125 Jahre Hertha BSC: Vom Feuerwerk über die Party ins Museum

Hertha BSC feiert den 125. Geburtstag – und der blau-weiße Kosmos teilt sich in zwei Welten. In der Nacht zu Dienstag gab es eine wilde Party der Hardcore-Fans in der Ostkurve des Olympiastadions. In Berlin feiert man in Geburtstage hinein, pünktlich um Mitternacht mit einer kleinen Pyroshow nach jeder Menge Bier und Gesängen. Knapp 3000 Anhänger, für die die Ostkurve Heimat ist, sind gekommen, trotzen dem Regen, zelebrieren bis tief in die Nacht hinein den Jubeltag ihres Klubs. Gelebte Hertha-Liebe!

Wenige Stunden später geht es weitaus gediegener zu. Das Berliner Stadtmuseum hat im Ephraim-Palais im Nikolaiviertel zur Präsentation der Ausstellung „Hauptstadt-Fußball – 125 Jahre Hertha BSC und Lokalrivalen“ geladen. Der holländische Museumsdirektor Paul Spies trägt als erster Redner vor: „Ich habe in Amsterdam auch schon eine Ausstellung über Ajax gemacht. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit mit Hertha BSC. Ich habe den Fußball und die Stadt dadurch näher kennengelernt.“ Spies trat erst vor 19 Monaten sein Amt an. Und der Mann ist mächtig stolz auf diese Ausstellung. Nicht nur, was dabei herausgekommen ist, sondern wie es zustande kam: „Das kommt nicht so häufig vor, normalerweise beschäftigen wir uns mit Kunst. Diesmal haben Fans mitgearbeitet.“

Historische Aufarbeitung

Nicht nur mit Sammlerstücken, sondern mit harter Recherche. Ein Hertha-Fanprojekt durchforstete Stadtarchive, um das Leben des ersten Mannschaftsarztes von Hertha BSC, Hermann Horwitz (von 1924 bis 1938), zu erforschen. Er wurde von Nazis in Auschwitz ermordet, weil er Jude war. Die Ausstellung zeigt diese dunkle Kapitel. Auch der Bundesliga-Skandal von 1971, an dem Hertha beteiligt war, wird beleuchtet. Diese Exhibition über drei Stockwerke ist keine billige Werbeveranstaltung. Es ist der ernsthafte Versuch, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.

Herthas Aufsichtsratsboss Bernd Schiphorst plädiert seit Jahren für die Aufarbeitung der Hertha-Historie ein. Er war auch der Initiator für diese Ausstellung. Der Mann ist glücklich über das Resultat. Als er vor einer riesigen Fototapete mit einem Bild von einem blau-weißen Fan-Schlafzimmer zum Mikrofon greift, stellt er fest: „Die Ausstellung zeigt, dass 125 Jahre Vereinsgeschichte wahrhaft museumsreif sind – deshalb sind wir aber noch lange nicht reif fürs Museum.“

Im ersten Stockwerk hängt in einer Glasvitrine eine Fan-Kutte. Die Jeansjacke ist zugenäht mit einem Vereinswappen und Spottsprüchen für Gegner, aber auch Fan-Freundschaften. „So eine Kutte zeigt viel über Fanverhalten und die Kultur“, sagt der Museumsdirektor über die Jacke aus den Achtzigerjahren.

Schiphorst fällt etwas ganz anderes auf. Ein blaues Logo mit der Aufschrift „VfB – 1897“. Es ist das Emblem des VfB Oldenburg, der mal in der Zweiten Liga spielte. „Darüber habe ich geschmunzelt und gesagt: Das gibt es doch gar nicht,“ erklärt Schiphorst. Er ist gebürtiger Oldenburger.

Die Räume sind chronologisch aufgebaut. Vom Anfang des Fußballs in Deutschland und in Berlin, die Gründung vom BFC Hertha im Jahr 1892, der 1924 mit dem Berliner SC fusionierte und den jetztigen Klubnamen bekam, die Meisterschaften 1930 und 1931. Auch die grausame Teilung Berlins ist dokumentiert. Hertha, beheimatet im Wedding, direkt an der Grenze zum Prenzlauer Berg, verlor nach dem Mauerbau viele Anhänger. „Hertha musste von allen Vereinen wohl am meisten unter dem Mauerbau leiden“, sagt Spies. Trotzdem gab es schon in den 70er Jahren Fanfreundschaften mit dem 1.FC Union.

Hologramm im Zukunftsraum

In dieser Zeit spielte ein anderes blau-weißes Idol im Olympiastadion. Erich „Ete“ Beer“ ist extra aus München angereist, um im Ephraim-Palais dabei zu sein. Beer wandert durch die Räume. Auch für ihn ist es eine Zeitreise, seine ganz eigene Geschichte. Nach dem Bundesliga-Skandal 1971 wurde er der Kopf der Hertha-Mannschaft, schaffte den Sprung in die Nationalelf, nahm an der WM 1978 in Argentinien teil. Er schaut auf ein Originaltrikot mit Autogrammen und sagt: „Die Unterschriften kenne ich alle noch. Die ist von Bundestrainer Helmut Schön.“

Es soll nicht nur um die Vergangenheit gehen. „Wir glauben an unsere Zukunft. Wir glauben, dass das Beste noch kommt für die Hertha“, erklärt Schiphorst. Im dritten Stock gibt es einen sogenannten Zukunftsraum. Die Meisterschale und der DFB-Pokal drehen sich als Hologramm im Kreis. An einem Touchscreen können die Besucher über Ideen zur Zukunft des Fußballs, wie zum Beispiel Emotionssensoren an den Trikots der Spieler, die direkt Gefühle an die Fans weiterleiten können, abstimmen. Verrückte Ideen, konkrete Visionen über Herthas Zukunft sind dort nicht zu sehen. Aber das kann sich auch kein Klub leisten. Im knallharten Wettbewerb gibt man keine Geheimnisse an die Konkurrenz preis.