresbreite am Dreier vorbeigeschrammt war.

So war also auch Fabian Lustenberger wieder mal in die Spielführerbinde geschlüpft, der Schweizer, dessen Schienbeinköpfchen gegen Schalke lädiert worden war, der sich nun aber in der Zentrale einmal mehr dafür verantwortlich zeichnete, dass sich das Spiel des Gegners möglichst oft in der Harmlosigkeit verliert. Geglückt ist das dem 26-Jährigen am Freitagabend ziemlich gut, im Besonderen durch seine exzellente Zweikampftechnik, mit der er wiederholt aus positionsbedingten Duellen mit Rafael van der Vaart, Valon Behrami und Zoltan Stieber als erfolgreicher Balleroberer hervorging. Und weil sein Mitarbeiter Per Skjelbred als Zerstörer fast ebenso effektiv agierte, war der harmloseste HSV in der Geschichte der Bundesliga (nur neun Tore aus dem Spiel in 25 Partien) nach einer halben Stunde um seinen Anfangsschwung gebracht.

Allerdings waren die Hertha-Profis fortan nicht in der Lage, die offensiven Idee ihres Trainers in die Tat umzusetzen. Was vor allem an Salomon Kalou, Änis Ben-Hatira und Valentin Stocker lag, die sich viel zu selten als Anspielstation in Position brachten, um Einfluss auf das Geschehen nehmen zu können.

Dardai reagierte auf diese eklatanten Entwicklungsprobleme mit einem Spielertausch und brachte zur zweiten Hälfte Genki Haraguchi. Gewiss auch mit der Hoffnung, dass der Japaner wie schon nach seiner Einwechslung gegen Schalke womöglich sogar als Torschütze in Erscheinung tritt.

Nette Dribblingversuche

Mal abgesehen von ein paar ganz netten Dribblingversuchen von der linken Außenbahn gen Spielfeldmitte und einem doch etwas müden Torschuss in der 75. Minute konnte Haraguchi jedoch auch keine Akzente setzen. Nein, auch Dardais Joker ging im Wirrwarr der Fehlpässe und fehlgeleiteten Körper unter. Ein fürchterliches Wirrwarr, aus dem sich aber noch drei wichtige Momente herausfiltern lassen.

Zum einen die Chance von Kalou, der in der 64. Minute nach einer prächtigen Flanke von Roy Beerens zu seiner eigenen Verwunderung acht Meter vor dem Tor von HSV-Keeper René Adler zum Kopfball kam und mit einem dementsprechend wirkungslosen Abschluss die 3 000 mitgereisten Hertha-Fans entsetzte. Zum anderen die Gelb-Rote Karte gegen Hamburgs Abwehrmann Cléber in der 81., was schließlich einen klaren Feldvorteil für Hertha zur Folge hatte. Und womöglich eben auch den Freistoß drei Minuten später, den Marvin Plattenhardt mit Verve vor das Tor des HSV schlug, um vom erstmals mit aufgerückten, einmal mehr tadellos agierenden Innenverteidiger Langkamp mit einem wuchtigen Kopfstoß zum 1:0 verwandelt zu werden.