2:1: FC Union wächst gegen den KSC über sich hinaus

Berlin - Manchmal braucht es eine Ausnahmesituation, damit eine Mannschaft sich findet. Damit eine Mannschaft wie der 1. FC Union über sich hinauswächst und an einem Freitagabend vor heimischen Publikum trotz einer fast 45-minütigen Unterzahlsituation eine gar nicht so schlechte Mannschaft wie den Karlsruher SC  2:1 (1:1) besiegt.

Diese Ausnahmesituation war gestern gleich durch zwei Aspekte gegeben. Zum einen durch die Erkrankung von Cheftrainer Sascha Lewandowski, für den Assistenztrainer André Hofschneider  erstmals in der Verantwortung stand. Zum anderen durch eine Verletztenliste, die durch den Ausfall der grippegeschwächten Benjamin Kessel und Eroll Zejnullahu noch einmal um zwei prominente  Namen verlängert wurde. So kam es zwischen den Fans, die Lewandowski via Choreografie die besten Genesungswünsche mit in die dreiwöchige Auszeit schickten, und den Spielern des 1. FC Union nach dem Spielende zu einer bemerkenswerten Interaktion. Hier die Menschen auf den Tribünen, die ihrer Mannschaft mit stehenden Ovationen     für die gute Unterhaltung dankten. Da die Spieler, die   wussten, dass ihnen etwas Besonderes geglückt war. Und mittendrin André Hofschneider, der ja  immer den Entspannten gibt, aber infolge der Geschehnisse doch ziemlich bewegt war. Er sagte: „So ein Spiel zum Einstand − eine bessere Dramaturgie hätte man sich nicht wünschen können. Und so wie die Jungs gefightet haben, das war schon überragend.“

Wie sein Chef Lewandowski war  auch Hofschneider also zur Improvisation gezwungen. Roberto Puncec rückte für Kessel in die Verteidigung, Dennis Daube ersetzte   Zejnullahu im Mittelfeld. Und dennoch wirkte das Spiel der Köpenicker weitaus strukturierter als zuletzt. Was ganz viel mit Felix Kroos zu tun hatte, der beim 0:3 in Leipzig noch untergetaucht war, nun aber ständig den Ball forderte und mit seiner   Ballsicherheit das Spiel der Eisernen nach vorne trug.   Zudem wirkte auch das Angriffsspiel   sichtlich belebt. Dank Bobby Wood, dessen Form durch die Schulterverletzung keine Delle genommen hatte.

Kroos hat eine Idee

Trotzdem kam es nach der vielversprechenden Anfangsphase plötzlich zu einem Bruch im Spiel des 1. FC Union, zu einem Bruch, der von den Gästen gleich mal zur Führung genutzt wurde. Hiroki Yamada traf zum 0:1 für die Gäste (31.), weil der ansonsten sehr aufmerksame Christopher Trimmel ein Mal einen Tick zu spät kam. Es war ein Wirkungstreffer, der die Eisernen eine Viertelstunde lange zweifeln ließ. Bis Kroos einmal mehr einen Hinweis darauf gab, dass er in der Zweiten Liga eigentlich nichts zu suchen hat. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte nahm er 25 Meter vor dem gegnerischen Strafraum einen Pass von Damir Kreilach auf, mit einer Idee natürlich, wie man aus dieser Situation ein Tor erzielen könnte. Kroos machte zwei schnelle Schritte, jagte den Ball schließlich mit Wucht zum 1:1 ins Tor des KSC.

Dass die Partie kurz nach dem Wiederanpfiff noch mal eine ganz eigene Wendung bekam, lag an  Kreilach, der sich in der 47. Minute mit einer Gelb-Roten Karte in die Kabine verabschiedete.  „Das war alles andere als das, was wir uns in der Pause vorgenommen hatten“, sagte Hofschneider hinterher. Klar, aber aus dieser misslichen Lage entwickelte sich eben auch dieser besondere Spirit, der aus einer Zehn eine bessere Elf macht. Wood war es dabei vorbehalten, mit seinem zehnten Saisontreffer in der 60. Minute für die Entscheidung zu sorgen. Wobei dem US-Amerikaner, der infolge einer fünften Gelben Karte am kommenden Dienstag beim Gastspiel in Fürth fehlen wird,  freilich zu passe kam, dass sein Schuss aus 16 Metern vom eingewechselten Sascha Traut abgefälscht wurde.

„Es war ein verrücktes Spiel. In Unterzahl den Siegtreffer zu schießen und den Vorsprung eine halbe Stunde über die Zeit zu retten, war nicht ohne“, sagte Sören Brandy, der erstmals die Spielführerbinde trug. Auch er war ganz angetan von der Unterstützung der Fans: „So wie unsere Fans uns nach vorne gepeitscht haben, hat man die Unterzahl fast gar nicht gemerkt. Das Publikum war heute der elfte Mann.“