Eine Überraschung hatte der 1. FC Union für diesen Montagmorgen in Aussicht gestellt. Was in den Redaktionen der Berliner Zeitungen übers Wochenende natürlich zu wilden Spekulationen geführt hat. Baut der Zweitligist zusammen mit dem Stadtrivalen Hertha BSC auf dem Tempelhofer Feld eine neue Fußball-Arena, die dank des Einsatzes der Union-Anhänger nicht erst 2025, sondern schon kommende Woche bezugsfertig ist? Hat sich der Zweitligist mit RB Leipzig unter dem Arbeitstitel „Der Osten ist rot“ auf eine Kooperation in Sachen Klubkultur verständigt? Heißt das Stadion an der Alten Försterei künftig Rocket-Internet-Arena? Schwört Rekordtorjäger Bobby Wood den Köpenickern ewige Treue? Kommt Ronny?

Beim Pressefrühstück in der Eisern Lounge, unter dem Dach der Haupttribüne, war dann alles halb so wild. Wobei die Botschaft des Tages für die mittelfristige Zukunft des Zweitligisten schon eine ganz wesentliche ist. Sie lautet: Mit der Layenberger Nutrition Group GmbH aus Rodenbach, im Landkreis Kaiserslautern, konnte ein neuer Haupt- beziehungsweise Trikotsponsor gefunden werden. Der Vertrag gilt für drei Spielzeiten, unabhängig von der Klassenzugehörigkeit. Feelgood-Produkte statt Autoersatzteile. Gewichtsmanagement mit eiweißreichem Riegel statt Onlinehandel mit Felge und Außenspiegel. Alle sind glücklich.

Handelseinig nach drei Whiskey

Nach drei Whiskey sei man handelseinig geworden, erzählten Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, und Harald Layenberger, der 1989 das nach ihm benannte Unternehmen gründete. Die Chemie habe sofort gestimmt, zwischen dem Klub, dem nachgesagt wird, so Zingler mit einem breiten Grinsen, „ziemlich speziell zu sein“, und dem Nahrungsmittelunternehmen, das zuletzt mit einem TV-Spot, indem ein Pep-Guardiola-Double eine neue Müslimischung bewirbt, auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Der Klub habe mit dem Deal den nächsten Schritt gemacht, sagte Zingler, von einer regionalen Partnerschaft hin zu einer nationalen, das Nahrungsmittelunternehmen hat den wirtschaftlichen Faktor mit dem Standort Berlin im Sinn. Wie viel Layenberger das Engagement an der Alten Försterei wert ist, wurde natürlich nicht kommuniziert. Zingler, der auch bestätigte, dass man außerdem mit Berliner Unternehmen verhandelt habe, sagte dazu nur dies: „Wir sind zufrieden. Wir haben uns auch hier gut weiterentwickelt.“

Das alles ist ja keine Selbstverständlichkeit mehr, vermarktet man nicht gerade die Brust des FC Bayern oder die von Borussia Dortmund. Immer öfter haben Vereine der Zweiten, aber auch der Ersten Liga ohne Trikotsponsor auszukommen. Was einerseits die Anhängerschar erfreut, da das Heldendress so schön puristisch ist wie früher, andererseits die Klubführung arg bekümmert.

Dirk Zingler wehrt sich gegen Bezeichnung „Hauptstadtclub“

Mittlerweile ist aber allen bewusst, dass so eine Partnerschaft mit Leben gefüllt werden muss, damit nachhaltige Effekte erzielt werden können. Sponsoring darf nicht mehr nur als einmaliger Akt, sondern als tägliche Herausforderung verstanden werden. „Es ist in der Tat nicht mehr so einfach“, sagt Dirk Zingler, das Trikot habe nicht mehr die Bedeutung wie vor „fünf oder acht Jahren“, weshalb er schon ein wenig stolz sei, dass man als erster trikotsponsorsuchender Zweitligaklub fündig geworden wäre. „Das ist nicht irgendwas vom Wühltisch.“

Warum das so ist? Das Image des Klubs sei entscheidend gewesen, bestätigte Layenberger, der als gebürtiger Kaiserslauterner geradezu zwangsläufig zum FCK-Fan wurde, und nun beim 1. FC Union Parallelen zum „alten FCK“ ausgemacht hat. „Der Hauptstadtklub ist wegen seiner Strahlkraft und seiner Authentizität ein hervorragendes Aushängeschild“, sagt Layenberger, der sich auch im Volleyballsport engagiert.

Hauptstadtklub? Dirk Zingler hat sich an diesem Montag nicht gegen diese Bezeichnung gewehrt, warum auch. Sein Verein habe in dieser Saison, die er als eine „erlebnisreiche“ bezeichnete, wieder sehr viel dazugelernt, habe einen wichtigen Entwicklungsschritt genommen. Stolz sei er auf seine Mannschaft, weil die vieles zu verkraften hatte, dabei aber ihre Stabilität unter Beweis gestellt hätte.

In der Gesamtbetrachtung könne er nach einem Jahr der Unwägbarkeiten demnach nur zu einem Schluss gekommen: „Ich bin total zufrieden.“ Und wann ist es denn nun endlich soweit mit dem Aufstieg in die Bundesliga? Nächste Saison, mit der breiten Layenberg-Nutrition-Group-GmbH-Brust? Zingler bleibt dabei: „Fußball und Aufstieg ist nicht planbar!“