Die Ausgangslage: Abstieg. Aufgrund des Siegs von Fortuna Düsseldorf am Vorabend fand sich der 1. FC Union in Heidenheim vor Spielbeginn auf einmal auf dem Relegationsplatz wieder. Ein Sieg war daher Pflicht. Verloren hat der 1.FC Heidenheim in dieser Saison vor heimischer Kulisse aber noch nie, und der Erfolg im Pokal gab unter der Woche einen weiteren Euphorieschub.

Um trotzdem die so dringlichen benötigten Punkte einzufahren, verstärkte Union-Trainer Sascha Lewandowski im Vergleich zur Niederlage gegen Paderborn die Defensive. Er brachte Stephan Fürstner als zweiten Sechser neben Eroll Zejnullahu ins Team. Dafür nahm der etwas offensiver ausgerichtete Dennis Daube auf der Bank Platz. Gleiches galt für Sören Brandy, der von Steven Skrzybski ersetzt wurde.

Das Ergebnis: Acht Mal (inklusive Pokal) hat Union in dieser Saison bereits eine Führung verspielt. In der 90. Minute glaubten die mitgereisten Fans dann aber an den Sieg. „Auswärtssieg“, skandierten sie mit vollstem Recht. 2:0 (1:0) gewannen die Eisernen in der Fremde. „Hurra, hurra, Union ist wieder da!“, schallte es aus dem Gästeblock.

Die erste Hälfte: Die Berliner agierten in einer Grundordnung mit drei Abwehrspielern, zwei defensiven Mittelfeldmänner davor. Auf Linksaußen rutschte Maximilian Thiel bei gegnerischem Ballbesitz in die Abwehrreihe; wenn es in den Angriff ging, rückte Benjamin Kessel über rechts vor. Und vorne bildeten Damir Kreilach sowie die beiden Angreifer Bobby Wood und Skrzybski das Offensivdreieck. Rein formal war es also das von Lewandowskis Vorgänger Norbert Düwel geliebte Spielsystem, das allerdings nie wirklich funktioniert hat.

Doch war die Ausrichtung viel defensiver: mehr Fünfer- als Dreierkette. Beide Mannschaften waren vor allem auf Absicherung bedacht, Union um Nuancen Überlegen. Die Gastgeber haben in dieser Saison erst acht Treffer kassiert. Torraumszenen gab es nur nach Eckstößen. In der 27. Minute flankte Thiel nach einem kurz ausgeführten Eckstoß auf den zweiten Pfosten zu Kreilach, der die Führung erzielte.

Die zweite Hälfte: Nach dem Seitenwechsel übernahm Heidenheim die Kontrolle. Dann aber folgte die schauspielerische Glanzleistung, die die Partie entschied (siehe: Trick des Spiels). Skrzybski erhöhte auf 2:0 (59.). Danach kontrollierten die Berliner mit einer in dieser Saison so noch nicht gezeigten Ruhe und Souveränität das Geschehen.

Der Rüpel von der Schwäbischen Alb: Die Zweikämpfe wurden von beiden Teams kompromisslos geführt. Auch wenn der Ball unerreichbar schien, zogen die Spieler mit vollem Tempo durch. Die Folge waren viel Fouls und Behandlungspausen. Notwenige Härte nennt man das wohl, vor allem aus Unioner Abstiegsangstsicht.

Mathias Wittek jedoch überschritt fünf Minuten vor der Pause die Grenze zur Brutalität. Im Mittelfeld sprang der Heidenheimer Verteidiger derart ungestüm in Thiel hinein, dass sich dieser in der Luft überschlug und zu Boden krachte. Nach ein paar Schreckminuten ging der Daumen vom Mannschaftsarzt nach oben, Thiel konnte zurück. Der Schiedsrichter beließ es bei einer Gelben Karte und verpasste es, die Spieler zu maßregeln. Sie traten weiter zu, nur nicht ganz so hart wie Wittek.

Der Trick des Spiels: In der zweiten Hälfte waren auf einmal zwei Steven Skrzybskis auf dem Rasen. Zehn Minuten fiel die Maskerade niemandem auf. Dann schaute der Schiedsrichter genauer hin, und einer der beiden Skrzybskis stellte sich als ein Zejnullahu im falschen Trikot heraus. Das ist natürlich nicht erlaubt: Zejnullahu wurde des Feldes verwiesen, wenn auch nur vorübergehend, um sich das korrekte Shirt zu holen.

Während der falsche Skrzybski in die Kabine eilte, nutzte der echte Skrzybski die Verwirrung auf dem Feld: er setzte beherzt nach, umkurvte den Keeper und schob zum 2:0 ein. Dabei rechte er auch noch das brutale Foul von Wittek an Thiel aus der ersten Hälfte, indem er dem Heidenheimer Verteidiger den Ball abjagte.

Der Spieler des Tages: Es war kein überragender Auftritt von Kreilach, aber es war dennoch die bemerkenswerteste Leistung. Dass er während der Trainingswoche als Kapitän abgelöst wurde, scheint ihn tatsächlich zu befreien. Er musste sich nicht mehr mit dem Schiedsrichter streiten, sondern konnte sich den wesentlichen Dingen widmen. Eine Hereingabe von Thiel nahm er volley und wurde für den Mut belohnt. Der Ball kullerte am Torwart vorbei hinter die Linie. Als der falsche Skrzybski dann in der Kabine war, übernahm er vertretungsweise dessen Position und schlug den Ball zum echten Skrzybski. Ohne Kapitänsbinde war er mehr Antreiber als mit.

Das Fazit: Absturz vermieden. „Ich bin sehr zufrieden, wie diszipliniert die Mannschaft in der Defensive war“, sagte Sascha Lewandowski. Da störte es ihn auch nur ein bisschen, dass in der Offensive nicht alle Maßnahmen so griffen wie vorgestellt. „Im Umschaltspiel hat man gemerkt, dass die Mannschaft etwas verkrampft ist“, sagte der Coach. „Heute war wichtig, dass wir den ersten Schritt vor dem dritten gemacht haben. Wir müssen unseren Weg der kleinen Schritte gehen.“

Das Spiel in Zahlen

Heidenheim: Zimmermann - Philp, Mathias Wittek, Kraus, Feick - Griesbeck, Theuerkauf (57. Grimaldi) - Leipertz (74. Skarke), Schnatterer - Voglsammer (74. Widemann), Morabit. - Trainer: Schmidt

Berlin: Haas - Kessel, Puncec, Leistner, Parensen - Zejnullahu - Fürstner (85. Trimmel), Thiel - Kreilach - Wood (74. Quaner), Skrzybski (70. Brandy). - Trainer: Lewandowski

Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)

Tore: 0:1 Kreilach (27.), 0:2 Skrzybski (59.) Zuschauer: 12.100 Beste Spieler: Morabit, Kraus - Kessel, Fürstner Gelbe Karten: Mathias Wittek (2), Morabit (2) - Fürstner (3), Kessel (5), Thiel (2), Kreilach (3)

Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre): Torschüsse: 11:13 Ecken: 4:3 Ballbesitz: 54:46 %

(mit SID)