1000. Rennen in der Formel 1: Diese Fahrer sind die Helden auf der Piste

Neunhundertneunundneunzig mal Formel 1 – und an diesem Wochenende wird in Schanghai der 1 000. Grand Prix gefahren. Im Mittelpunkt des dritten Serienteils stehen die besten Rennfahrer aus acht Dekaden.

Giuseppe Farina: Er ist der Sieger des ersten Formel-1-Rennens im Mai 1950 in Silverstone, und er wird am Ende der ersten Saison auch Weltmeister. Als einer von nur zwei Italienern, der andere ist sein Erzrivale Alberto Ascari. Er ist sozusagen ein strenger Lateiner hinter dem Lenkrad. Im Pass des Siegers steht Giuseppe Farina, in Rennfahrerkreisen wird er aber nur „Nino“ gerufen. Jeder Autofreund kennt seinen Onkel: den legendären Stylisten Battista „Pinin“ Farina aus Turin. Giuseppe macht sich einen Namen als Primadonna.

Lewis Hamilton: Von der Nasa hat der Mann, der in einem Jahrzehnt Formel 1 nie etwas anderes als einen Mercedes-Motor bewegt hat, und damit fünf Titel einfahren konnte, einen goldenen Helm geschenkt bekommen. Nicht als Erinnerung an Rembrandt, eher als Lebensmotto: Die Welt ist nicht genug. Zumindest nicht die Rennwelt. Der erste dunkelhäutige Pilot der Serie hat nicht nur einen Stern auf dem Auto, er ist momentan auch der einzige Weltstar der Königsklasse. Er lebt das, und lebt das aus. Ruhelos. Das Fahrerlager ist ja auch kein Rastplatz.

Michael Schumacher: Deutschlands erster Formel-1-Champion hat nicht nur hierzulande alles verändert, was den Motorsport betrifft. Der Rekordweltmeister hat das komplette Berufsbild des Rennfahrers verändert. Mit einer Gnadenlosigkeit, die aus Ehrgeiz Erfolg gemacht hat. Der Kerpener hat es sogar geschafft, mit den Tugenden des deutschen KfZ-Mechanikers Ferrari wieder erfolgreich zu machen. In Italien verehren sie ihn als „Michaelangelo“, in China vergleichen sie ihn liebevoll mit einem Drachen, die Briten respektieren ihn als „Schuey“. Und die ganze Welt nimmt Anteil nach seinem tragischen Skiunfall.

Juan Manuel Fangio: „El Chueco“, den Krummbeinigen, haben sie den Argentinier gerufen. Dafür hat er aber eine ziemlich gerade Ideallinie hingelegt, in den Fünfzigerjahren fünf Titel mit vier verschiedenen Marken geholt. Begonnen hat die Leidenschaft in einem betagten Taxi, beschleunigt dann im zigarrenförmigen Einsitzer. Dabei verkörpert Fangio auch von Anfang an den Lebemann, aber das mehrt seinen Ruf in der PS-Branche noch.

Jackie Stewart: Ein cooler Typ, würde man heute sagen. Der Schotte, der nicht lesen und schreiben kann, ist der geschäftstüchtigste unter den Piloten der Siebziger. Er hat private Sponsorenverträge, die noch heute laufen. Die Instinkte funktionieren auch auf der Rennstrecke, zu drei Titeln hat er es in nur 99 Rennen gebracht. Von wegen: kleinkariert.

Alain Prost: Professor, das ist nach den vier Weltmeistertiteln der fünfte, den der Franzose trägt. Ein kleiner, zäher, bisweilen wilder Mann hinter dem Steuer. Dabei immer berechnend in seinem Tun, und zumeist auch fair, nimmt man mal die Dispute mit Ayrton Senna aus. Es gibt Menschen, die bis heute behaupten, dass seit ihm niemand mehr eine so gute Fahrzeugbilanz hinbekommen hat. Nur als Teamchef scheitert er. Menschen sind in der Formel 1 nicht so gutmütig wie die Autos.

Jack Brabham: Im Auto mit dem eigenen Namen und auf eigene Rechnung Weltmeister werden, das hat nach dem Australier niemand mehr geschafft. Insgesamt drei Titel hat der Australier eingefahren, dafür wurde er wie Jackie Stewart von der Queen geadelt. Es hätte sogar noch einer mehr werden können, doch den überließ er 1967 seinem Kumpel Denis Hulme, einem Neuseeländer.

Sebastian Vettel: Ein Schumacher-Poster im Jugendzimmer an der Bergstraße, ein Aufkleber von Red Bull auf dem Go-Kart – zwei offenbar wichtige Bestandteile der Werdung eines vierfachen Champions. Michael Schumacher ist vom Vorbild zum Freund geworden, und Sebastian Vettel hat schnell die Vergleiche vom „Baby-Schumi“ hinter sich gelassen. Er zeigt Ecken und Kanten, und vom Ehrgeiz her ist er auf dem Stand seines Idols. Nur der Triumph in Rot fehlt noch.

Ayrton Senna: Es gibt eine Menge Menschen in der Formel 1, viele Realos darunter, die halten ihn für einen Übermenschen, einen göttlichen Rennfahrer. Das hat sicher mit der Gläubigkeit des Brasilianers zu tun, in Kombination mit seinem kalkulierten Draufgängertum. Drei Titel hatte er schon, als ihn Michael Schumacher zum Duell der Besten fordert. Der schwarze Tag von Imola 1994 zerstört alles.

Wolfgang Graf Berghe von Trips: Der erste Kerpener, der es zum Champion hätte bringen können – ein adliger Deutschen in Diensten von Ferrari. Ein dritter Platz hätte ihm 1961 in Monza dazu gereicht. Doch statt des Triumphes stellt sich der Tod ein. Nach einer Berührung mit dem Auto von Jim Clark schießt sein Auto in die Zuschauer, 15 Menschen sterben, von Trips bricht sich das Genick. Triumphe und Tragödien liegen nirgendwo so nahe wie in diesem Sport.