Selbstvertrauen ist der unerschütterliche Glaube an die eigenen Fähigkeiten. Selbstvertrauen ist quasi das Lieblingswort von André Hofschneider. Es vergeht kaum eine Pressekonferenz, auf der es nicht ein-, zweimal benutzt. Unter der Ägide von André Hofschneider als vorübergehender Cheftrainer beim 1. FC Union ist Selbstvertrauen das A und O.

Unter seinem Vorgänger Sascha Lewandowski stand die Gegner-Analyse im Vordergrund, was am Ende dazu führte, dass die Eisernen die Stärken ihrer Gegner besser kannten als ihre eigenen. Der unerschütterliche Glaube an die eigenen Fähigkeiten wurde unter Hofschneider zum Credo. Das Selbstbewusstsein hat sich Union in der letzten Zeit vor allem zu Hause geholt. Seit acht Spielen ging kein Gegner mehr als Sieger vom Platz. Die letzten sechs Partien vor heimischen Partien vor heimischen Publikum wurden allesamt gewonnen.

Erster Sieg gegen einen der Großen

Nur beim Auswärtsspiel vergangene Woche in Nürnberg hat das Selbstvertrauen der Unioner merklich gelitten, vor allem das der Hintermannschaft, als man innerhalb von nur 45 Minuten sechs Gegentreffer kassierte. Hofschneider hakte dieses Spiel schnell ab und ließ keinen Zweifel daran, das die Mannschaft es ihm gleichtat. Denn mit dem Heimspiel gegen den VfL Bochum hatte der 1. FC Union nicht nur die Chance zum Saisonende die makellose Heimbilanz der letzten Wochen auszubauen, die es so das letzte Mal in der Saison 2001/02 gab, sondern endlich auch mal einen der Top-Klubs der Tabellenränge eins bis fünf zu schlagen.

Die 19.036 Zuschauer in der Alten Försterei wurden am Ende dann dennoch Zeugen von zweierlei Historischem: dem siebten Heimsieg in Folge und dem ersten Sieg gegen einen der Großen in dieser Saison. Das 1:0 durch Benjamin Kessel war nicht nur die Erlösung in einer eher ereignisarmen Partie, sondern auch die Folge von Hofschneiders propagierten und gelebten Selbstvertrauen. Nun steuert Union nach einer wechselvollen Saison unter dem dritten Trainer ausgerechnet mit der Notlösung auf einen bemerkenswerten Abschluss zu: der erfolgreichsten Spielzeit der Historie.

Dabei sei es lange Zeit gegen den VfL Bochum überhaupt nicht nach einer überragenden Wendung aus. Der erste Durchgang ergab nichts Gehaltvolles und nichts, was dem Selbstvertrauen in irgendeiner Form zuträglich gewesen wäre. In der 15. Minute wurde es kurz hektisch und ungeordnet im Strafraum der Köpenicker. Am Ende entschied das probate Mittel des Sich-in-den-Ball-Werfens die Situation.

Bis auf Damir Kreilachs Freistoß in der 30. Minute, der knapp den rechten Gästepfosten verfehlte, war die erste Hälfte zerfahren und lediglich vom technischen Klein-Klein bestimmt. „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht den richtigen Schlüssel für die Partie gefunden“, sagte André Hofscheider.

Vom Suchen des Schlüssels

In der zweiten Hälfte fehlte den Köpenickern in den entscheidenden Momenten die Präzision und so ging das taktische Abtasten auf dem Rasen munter weiter, auch wenn Union nun deutlich motivierter erschien. Es blieb weiterhin spannend und umkämpft. Ein Suchen und Finden vom Schlüssel. Doch nachdem die dürftige erste Hälfte einen Vergleichsmaßstab so komfortabel niedrig festgelegt hatte, erschien der zweite Durchgang nahezu belebend. Bis zur 70. Minute musste man den Eindruck haben, dass es nicht mehr als ein 0:0 zu sehen geben würde. Doch plötzlich ereilte sichtliche Bewegung die Partie.

Adrian Nikcis Schussversuch von der Strafraumkante in der 71. Minute wäre fast im Gegenzug das 0:1 gefolgt, allein: Unions Torwart Jakob Busk entschärfte Janiks Haberer Kopfball sensationell. In der 80. Minute war es dann eine Standardsituation, die die Entscheidung brachte. Nach einer Ecke von Felix Kroos nickte Benjamin Kessel zur letztendlich verdienten 1:0-Führung der Hausherren ein, die die Eisernen über die letzen zehn Minuten verwalteten. „Es war ein Abnutzungskampf“, zeigte sich Hofschneider sichtlich erleichtert, der sich als Interimstrainer nun auch auf die Fahne schreiben darf, in dieser Saison endlich einen der Großen geschlagen zu haben.

Er selbst hängt das gar nicht so hoch: „Dieser Sieg führt dazu, dass dieses Gerede von den Top-Fünf-Mannschaften endlich aufhört.“ Das Wort Selbstvertrauen benutzte er im Nachgang ausnahmsweise nicht einmal. Dass er das nicht musste, spricht für sich.