2. Bundesliga - 1. FC Union Berlin gegen Eintracht Braunschweig: Philipp Hosiner soll Sebastian Polter ersetzen

Eine seltsame Gefühlslage umgibt die Alte Försterei. Es hätte der Eindruck aufkommen können, dass alles bereits vorbei sei: der große Traum vom Aufstieg, die Euphorie, die die beste Saison der Vereinsgeschichte rund um den 1. FC Union ausgelöst hat. Einfach weg, völlig verflüchtigt.

Dabei hat das letzte Aprilwochenende nichts an der Ausgangslage verändert. Dank der Treffer von Philipp Hosiner und Damir Kreilach hatte Union am Freitag 2:1 gegen Sandhausen gewonnen und den Vorsprung sogar über die Zeit gerettet, nachdem Stürmer Sebastian Polter wegen eines übermotivierten Foulspiels mit Rot vom Platz musste.

Trübsal nach der Roten Karte für Sebastian Polter

Doch am Ende überlagerten genau die Szene und ihre Folgen alles, als nähme man Union mit Polter jede Chance auf den Aufstieg. Und das nur, weil er nun mindestens in Braunschweig am kommenden Montag fehlt, der Partie, die die eifrigsten Union-Fans als Endspiel um Platz drei bezeichnen. Dass anschließend auch noch die drei Konkurrenten aus Stuttgart, Hannover und Braunschweig allesamt siegten, hat die Trübsal eher noch verdichtet.

Dabei besteht kein Grund zur Niedergeschlagenheit. „Der Ausfall wiegt sehr schwer“, sagte Verteidiger Christopher Trimmel, „aber wir haben einen guten Kader. Da kommt einfach der Nächste rein und macht sein Ding.“ Der Nächste steht bereit: Philipp Hosiner. „Ich brauche nur 10 Minuten Trainer“, hatte der frühere österreichische Nationalstürmer zuletzt einmal gewitzelt, als er wieder einmal als Einwechselspieler getroffen hatte.

Philipp Hosiner braucht 131 Minuten pro Tor

Selten fand Trainer Jens Kellers System einen Platz für den Burgenländer in der ersten Elf. Nur acht Startelfeinsätze sind notiert. Insgesamt 867 Spielminuten. Aber die nutzt er wie kein Zweiter. Sechs Tore, im Schnitt alle 131 Minuten lässt er die Fans jubeln. Polter kommt auf 204 Minuten, Damir Kreilach auf 300 und Steven Skrzybski gar auf 326.

Das zeigt Hosiners Jokerqualitäten. Er nicht lange braucht, um in ein Spiel zu finden. „Gefühlt habe ich ja gar nicht gespielt. Ich habe mich neulich auch gefragt, wie ich dann auf so viele Tore gekommen bin. Ich bin einfach nur froh, dass ich meine Chancen nutzen und der Mannschaft helfen konnte.“

Jens Keller und das 4-3-3-System

Alles läuft auf eine neuerliche Systemumstellung hinaus: Da die Doppelspitze durch Polters Sperre passé ist, drängt sich das einst liebgewonnene 4-3-3 wieder auf - mit Simon Hedlund und Kenny Prince Redondo auf den Außen und Hosiner in der Mitte. Der Spielstil wird sich auch ändern: „Ich werde wahrscheinlich nicht 20 Zentimeter wachsen, daher müssen wir uns was überlegen“, sagte Hosiner. Zwölf Zentimeter fehlen ihm zum Gardemaß von 1,91 Metern, das Stoßstürmer Polter mitbringt.

Polter hält die langen Bälle, um den Kollegen das Nachrücken zu ermöglichen, Hosiner agiert lieber im Rücken der Abwehr, um wie ein Geist plötzlich aufzutauchen, wenn es gilt, die verlängerten Bälle abzustauben. „Neben Polti zu spielen, ist natürlich auch gut“, beruhigt Hosiner alle Polter-Sperre-Deprimierten, „aber ich habe meist als einzige Spitze gespielt. Da kenne ich mich schon damit aus.“