2. Fußball-Bundesliga: 1. FC Union muss gegen FC Kaiserslautern liefern

Der Berg ruft. Also der Betze. Der, zugegebenermaßen, in den letzten Jahren einiges von seinem einstigen Schrecken verloren hat. Bollwerk, das war einmal. Doch legendär ist noch der Ausruf von Paul Breitner: „Am besten schicken wir die Punkte einfach mit der Post.“ 36 Jahre ist das her, und der FC Bayern, einst ein sehr gern gesehener Gast in der Pfalz, beendete seinen Fluch bei den Roten Teufeln erst, als er brasilianisch in gelben Trikots und himmelblauen Hosen aufdribbelte.

Derlei atypische Farbenspiele sind vom 1.FC Union Freitag Abend (18.30 Uhr) nicht zu befürchten. Aber muss ja nicht mal. Ganze zwei Heimspiele konnte der FCK diese Saison für sich entscheiden, trägt damit nicht nur in der Ligatabelle, sondern auch in der Heimbilanz die weithin sichtbare Rote Laterne vor sich her.

Die Bilanz der Eisernen in der Pfalz ist zwar nicht so erschreckend wie die des FC Bayern in den 70ern und 80ern. Drei Remis und drei Niederlagen stehen da zu Buche. Aber der letzte Zähler ist auch schon eine Weile her. Vor drei Jahren endete die Partie 2:2. Die Treffer für Union – die Älteren werden sich vielleicht noch an die Akteure erinnern – schossen ein gewisser Fabian Schönheim und Bobby Wood.

Union muss den Fluch brechen

Doch die Eisernen, die gerne und viel als Aufbauhelfer durch die deutschen Lande reisen, müssen nun endlich mit diesem Fluch brechen. So verrückt wie diese Liga derzeit daherkommt, so unglaublich das ist, dass Union trotz der mauen Ergebnisse der letzten Monate immer noch nicht chancenlos im Aufstiegsrennen ist. Drei Punkte Rückstand auf Relegationsrang drei! Drei!

Die Mannen um Kapitän Felix Kroos müssen jetzt liefern, um den Traum von Präsident Dirk Zingler von den „Top-20 in Deutschland“ mit Leben füllen zu können. Das weiß auch Trainer André Hofschneider. „Ergebnistechnisch“ so der 47-Jährige offen, „steht Union mit dem Rücken zur Wand.“ Immer gemessen an den eigenen Ansprüchen, versteht sich.

Die sieben Punkte aus den letzten vier Spielen sind nichts wert, wenn nicht endlich eine Serie gestartet wird. Die Mannschaft sei in der Bringschuld. „Wir tun gut daran, einfach uns daran zu halten, dass jedes Spiel für uns ein Endspiel ist. Wir müssen in jedem Spiel die Mentalität an den Tag legen, die wir zu Hause gegen Düsseldorf gezeigt haben“, lautete die Ansage. Die Tabelle sei für ihn unerheblich. Auch die Tatsache, dass Union bei einem 4:0-Auswärtssieg für rund 20 Stunden auf Relegationsrang drei springen könnte.

Union könnte auseinanderbrechen

Die Eisernen haben eine unverhoffte Chance bekommen. Die gilt es zu nutzen. Wozu es einer Leistungssteigerung bedarf. „Konstanz“, fordert Hofschneider nicht umsonst. Es sei keine Zeit zum Glänzen, sondern eine zum Arbeiten. Als aktiver Kicker war Hofschneider dafür ein Paradebeispiel. Zeit, dass seine Truppe sich dieses Credo zu eigen macht.

Es steht mehr auf dem Spiel als eine Rückschlag-Saison. Union könnte auseinanderbrechen. Für Steven Skrzybski, Kristian Pedersen, Daniel Mesenhöler und Simon Hedlund interessiert sich der Markt. Felix Kroos wäre auch ein Kandidat dafür. Ein Toni Leistner könnte sich – trotz seines bekannten Englandwunsches – einen Verbleib bei den Köpenickern vorstellen. Nur dazu will er wissen, welche Perspektiven Union in der Saison 2018/19 hat.

Die Süddeutsche Zeitung hat den Eisernen als dienstältestem Klub im Bundesliga-Unterbau in Anlehnung an den HSV schon etwas spöttisch den Titel „Zweitliga-Dino“ verliehen und die Anschaffung einer eigenen Uhr empfohlen. Um die Sekunden der Zweitklassigkeit zu zelebrieren.