Berlin - Als es geschafft war, musste der Mann des Tages eine Zusatzschicht einlegen. Die Fans des 1.FC Union Berlin wollten ihre Lieblinge nach dem 3:1 (1:0) im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus gar nicht mehr vom Feld lassen. Eine solide Viertelstunde lang mussten die Union-Spieler am Sonnabendnachmittag vor dem Fanblock verweilen. Schwer gefallen sein dürfte ihnen die Extraeinheit nicht, auch nicht Daniel Haas.

Der Torwart der Köpenicker wurde von den Anhängern am lautstärksten gefeiert. Dem Schlussmann wird das gutgetan haben, schließlich war er nach seiner Verpflichtung im zurückliegenden Jahr von den eigenen Anhängern mit einem gewissen Argwohn betrachtet worden. Haas war − daran hatte Trainer Uwe Neuhaus von Anfang an keinen Zweifel gelassen − als neue Nummer eins gekommen. Das bedeutete, dass der beim Anhang enorm beliebte Jan Glinker ins zweite Glied zurücktreten musste.

Haas der entscheidende Mann

Haas hat mittlerweile jedoch alle Vorbehalte zerstreut. Und dass ihn die Fans am vergangenen Sonnabend feierten, kam nicht von ungefähr. Der 29 Jahre alte Keeper war beim zweiten Saisonerfolg der Köpenicker der entscheidende Mann gewesen, trotz der drei Torschützen Simon Terodde, Christopher Quiring und Björn Jopek. Denn in einer ganz wichtigen Phase, beim Stande von 2:1 für Union 20 Minuten vor dem Spielende, hatte er sein Team auf den rechten Weg gebracht.

Fabian Schönheim hatte in der 70. Minute den Cottbuser Torjäger Boubacar Sanogo im Strafraum zu Fall gebracht, Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte auf Elfmeter und Rote Karte gegen den Union-Verteidiger entschieden. Sanogo trat selbst zur Ausführung an, und Haas parierte den Strafstoß des Ivorers. Eine entscheidende Tat, denn Cottbus hätte mit dem 2:2 im Rücken und in Überzahl „alles auf unserer Seite gehabt“, wie Energie-Mittelfeldspieler Ivica Banovic später im Brustton der Überzeugung anmerkte.

Haas stand dem aber im Weg und avancierte wie schon beim 1:1 am vergangenen Mittwoch bei Erzgebirge Aue zum Retter von Union. „Wir müssen uns bei Daniel bedanken“, sagte denn auch Terodde, der Union mit einem Kopfballtreffer in Führung gebracht hatte (34.). In die gleiche Kerbe schlug auch Quiring, der das Cottbuser 1:1 durch Daniel Adlung (50.) kurz darauf mit einem gekonnten Lupfer zum 2:1 beantwortet hatte (55.).

Auch er dankte seinem Torwart. Denn auch Quirings Treffer hätte wohl nicht zum Sieg gereicht, wäre Haas nicht gewesen. „Daniel hat schon in den letzten Wochen überragend gehalten“, lobte auch Neuhaus den Torwart. Gegen Cottbus habe Haas nun „das i-Tüpfelchen draufgesetzt“.

„Die Mannschaft ist der Matchwinner“

Der so Gelobte wollte sein Verdienst allerdings nicht so hoch hängen. „Die Mannschaft ist der Matchwinner“, sagte Haas auf die Frage, ob er denn der Siegbringer gewesen wäre. Und außerdem, fügte der 1,89 Meter große Torhüter an, „vielleicht hätten wir ja auch noch 3:2 gewonnen“. Schließlich hatte der Cottbuser Mittelfeldmann Adlung sich kurz nach Haas’ gehaltenem Elfmeter bemüßigt gefühlt, den Schiedsrichterassistenten Mark Borsch nach einer Entscheidung gegen Energie zu beleidigen, wofür er die Rote Karte gesehen hatte (77.). Und Jopek hatte in der Nachspielzeit ja noch den dritten Treffer für Union angebracht.

Dennoch war des Torwarts Großtat in Augen vieler „der Knackpunkt“ (Neuhaus), und so musste Haas berichten, wie es denn so gewesen sei beim Elfmeter. Also erzählte er, dass Kapitän Torsten Mattuschka vor Sanogos Schuss zu ihm gekommen sei. „Tusche hat gesagt, Sanogo schießt eher nach links“, sagte Haas. Was stimmte. Er selbst wiederum habe darauf verzichtet, den Schützen durch selbstbewusstes Gehabe nervös zu machen. „Das ist doch Schauspielerei“, betonte Haas. Gleichwohl habe er „schon auf die Körpersprache von Sanogo geachtet, ob er mir irgendeinen Hinweis gibt“.

Mit dieser Episode beendete Haas aber dann die Einlassungen zu seiner Leistung. Vielmehr lobte er seine Kollegen: „Wir haben unglaublich viel investiert und sind dafür belohnt worden.“ Denn anfangs hatte Energie Cottbus, so formulierte es Neuhaus, „mit Selbstvertrauen bis unters Dach“ und der reiferen Spielanlage das Geschehen bestimmt, ehe Union mit großer Hingabe ein Gleichgewicht der Kräfte erreicht hatte. „Kämpferisch war das eine überragende Leistung“, sagte Haas, „und spielerisch eine gute.“ Deswegen sei er sehr zuversichtlich für die kommenden Wochen. „So langsam besinnen wir uns wieder auf unsere eigene Stärke.“ Zu der gehört momentan auch der Torwart Daniel Haas.