Köpenick - Am Donnerstagabend, punkt 21.07 Uhr, hat der 1. FC Union ein Ausrufezeichen gesetzt: nämlich mit der Bekanntgabe des Transfers von Neven Subotic. Der 30 Jahre alte Innenverteidiger ist ja nicht irgendwer, sondern zumindest dem Namen nach immer noch eine große Nummer, was sich ja auch daran ablesen lässt, dass der Vorgang nicht nur in Berlin, sondern auch in ganz Deutschland viel Beachtung fand.

Subotic war Schlüsselspieler bei Borussia Dortmund, gewann mit dem BVB 2011 und 2012 die Meisterschaft, stand 2013 im Champions-League-Finale und konnte zuletzt bei AS Saint-Étienne unter Beweis stellen, dass er immer noch zur Führungskraft taugt: Fakt ist: Mit der Verpflichtung des Charakterkopfs, der im Normalfall die Mannschaft der Köpenicker nicht nur sportlich, sondern auch menschlich verstärken wird, stößt der Bundesliga-Aufsteiger in eine neue Dimension vor.

Christian Gentner kommst vom VfB Stuttgart

Dazu passen auch die Meldungen vom Freitag, wonach den Eisernen zum einen die Wiederverpflichtung von Marvin Friedrich gelungen ist, zum anderen Christian Gentner geholt haben. Der 23-jährige Friedrich, in der Vorsaison nur ausgeliehen, kommt endgültig vom FC Augsburg und erhält einen Vertrag bis 30. Juni 2022. „Ich bin einfach nur glücklich, wieder bei Union zu sein“, sagte der Innenverteidiger, der in der Aufstiegssaison in 38 Pflichtpartien von der ersten bis zur letzten Minute immer mit von der Partie war, in einer ersten Reaktion.

Der 33-Jährige Gentner, beim Bundesligaabsteiger VfB Stuttgart über Jahre hinweg die Identifikationsfigur, aber trotz aller Meriten nun aussortiert, wurde erst mal bis zum Sommer kommenden Jahres gebunden. Auch er zeigte sich ob seiner Zukunft in Köpenick begeistert: „Union hat sich in den letzten Jahren fantastisch entwickelt, schon aus der Aufstiegssaison mit dem VfB habe ich die Stimmung im Stadion An der Alten Försterei in bester Erinnerung. Ich freue mich, ab sofort Teil dieses Teams zu sein.“

Die siebte Option für die Flügel der Unioner

Die Aufregung um Subotic, Friedrich und Gentner lenkte indes von einem weiteren Transfer ab. Mit Marius Bülter wechselt der wohl begehrteste Zweitligaprofi von Absteiger Magdeburg an die Wuhle, zunächst leihweise, jedoch mit einer Kaufoption. Damit umgehen die Eisernen zum einen wenigstens in diesem Transfersommer die kolportierte Ablöseforderung des Drittligisten von etwa einer Million Euro.

Der 26-Jährige ist mittlerweile die siebte Option für die zwei potenziellen Positionen auf den offensiven Flügeln. Mit ihm konkurrieren die Zugänge Florian Flecker und Sheraldo Becker, Suleiman Abdullahi sowie die Aufstiegshelden Akaki Gogia, Joshua Mees und Marcel Hartel um den Platz in der Startelf − wenn Union denn künftig überhaupt in einem System mit Flügelspielern auflaufen wird.

Denn auch in der Sturmspitze stehen sich die potenziellen Kandidaten beinahe auf den Füßen. Sebastian Polter und Sebastian Andersson haben mit Anthony Ujah und Marcus Ingvartsen zwei neue Konkurrenten dazubekommen. Der Däne Ingvartsen könnte zwar auch als Spielmacher agieren, aber da stehen mit Julius Kade, der von Hertha BSC kam, und Felix Kroos schon wieder andere Kandidaten Schlange.

Die Zukunft von Sebastian Polter ist fraglich

Die Situation erinnert an den Saisonstart im vergangenen Jahr, als sich Sportchef Oliver Ruhnert Kritik an der Tatsache gefallen lassen musste, dass der Kader mit damals 27 Profis deutlich zu groß sei. Am Ende suchte lediglich Simon Hedlund, der heute beim Testspiel (Anpfiff um 15.30 Uhr) mit Bröndby IF seine Rückkehr ins Stadion An der Alten Försterei feiert, frustriert das Weite, die anderen Spieler stellten sich dem knackigen Konkurrenzkampf im großen Kader, der Union wiederum im Saisonfinale nicht nur einmal einen Vorteil gegenüber den Gegnern verschaffte.

Und doch stellt sich nach dem Doppeltransfer in dieser Woche mehr denn je die Frage, wo die Eisernen mit ihrer Kaderplanung eigentlich hin wollen. Natürlich ist zu erwarten, dass die Köpenicker bis zum Transferschluss am 2. September noch einige ihrer aktuell 35 Spieler verabschieden. Leihweise, wie zuletzt die Talente Berkan Taz und Lennart Moser (beide für ein Jahr nach Cottbus). Oder aber langfristig.

Doch wie geht Union mit jenen Kickern um, die entscheidend am Aufstieg mitgewirkt haben? Darf man Hartel, der mit seinem Fallrückziehertor gegen den 1. FC Köln früh den Weg in die Bundesliga ebnete, an Arminia Bielefeld verhökern? Darf Gogia, der sich trotz seiner Reservistenrolle ein Jahr lang vorbildlich in den Dienst der Mannschaft gestellt hat, zu Hannover 96 abgeschoben werden?

Vereinswirtschaftliche Interessen gegen Herzensentscheidungen

Soll Jakob Busk, der Stammkeeper Rafal Gikiewicz mit stetem Druck zu Höchstleistungen trieb, plötzlich nur noch die Nummer drei sein? Und was wird eigentlich aus Polter, der von den Fans vergöttert wird, der aber schon in den Relegationsspielen gegen Stuttgart keine Rolle spielte? Vereinswirtschaftliche Interessen gegen Herzensentscheidungen in einem familiären Klub: Es ist dieser Glaubenskampf, den viele Unioner schon kurz nach dem Aufstieg fürchteten.

Eins ist klar: Die Mannschaft des 1. FC Union hat mittlerweile wirklich Erstligaformat. Nun liegt es wie schon im Vorjahr an Ruhnert, den Kader noch auszudünnen − und dabei nicht das Herz zu vergessen.