Berlin - „Er tut uns gut“, sagt Michael Parensen. Und: „Er ist ein sehr positiver Typ.“ Er, das ist Sebastian Polter. Ohne den stünde der 1. FC Union vor der Partie gegen VfR Aalen am Freitagabend (18.30 Uhr) wohl richtig schlecht da. Mit seinen zwei Mal zwei Toren hat Polter großen Anteil daran, dass zumindest die Partien gegen Leipzig und Sandhausen gewonnen werden konnten.

Aber das allein ist es nicht, was den kurz vor Transferschluss ausgeliehenen Stürmer für Union zu einem Glücksgriff macht. „Er tut viel dafür, dass wir als Mannschaft besser werden – auch vom Zusammenhalt“, ergänzt Parensen.

Erstaunlich schnell ist Sebastian Polter im Union-Kollektiv aufgegangen. Er hatte noch keine Minute gespielt, und trug somit keine Schuld an der miesen Ausbeute aus den ersten vier Spielen, da klang er, als ob er wie Parensen bereits fast sechs Jahre für Union spiele: Unions Krise war vom ersten Tag „unser“ Problem. „Wir versuchen den Weg zu 100 Prozent voranzutreiben und mitzugehen“, sagt er jetzt. Dabei ist er ja eigentlich mehr Umbruchshelfer als Teil des Umbruchs. Der 23-Jährige steht schließlich beim Bundesligisten FSV Mainz unter Vertrag und will perspektivisch im Fußballoberhaus spielen. Er ist also nicht unbedingt gekommen, um zu bleiben.

Nicht immer überzeugt, aber kämpferisch

Inzwischen ist Polter seit sieben Wochen bei Union und die Narben am Knie zeigen, dass er, um das Problem zu lösen, Schmerzen in Kauf nimmt. Obwohl die klaffenden Wunden beim Spiel gegen Darmstadt nach dem Kontakt mit der Spielfeldumrandung den Blick auf die Kniescheibe freilegten, spielte er weiter. Am vergangenen Wochenende kam ein weiteres Zeichen seiner Kampfbereitschaft hinzu. Der Bluterguss unter dem linken Auge würde jedem Boxer zur Ehre gereichen. Zu verdanken hat er ihn Sandhausens Verteidiger Florian Hübner. Ein paar Zweikämpfe später ging auch Hübner zu Boden. Dieses Mal war Polters Ellbogen ziemlich hoch.

Polter hat bislang nicht in jedem Spiel überzeugt, aber er hält dagegen. Dank seiner vier Treffer in sechs Spielen lässt er das Selbstvertrauen seiner Mitspieler keimen. Der Rest des Teams kommt seit Saisonbeginn auf fünf Tore. Seine große Stärke aber kommt außerhalb des Platzes zum Tragen: Polter führt zusammen. „Egal, in welcher Gemeinschaft, privat oder beruflich, bin ich immer derjenige der im wir spricht“, sagt er. „Es ist nie ein einzelner schuld, wenn etwas kaputt geht.“ Besonders das letzte Jahr unter Trainer Thomas Tuchel in Mainz hat ihn geprägt. „Wenn jeder so denkt, und nicht sein Ego in den Vordergrund stellt, ist man erfolgreich“, sagt Polter. Selbstvergessen ist er dennoch nicht. „Du musst dir auch persönlich ein Ziel stecken.“

Drei Jahre lang hat er sich in der Bundesliga versucht – in Wolfsburg, Nürnberg und Mainz. Immer ging er auf die Fans zu und machte klar, dass das „wir“ auch Personen außerhalb der Mannschaft einschließt – auch wenn es stets eine Gemeinschaft auf kurze Zeit war. Aber das lag nicht an mangelnder Treue. Auch an Nürnberg war er nur ausgeliehen. Nun ist er bei Union gelandet, wo er mit seiner Familie eine Wohnung in Stadionnähe bezogen hat. Dort harmonieren „wir“ und „ich“ derzeit sehr gut, obwohl die Zweite Liga für Polter die zweite Wahl ist. Vielleicht aber auch gerade deshalb.

Den Trend bestätigen

Schon länger hatten Polter, der endlich durchgehend zum Einsatz kommen will, und Union in Kontakt gestanden, bis der neue Mainzer Coach Kasper Hjulmand entschied, dass er den Stürmer vorerst nicht braucht. Der hatte bis zuletzt auf seine Chance gehofft. Nun nutzt er die Unachtsamkeiten der Zweitligaverteidiger, die etwas häufiger vorkommen, als eine Etage höher. Trotzdem wird er bei Union wohl nie die Zahl von Parensens Jahresringen erreichen. Trifft er weiter, besteht Mainz vermutlich auf die Rückkehr, und die mögliche Ablöse würde für Union unbezahlbar.

Das ist jedoch ferne Zukunft. Zunächst gilt es für Union, die ordentliche zweite Hälfte aus dem Sandhausen-Spiel gegen Aalen zu bestätigen. Düwel hat in der Vorbereitung auf die Partie die „positive Dinge, die uns stark machen, in den Vordergrund“ gestellt. Nicht zuletzt ähnelt Aalens Spielweise der von Sandhausen, und da hat Polter ja auch getroffen. „Wir sind sehr optimistisch“, sagt der Angreifer.