Eine neue Spielzeit ist wie ein neues Leben. Kommende Woche, wenn sich der Vorhang für die Saison 18/19 hebt, startet der 1.FC Union in sein zehntes Zweitligajahr in Folge. Vor dem Liga-Auftakt gegen Erzgebirge Aue (5. August, 15.30 Uhr) und der Dienstreise der Köpenicker zur Saison-Generalprobe gegen Queens Park Rangers nach London berichtet der seit 14 Jahren amtierende Präsident der Eisernen, Dirk Zingler, über seine Befürchtungen vorige Saison, seine Hoffnungen für die kommende sowie das neue Personal, dem er seine Profis anvertraut hat.

Etwas mehr als eine Woche noch zum Start, kribbelt es schon wieder so richtig? Wann kam die Lust auf eisernen Fußball zurück?

Na klar kribbelt es! Die Lust auf Union ist ja nie weg, auch wenn wir alle diesmal natürlich tief durchatmen mussten. Aber schon zur Saisoneröffnung am 1. Juli gegen Jena kamen wieder 11000 Menschen ins Stadion An der Alten Försterei und waren voller Vorfreude.

Worauf freuen Sie sich in dieser Saison am meisten?

Auf die Heimspiele in unserem Stadion. Ein paar Stadien habe ich ja inzwischen gesehen, aber zu Hause ist es einfach am schönsten.

Können Sie Ihr Saisonziel fixieren? Union wollte ja etwas weniger forsch damit umgehen.

Da möchte ich nicht vorgreifen. Noch läuft die Vorbereitung und das Transferfenster ist auch noch eine Weile offen. Eines lässt sich aber grundsätzlich immer sagen: Wir wollen uns verbessern. Das gilt auch in dieser Saison.

Wer sind Ihre Topfavoriten dieses Jahr und wen haben Sie noch mit auf der Rechnung?

Die Top-Favoriten sind ja meist die Absteiger aus der Bundesliga. Mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln gilt das ganz sicher. Ansonsten halte ich mich mit Prognosen lieber zurück. Dazu gab es in den letzten Jahren einfach zu viele Überraschungen.

Wie groß war nach dem Sieg gegen den VfL Bochum die Erleichterung, dass Union die Klasse gehalten hatte?

Sie war riesig, das hat man ja auch im ganzen Stadion gespürt. Wir waren lange nicht in der Situation, so lange zittern zu müssen. Ich möchte das auch nicht so bald wieder erleben.

Hand aufs Herz, wie lange hat es gedauert, bis Sie die vergangene Saison wirklich abgehakt hatten?

Fußball ist schnelllebig. Wir mussten die Saison unmittelbar analysieren und Entscheidungen treffen. Dadurch bleibt man auf Betriebstemperatur. Eine richtige Pause hatte außer den Spielern eigentlich bisher niemand im Verein.

Diese Entscheidungen nach der Zittersaison betreffen alle Bereiche: Trainer, Geschäftsführer Profisport, natürlich auch die Spieler. Wie schmerzlich waren diese Schritte?

Es fällt mir immer schwer, Menschen von ihren Positionen zu entbinden, die alles gegeben haben, um mit Union erfolgreich zu sein. Unser Anspruch ist es, das Heft des Handelns in den Händen zu halten und aktiv zu gestalten. Dazu gehört auch, schmerzliche Entscheidungen zu treffen, wenn sie notwendig sind.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung in den letzten Wochen, vor allem mit der Zusammenarbeit von Trainer Urs Fischer und Sportdirektor Oliver Ruhnert? Da scheint ein erfrischender Wind zu herrschen.

So hatten wir uns das alle erhofft und bislang fühlt sich das auch wirklich gut an. Der Fokus ist aber ganz klar auf den 5. August gerichtet, wenn wir gegen Aue unser erstes Liga-Spiel bestreiten, wollen wir gewinnen. Darum geht es ja letztendlich: erfolgreich Fußball zu spielen.

Zum Pokalspiel bei Carl Zeiss Jena (19. August, 18.30 Uhr) – viele Unionfans haben total gejubelt über dieses Los. Sie auch? Oder schlagen da womöglich zwei Herzen in der Präsidentenbrust? Attraktiv ja und mit kurzen Wegen, aber ein Drittligist ist ja nun wirklich nicht ohne.

Angesichts unseres 50-jährigen Pokalsieg-Jubiläums und des bereits vereinbarten Jubiläums-Spiels gegen unseren damaligen FDGB-Pokal-Kontrahenten Jena war das natürlich ein witziges Los. Ich habe mich darüber gefreut, und ich glaube, die meisten Unioner auch. Leicht war es für uns im Pokal ohnehin nie, auch nicht gegen Regionalligisten. Wir müssen eine Top-Leistung abliefern, um in die nächste Runde einzuziehen.

Das Gespräch führte Mathias Bunkus.