Berlin - Die Ausgangslage: Ein Punkt aus den drei zurückliegenden Spielen, auf Rang vier in der Tabelle abgerutscht. Der 1. FC Union wollte gegen Kaiserslautern vieles besser machen als in der enttäuschenden Vorwoche. Und die Fußballer aus Köpenick meldeten sich tatsächlich mit einem anfänglich eindrucksvollen Sturmlauf und einer überragenden Schlussphase im Aufstiegsrennen zurück. Grund für ausgiebigen Jubel unter den 21.379 Zuschauern hatte es sogar schon vor dem Anpfiff gegeben.

Das Ergebnis: Mit der Rückkehr des zuletzt wegen einer Knie-OP unpässlichen Stephan Fürstner kehrte Union-Coach Jens Keller zu bewährten 4-3-3-Formation zurück, und sah von der Seitenlinie lange Zeit einem vermeintlich ungefährdeten Sieg entgegen. Doch war es beim 3:1 (1:0) zwischenzeitlich unnötig spannend geworden.

Die erste Hälfte: 50 Sekunden dauerte es, bis Steven Skrzybski den Schuss aufs Tor der Gäste feuerte, in der vierten Minute war Sebastian Polter alleine vor FCK-Keeper Julian Pollersbeck und fünf Minuten später tauchte Damir Kreilach gefährlich im Strafraum auf. Der ganze Frust aus den verpatzten Partien gegen Hannover, Aue und Düsseldorf entlud sich am Ostersonntag in Torchancen.

Nicht zufriedenstellend war allein die Chancenauswertung. Bis Kenny Prince Redondo an der rechten Eckfahne den Ball eroberte. Christopher Trimmel und Skrzybski leiteten ihn weiter zu Kreilach, der zur Führung traf (14.). Nach der beeindruckenden Anfangsviertelstunde nahmen die Eisernen ein wenig Tempo aus der Partie, ohne allerdings jemals selbst in Gefahr zu kommen. Das lag an der aggressiven Zweikampfführung.

Die zweite Hälfte: Erneut kamen die Eisernen torhungrig aus der Kabine. Skrzybski, der seinen Vertrag am Freitag vorzeitig bis 2020 verlängert hat, war in den ersten 15 Minuten gleich dreimal in guter Schussposition, und Redondo wurde per Kopfball gefährlich. Anders als in Hälfte eins gelang es Union aber nicht, die Gäste vom eigenen Tor wegzuhalten. Das nutzte in der 68. Minute Marcel Gaus, der von der Strafraumgrenze Daniel Mesenhöler per Aufsetzer überwinden konnte.

Danach wurde es hektisch: Erst verweigerte das Schiedsrichtergespann einem Tor von Kreilach wegen vermeintlicher Abseitsstellung die Anerkennung (69.), dann beschied es im Anschluss einer Flanke von Trimmel auf Ecke statt Elfmeter (72.). Ausgleichstorschütze Gaus hatte den Ball an den Arm bekommen. Polter per Kopf und der eingewechselte Philipp Hosiner zeigten in der Schlussphase mit ihrem jeweils fünften Saisontreffer jedoch, dass Union nicht auf die Hilfe der Schiedsrichter angewiesen ist (85. und 88.).

Die Schwachstelle des Tages: Osayamen Osawe, der Angreifer von Kaiserslautern, fiel nach einem Zweikampf mit Union-Verteidiger Toni Leistner in der Anfangsphase so unglücklich auf die Schulter, dass er nach 20 Minuten ausgewechselt werden musste.

Die Auferstehung der Rückrunde: Dass die Schulter eine Schwachstelle im menschlichen Körper sein kann, musste auch Maximilian Thiel schmerzlich erfahren. Schon 2015 hatte er viele Spiele wegen einer verletzten Schulter verpasst, im August 2016 ging dann in der Woche vor dem Saisonauftakt sein Eckgelenk zu Bruch. Hinzu kamen in den vergangenen zwei Jahren vielfache Muskelprobleme.

Entsprechend groß war daher der Jubel, als sein Name bei der Verkündung der Auswechselspieler erstmals in dieser Spielzeit in der Alten Försterei ausgerufen wurde. Erst zum zweiten Mal überhaupt befand er sich im Kader. Das erste Mal war vor Weihnachten beim Auswärtsspiel in Fürth gewesen. Zum ersten Einsatz seit dem 5. Februar 2016 reichte es aber noch nicht.

Das Geburtstagsgeschenk: Noch lauter wurde schon vor dem Spiel der ehemalige Kapitän Kreilach beklatscht. Der Kroate feierte am Ostersonntag seinen 28. Geburtstag. Der Ligaverband schloss sich den Glückwünschen an und wertete den Treffer in der 14. Minute nicht als Eigentor von Phillipp Mwene. Stattdessen durfte das Geburtstagskind sein achtes Saisontor bejubeln. Damit ist Kreilach nun gemeinsam mit Skrzybski Unions erfolgreichster Torjäger der Saison. Die Vorlage zum 3:1 durch Hosiner war Ehrensache.

Die Aufbauhelfer: Mit aller Macht versuchten die beiden Außenangreifer Redondo und Skrzybski den kämpferisch überzeugenden, aber momentan etwas abschlussschwachen Mittelstürmer Polter zum Torerfolg zu treiben. Aussichtsreicher wäre es ab und zu gewesen, selbst aufs Tor zu zielen (48. und 54., Skrzybski) oder andersherum mal von Polter bedient zu werden (4., Redondo). Gelohnt haben sich die Vorlagen trotzdem. Denn derart aufgewärmt, sprang Polter in der Schlussphase in die Flanke von Kristian Pedersen.

Das Fazit: Mit dem genesenen Fürstner als Defensivchef stand die Abwehr mit einer Ausnahme sicher, vorne ging es immer wieder mit Hochgeschwindigkeit steil in die Spitze. Vorwerfen muss Union-Coach Keller seinen Spielern nur, dass sie im mit einer besseren Chancenauswertung sehr viel Stress an der Seitenlinie hätten ersparen können. Mit dem verdienten Sieg rücken Eisernen auf Rang drei vor, zwei Punkte hinter Tabellenführer Hannover und punktgleich mit dem nächsten Gegner Stuttgart (2.) und Braunschweig (4.). Auch auf die Niedersachsen trifft Union noch.