Ein bisschen trauern wolle er nun, sprach Sören Brandy und folgte den Kollegen. Die hatten sich bereits in die Geborgenheit der Kabine geflüchtet. „Wenn man sich so sehr reinhaut, ist das eine gefühlte Niederlage“, sagte er zum Abschied. Toll gespielt, aber fast nichts gewonnen, das war das bittere Fazit, das nicht nur der Angreifer in den Abend trug.

„Man kann nicht zufrieden sein, wenn man sichere drei Punkte aus der Hand gibt“, grämte sich sein Trainer Norbert Düwel. Die Niedergeschlagenheit passte so gar nicht zum Hochgefühl, das das Stadion zuvor erfüllt hatte – bis alle vor Schreck verstummten, weil plötzlich Schluss war und auf der Anzeigentafel ein 1:1 prangte. In dem Moment war vergessen, dass der 1. FC Union ein Mut machendes Spektakel geliefert hatte.

„Voller Stolz“ hatte sich Klubpräsident Dirk Zingler im Stadionheft an die Eisernen gewandt, weil „Union von allen Fußballklubs auf dem Gebiet der früheren DDR, der einzige ist, der sein Jubiläum als Vertreter des deutschen Profifußballs feiern darf“. Am 20. Januar jährt sich die Vereinsgründung zum 50. Mal. Ziel ist es nun, den nächsten Schritt auf dem Weg unter die besten 20 Vereine zu machen. Die Botschaft des ersten Saisonspiels lautet trotz vergebener Führung: Union ist auf bestem Weg dahin.

Das liegt unter anderem an zwei Zugängen, die die Partie prägten: Benjamin Kessel, der in 5. Minute nach einem Freistoß von Christopher Trimmel per Kopf das 1:0 erzielt hatte, und Stephan Fürstner.

Noch klappte nicht jede Kombination in Perfektion, doch boten die Kontrahenten den 20.786 Zuschauern ein mitreißendes Spiel. Düsseldorf hätte in der ersten Hälfte mindestens drei Mal treffen können − ja sogar müssen. Die Fortunen rannten sich jedoch entweder gegenseitig um, traten am Ball vorbei oder verfehlten das Tor von Daniel Haas knapp. Der Union-Keeper tat sein Übriges. Zunächst unterlief er einen Eckball, dann ließ er einen Distanzschuss gefährlich abprallen.

Dennoch war die Führung schnell verdient. Eine vom herausragenden Fürstner organisierte Elf wirbelte die Düsseldorfer Hintermannschaft durcheinander. Schon in Halbzeit eins eroberte der Neue wiederholt den Ball und öffnete mit seinen präzisen Pässen die Räume für seine Mitspieler.

In der zweiten Hälfte erspielten sich die Eisernen dann Chance um Chance. Neben Fürstner war es vor allem Trimmel zu verdanken, dass die Unioner ein ums andere Mal in gute Schussposition kamen. Aber: Damir Kreilach, Toni Leistner, Maximilian Thiel oder der eingewechselte Collin Quaner − sie alle scheiterten an Düsseldorfs Torwart Michael Rensing. Und der ansonsten unauffällige Bobby Wood am Pfosten. „Ich nehme ganz viel Positives mit, sagte Düwel, „nur nicht die drei Punkte.“

Auf die Fans ist Verlass

Düsseldorf nutzte den gebotenen Konterraum nicht wirklich aus, und wenn doch war Union-Keeper Haas nun zur Stelle. Dann traf auf einmal Didier Ya Konan in der 88. Minute. Bis dahin war der Tag eine reine Union-Feier gewesen. In der Halbzeitpause hatte die Ultra-Vereinigung Wuhlesyndikat einen Scheck in Höhe von 33 732 Euro an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei übergeben. Sie hatten Schweißbänder mit den Initialen der an Krebs erkrankten und inzwischen genesenen Union-Spieler Benjamin Köhler und Lisa Görsdorf für fünf Euro verkauft.

Auch der Verein kann sich auf seine Fans verlassen. 9 000 Dauerkarten wurden bis zum ersten Spiel erworben. Der Rekord aus dem Vorjahr (9 190) wird wohl übertroffen. Zudem sind für die 17 Heimspiele sämtliche Logen vermietet. „Ein hoher Anspruch an uns selbst und die Bereitschaft, sich mit ganzer Kraft für unsere Ziele einzusetzen, hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt stehen“, schrieb Zingler im Vorwort zum Spiel.

Auch wenn es am Ende sehr still war − die Hoffnung, dass der nächste Schritt gemacht werden kann, hat einen Schub bekommen. „Das waren zwei wirklich starke Mannschaften, mit denen man in dieser Saison rechnen muss“, sagte Torschütze Kessel. Mit dieser tröstlichen Erkenntnis schritt er durch die Kabinentür. Er war als Letzter zurückgeblieben.