15. Weihnachtssingen bei Union Berlin: So klingt nur das Original!. 28.500 Menschen kommen ins Stadion An der Alten Försterei.

Berlin-Köpenick - Wo man singt, da lass dich nieder. Böse Menschen haben keine Lieder. Folglich wäre das Stadion An der Alten Försterei gestern der perfekte Ort gewesen, sich hinzusetzen. Aber erstens ist das in Köpenick ja verpönt. Und zweitens war das ein Ding der Unmöglichkeit.

Denn bei der 15. Auflage des alljährlichen eisernen Weihnachtssingens war das Stadion mit 28.500 Besuchern so sehr gefüllt, dass Plätzchen zum Niederlassen – mal abgesehen von der Haupttribüne – nicht vorhanden waren.

Aber das störte keinen. Denn natürlich schmettern sich weihnachtliche Weisen im Stehen ohnehin viel einfacher. Schon minutenlang, bevor das Flutlicht ausging und Glockenklänge das eigentliche Singen einläuteten, war das Stadion pickepacke voll.

Und dann reckten sich zu den Klängen von Nina Hagens Union-Hymne zahlreiche Schals in die Höhe, tauchte das Ballhaus des Ostens einmal mehr ein in den Lichterglanz unzähliger Kerzen. Gänsehautstimmung auch ohne rollenden Ball. Lichter hoben und senkten sich im Wechselgesang zu Eisern Union. Ein Anblick für die Götter.

Emotionen pur machten sich breit, als Pfarrer Peter Müller (80) ein letztes Mal die auf dem Rasen aufgebaute Bühne betrat, um den Staffelstab seinen Kollegen Ulrich Kastner weiterzureichen, der dann die Weihnachtsgeschichte vortrug. Natürlich wurde Pfarrer Müller mit „Es gibt nur ein Peter Müller“-Sprechchören noch einmal gefeiert.

Die eine oder andere Träne schlich sich verstohlen in die Gesichter einiger Besucher. Auch Peter Müller war sehr bewegt und bedankte sich noch mal für all die Jahre, in denen er Teil des Weihnachtssingens war.

Union-Profis wurde eher weniger gesichtet, was angesichts des frühen Urlaubsbeginns vor über einer Woche nicht weiter verwunderte. Aber Toni Leistner und Trainer André Hofschneider ließen sich das Spektakel nicht entgehen. Schön, aber nicht wirklich wichtig.

Denn natürlich stand nicht der Ball im Vordergrund, sondern es zählte das gemeinschaftliche Erlebnis. Und das gibt es trotz zahlreicher Nachahmer in anderen Teilen der Republik so seit 15 Jahren nur in Köpenick. Als Original. Unverfälscht, seit 2003.