Friedrichshafen - Der letzte Punkt in diesem Meisterschaftsfinale? War wunderschön. Robert Kromm stieg in der Mitte hoch am Netz, und knallte den Ball mit Wucht hinein ins Feld des VfB Friedrichshafen. Berlins Mittelblocker Felix Fischer hatte da in der Ecke des Spielfelds schon mit dem Fuß gescharrt wie ein Rennpferd vor dem Start. Er lief als Erster aufs Feld, um die Kollegen zu umarmen. Denn in diesem Moment war klar. Im Playoff-Finale um die deutsche Volleyball-Meisterschaft gibt es kein fünftes Spiel.

Die Serie ist aus. Berlin ist Meister. Zum dritten Mal hintereinander. Wenige Minuten nach dem Spiel standen sie zusammen und tranken darauf ein erstes Bier aus der grünen Kiste, die sie aus Berlin mitgebracht hatten. Fischer sagte: „Jetzt beim dritten Mal, kann man sagen: Wir haben sie abgelöst.“

Den Spielern des VfB Friedrichshafen blieb am Mittwochabend nur der traurige Blick an die Anzeigetafel ihrer Arena. 1:3 (25:23, 17:25, 17:25, 24:26) lautete das Ergebnis aus ihrer Sicht. Das Spiel am Mittwoch endete wie Best-of-Five-Serie auch. Und wie im vorigen Jahr hatten die Berliner die Partie mit einer furiosen Aufholjagd beendet. Sechs Punkte waren sie im vierten Satz schon zurückgelegen. Aber sie kämpfen sich noch einmal heran, um am Ende in orangefarbigen Trikots auf dem Siegerpodest zu stehen – und die Meisterschale nach oben zu stemmen.

Und wie es aussah, hatte es am Mittwochabend in Friedrichshafen eine ganze Menge Menschen, die sich vorgenommen hatten, auf keinen Fall erneut Zuschauer bei der Party im eigenen Haus zu sein. Im indirekten Licht der großen, zur Arena umgebauten Messehalle blieb jedenfalls ein Großteil der grauen Tribünensitze leer. 4 000 Zuschauer fasst die Halle, 2 500 waren gekommen, um den VfB Friedrichshafen zu unterstützen.

Und dass auch die Mannschaft von Trainer Stelian Moculescu mit allen Mitteln vermeiden wollte, dass die BR Volleys ihren dritten Sieg in der Best-of-Five-Serie wie im Vorjahr in Friedrichshafen feiern, war von Beginn an zu sehen. Zum Beispiel an der Entschlossenheit von Friedrichshafens Diagonalangreifer Wentzislaw Simeonow. Der hatte nach Spiel drei in Berlin trotz Müdigkeit, Rückenschmerzen und einer zwölfstündigen Busfahrt vor sich zurück durch die Nacht an den Bodensee trotzig versprochen: „Wenn es nach mir geht, wird es ein fünftes Spiel in Berlin geben. Dafür müssen wir Berlin überraschen. Das wird schwierig, denn dort spielen ja keine dummen Leute.“

Die erste Überraschung war dann das blaue Tape am Handgelenk von VfB-Zuspieler Jan Zimmermann, der in den ersten drei Finalspielen Nikola Jovovic vertreten hatte. Am Dienstag verstauchte sich Zimmermann das Handgelenk im Training – Jovovic, der bisher wegen einer Baumuskelverletzung gefehlt hatte, musste also aufs Feld, um das Team des Rekordmeisters zu dirigieren.

Das gelang ihm gut. Den ersten Satzball verwandelte Simeonow. Im zweiten Durchgang setzten die Berliner Friedrichshafen unter Druck und zogen souverän ihr Spiel auf. Nach dem Satzausgleich hatte VfB-Trainer Moculescu im dritten Durchgang im ungarischen Außenangreifer Roland Gergye und in Yannick Harms zwei neue Überraschungen parat, die das Spiel belebten. Bis zur Mitte des Satzes führte Friedrichshafen, aber die Berliner kämpfen sich zurück. Allen voran Fischer, der jetzt im Mittelblock zum Einsatz kam.

Kapitän Scott Touzinsky sorgte in dieser Phase für wichtige Punkte und als er den Satzball im dritten Durchgang verwandelt hatte, glaubte offenbar selbst der Hallensprecher nicht mehr an ein fünftes Spiel in Berlin. Jedenfalls kündigte er schon mal an, dass später bei der möglichen Siegerehrung bitte niemand auf Spielfeld stürmen solle. Felix Fischer war wenig später dann der Erste, der sich dieser Anweisung widersetzte.