1.FC Union gegen Paderborn: Tonlos in Köpenick

Augenblicke der Stille sind verräterisch im Stadion Alte Försterei. Da kämpft der 1. FC Union regelmäßig auf dem Feld darum, seine Aufstiegsambitionen zu legitimieren, während auf den Tribünen der Anhang beweist, dass zumindest er durchaus erstklassig ist. Furchteinflößender für manche Gastmannschaften als der Auftritt der elf Köpenicker Kicker in Rot-Weiß gerät oft die Vorstellung der mehreren tausend Köpenicker Sänger auf den Rängen. Vor allem, weil ihre Lieder zuweilen inbrünstiger schallen, als die Mannschaft zu kämpfen bereit ist. Wenn also mal Ruhe ist, muss etwas verdammt schiefgelaufen sein.

Dieser Augenblick des Unglücks

Am Freitagabend gab es in der 90. Minute im Spiel des 1. FC Union gegen den FC Paderborn so einen Augenblick, in dem man den Eindruck haben musste, Gott hätte kurz auf die Pausentaste gedrückt. Alles Unglück des Abends kam zusammen, als ein langer Ball auf den kurzfristig zum Stürmer umfunktionierten Paderborner Verteidiger Uwe Hünemeier flog. Gleich drei Unioner mühten sich etwa 25 Meter vor dem eigenen Tor, den Ball zu klären, doch Hünemeier verlängerte den Pass auf den Stürmerkollegen Süleyman Koc. Der machte einen Schlenker und legte den Ball kurz vor dem Strafraum wieder quer auf Hünemeier, der zentral vor dem Tor ohne seine drei Union-Gegner von zuvor frei zum Schuss kam – und den rechten oberen Winkel des von Daniel Haas gehüteten Union-Tores traf.

Es war der Moment, als mehreren tausend Kehlen gleichzeitig der Ton wegblieb. Es war der Moment, in dem sogar der Himmel zu heulen begann, und jeder Unioner nur mit Mühe die Contenance bewahrte. Es war der Moment, der Union nach dem Führungstor des ehemaligen Paderborners Sören Brandy in der 53. Minute im dritten Spiel in Serie ein 1:1 bescherte und die Erkenntnis, dass es wohl auch diese Saison zum Aufstieg in die Erste Liga wieder nicht reicht.

Mit rasengrüner Hose

Das ist besonders bitter in einer Spielzeit, in der das Aufsteigen so leicht zu sein scheint wie noch nie, weil allenfalls eine Mannschaft – der 1. FC Köln – beinahe kontinuierlich erstligatauglich auftritt, während dahinter ziemlich alles noch passieren kann. Nur eben eher nicht dem 1. FC Union, der mit den zwei verlorenen Punkten weiterhin vier Zähler hinter dem Tabellendritten Paderborn verharrt, einem Verein aus der Provinz, der sich bisher noch nicht einmal selbst für erstligatauglich hält.

„Irgendwann müsste das Glück auch mal zu uns schwappen“, hat Unions Pressesprecher Christian Arbeit gestern nach dem Spiel gesagt, auch weil schließlich nach der Führung Christopher Quiring noch den Pfosten traf. Und dennoch musste sich Arbeit von seinem Trainer Uwe Neuhaus belehren lassen: „Wir sind selbstkritisch genug, das nicht alles auf fehlendes Glück zurückzuführen.“

Auch andere Ausreden fanden nur geteilten Beifall. Das Publikum hatte sich nach der Halbzeit das beliebteste Opfer aller Fans ausgesucht. Doch Schiedsrichter Christian Dingert fiel nicht durch Parteilichkeit auf. Abgekämpft stand Unions Bester, der Torschütze Brandy, mit seiner am Po rasengrün gefärbten Hose in den Katakomben, um zu erklären, dass sein Sturz in Paderborns Strafraum in der 38. Minute keineswegs ein so klarer Elfmeter gewesen war, wie es Unions Sänger gesehen haben wollten.

„Ich geh mit dem Kopf hin, er mit dem Fuß, das Bein war vielleicht ein bisschen hoch, ich merk was, aber ich weiß nicht was, der Schiri hat so entschieden, damit muss man leben.“ Am Ende blieb die bittere Erkenntnis: Größere Ansprüche hätte dieser Abend kaum gerechtfertigt. Es hat sich schließlich noch kein Verein zum Aufstieg gesungen.