3:1 gegen Hannover: Hertha beendet die Hinrunde zu Hause erfolgreich

Es waren drei Tage des Zweifels seit dem letzten Spiel, drei Tage der Gespräche auch. Erst zwischen Trainern, unter Spielern, und dann kamen sie zusammen, um gemeinsam Lösungen zu finden, wie Trainer Pal Dardai sagte. Probleme gab es zuletzt ja genug bei Hertha BSC. Mentale und körperliche, die in der Summe dazu geführt haben, dass der gestrige Abend und das letzte Heimspiel des Jahres gegen Hannover 96 mit einer Bedeutung aufgeladen waren, die keinem der Beteiligten so gefallen konnte. Alles zu einer Frage verdichtet: Wird Hertha den Kontakt zum gesicherten Tabellenmittelfeld halten oder sich womöglich doch um einen Startplatz im Abstiegskampf bewerben? Die vorläufige Antwort: Das 3:1 (2:0) spricht für die erste Option.

Die erste Lösung, die Dardai gefunden hatte, war die Halbierung der Doppelspitze und damit eine Rückkehr zum alten System. Vorne stand nur Davie Selke, an der Seite saß Vedad Ibisevic, und von dort sah er zunächst elf motivierte Kollegen, die anscheinend verstanden hatten, dass es im Fußball am besten ist, wenn man sich selbst beschenkt, um nicht enttäuscht vor dem Weihnachtsbaum zu sitzen. Und dann fiel auch schon das erste Tor.

Dardai hatte im Vergleich zum Zweifel und Gespräche bringendem Sonntagsunentschieden in Augsburg fünf Positionen verändert und drei Veränderungen waren entscheidend in dieser wahrscheinlich schönsten Szene seit Monaten. Valentino Lazaro schlug einen weiten Diagonalball auf Peter Pekarik, der diesen direkt aus der Luft und mit einem Bodenzwischenkontakt auf den Kopf von Salomon Kalou legte. Der schaute zunächst noch skeptisch zum Linienrichter, doch nicht einmal im Kölner Heimkino hatten sie etwas gesehen, das dieses 1:0 (18.) die Gültigkeit entzogen hätte.

Jarstein lässt die Fäuste spielen

Nach einer halben Stunde hatte Hertha bereits zehnmal aufs Tor geschossen, was ein schier sensationeller Wert ist, waren doch zehn Torschüsse bislang der Schnitt pro Spiel in dieser Saison. Doch auch in Hannover hatten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Weihnachtsgeschenke zusammen, also musste Rune Jarstein mindestens zweimal die Fäuste spielen lassen. Und gerade, als man befürchten musste, dass Dardais Mannschaft wieder ihre seltsame Führungstorhemmungen ausleben würde, spielten alle eine Runde Strafraumflipper.

Lazaro hatte den Freistoß von rechts nach innen getreten, und bevor Kalou den Ball zum 2:0 (45.) über die Linie kickte, waren einige Füße, Schienbeine oder Oberschenkel unfreiwillig an der Vorarbeit beteiligt. Mit seinem zweiten Tor des Abends ist Kalou nun übrigens in Herthas ewiger Ligatorschützenliste an Adrián Ramos vorbeigezogen, er liegt jetzt auf Platz acht und nur einen Treffer hinter Erwin Hermandung und Karl-Heinz Granitza (je 34) – und das bleibt auch erst mal so. Beim Lob an den Ivorer fand Dardai nach dem Spiel dann auch noch ein Schlenker zu Ibisevic: „Wir wissen, was wir an Salomon und Ibisevic haben. Das sind beide torgefährliche Spieler. Bei Salomon hoffe ich natürlich, dass er im letzten Spiel in Leipzig auch trifft.“ Was das für die Einsatzchancen von Ibisevic bedeutet, ließ er hingegen offen.

Jarstein lässt den Ball prallen

Die zweite Halbzeit begann Hertha nicht ganz so schwungvoll, und die Übergänge zwischen Defensive und Offensive waren nicht ganz so fließend wie die zwischen Schneeregen und Regenschnee, die im Wechsel durch das Stadiondach auf die Reporterplätze tropften und rieselten. Vielleicht war auch der Ball nicht mehr griffig, jedenfalls hatte Jarstein ein Problem bei einem Freistoßkopfball, den er zur Seite und vor die einschussbereiten Füße von Ihlas Bebou prallen ließ – das 2:1 (65.) und plötzlich noch mehr Hektik und noch mehr Freistöße und noch mehr Gründe für Dardai, seine Bank zu verlassen, um seine Spieler zur Grundordnung zu rufen.

In der Schlussphase lag erstmals in dieser Saison eine Fünferkette vor dem Strafraum, es kam Sebastian Langkamp als dritter Innenverteidiger ins Spiel. Die anderen beiden trauten sich dann bei einem Eckball sogar nach vorne, und der eine, Niklas Stark, köpfte, und der andere, Jordan Torunarigha, traf irgendwie zum 3:1 (83.), wobei die Torlinientechnik dem Schiedsrichterauge assistieren musste. Pal Dardai blieb trotzdem stehen. Zur Sicherheit. Bis zum Schlusspfiff. Danach sagte er: „Das war heute wirklich ein wichtiger Sieg.“