Leverkusen/Berlin - Im Fernduell mit Borussia Mönchengladbach um die Qualifikation zu den Play-offs der Conference League hat sich der 1. FC Union die Chance auf ein Happy End erarbeitet und erspielt. Während sich die Fohlen bei ihrem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart mit 1:2 geschlagen geben mussten, kam die Elf von Urs Fischer bei Bayer Leverkusen zu einem 1:1, zu einem hochverdienten Remis, um dies auch in dieser Stelle gleich mal zu betonen. Als Tabellensiebter haben die Eisernen vor dem Saisonfinale am kommenden Sonnabend gegen RB Leipzig 47 Punkte auf dem Konto, einen Punkt mehr als die Borussia, die am 34. Spieltag in Bremen ranmuss. Doch auch der VfB Stuttgart und der SC Freiburg (jeweils 45 Punkte) dürfen zumindest noch ein bisschen hoffen.

Union wollte von Beginn an alles besser machen als am vergangenen Wochenende beim 0:3 in Wolfsburg. Die Absicht war schon bei der allerersten Ballaktion zu beobachten. Sechs Spieler hatten sich beim Anstoß auf der linken Seite unmittelbar an der Mittellinie in Position gebracht, Max Kruse führte den Anst0ß aus, spielte zurück auf Marvin Friedrich, der den Ball nach einem Kontakt sogleich mit einem langen Schlag Richtung Leverkusener Strafraum beförderte. Das führte letztendlich zu keinem Torerfolg, auch nicht zu einer Chance, und doch war schon mal ein Zeichen gesetzt. 

Tatsächlich war in der Folge mit Robert Andrich (für Sebastian Griesbeck) und Max Kruse (für Joel Pohjanpalo) in der Startelf viel mehr von dieser typischen Union-Widerspenstigkeit zu sehen als zuletzt. Insbesondere Kruse trieb das Spiel der Eisernen mit ein paar geglückten Dribblings voran, brachte mit wohl überlegten Zuspielen zunächst Christopher Lenz (9.), dann Marcus Ingvartsen (11.) in Position. Beide konnten mit ihren Abschlüssen Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky allerdings nicht in Verlegenheit bringen.

Endlich wieder eklig

Und Kruse hatte weiterhin sehr viel Lust am Fußballspielen, demonstrierte, wie man auch noch im fortgeschrittenen Stürmeralter, immerhin ist er schon 33, beides sein kann: umtriebiger Einfädler und gefährlicher Schütze. So zielte er in der 16. Minute nach einem durch Andrichs Ballgewinn initiierten Angriff mit wuchtigem Schuss aufs kurze Eck, doch Hradecky brachte die Fäuste schnell genug nach oben, um zur Ecke abzuwehren.

Union war also wieder so energisch im Spiel nach vorne und so „eklig“ beim Verteidigen, wie sich Fischer das gewünscht hatte. Allerdings konnten sich die Köpenicker zunächst nicht für diesen Auftritt belohnen. Im Gegenteil: Sie gerieten in Rückstand, weil aus dem einzigen Wirrwarr, das Bayer in ihrem Strafraum hervorrufen konnte, Florian Wirtz die Führung für die Gastgeber erzielen konnte.

Wendell hatte den Ball flach quer vors Tor geschlagen, die grätschenden Christopher Trimmel und Marvin Friedrich versuchten sich vergeblich an der Abwehr des Unheils, sodass der Jungnationalspieler nur noch den Ball über die Linie drücken musste. 26 Minuten waren da gespielt, Fischer blickte enttäuscht zu Boden und klagte wohl insgeheim über die Ungerechtigkeit, die der Fußball schon mal mit sich bringt.

In der 55. Minute tat Fischer das, was Trainer eben tun, um den Lauf der Dinge zu verändern. Er brachte neue Offensivkräfte ins Spiel, nämlich zunächst Taiwo Awoniyi, der nach zweimonatiger Verletzungspause erstmals wieder im Kader stand, für Ingvartsen sowie Pohjanpalo für Petar Musa. Zwölf Minuten später ging der Schweizer schließlich All In, um einen Begriff aus dem Pokerspiel heranzuziehen. Marius Bülter kam für Lenz, Sheraldo Becker, der wie Awoniyi lange Zeit pausiert hatte, für Trimmel.

Und dieser Mut wurde belohnt. In der 72. Minute flankte Becker von der rechten Seite mit viel Gefühl und viel Tempo auf Pohjanpalo, der zunächst an Hradecky scheiterte, aber im Nachschuss den Ball unter die Querlatte jagte. Der Finne, von Bayer an Union ausgeliehen, lieferte also erneut einen guten Grund für eine feste Verpflichtung.  

Union drängte nun sogar auf den Sieg, lief dabei in einen Konter, bei dem allerdings Andreas Luthe als Retter in Erscheinung trat. Der Keeper lenkte den Schuss von Moussa Diaby an die Querlatte (74.). Und dann eröffnete sich plötzlich nach Zuspiel von Kruse für Awoniyi die Chance, um zum Matchwinner zu werden. Der Nigerianer allerdings traf die falsche Entscheidung, versuchte sich an einem Lupfer, der von Edmond Tapsoba entschärft wurde (82.).