Berlin - Große Sportereignisse sind in Berlin keine Seltenheit. An jedem Wochenende locken die Fußballer, Basketballer, Eishockeyspieler und Handballer mehrere tausend Fans in ihre Sportstätten. Und auch die Bundesligisten der BR Volleys konnten die Max-Schmeling-Halle im Prenzlauer Berg schon des Öfteren bis unters Dach füllen. Von so einer Kulisse konnten die deutschen Volleyballerinnen bislang nur träumen.

An diesem Wochenende aber ist die Halle am Falkplatz das Revier der Frauen-Nationalmannschaft. Mit 7100 Zuschauern war die Arena besetzt, als das Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti gestern im Halbfinale auf Belgien traf. Sogar der frisch gekürte Präsident des Olympischen Kommitees, Thomas Bach, hatte sich in die Halle gewagt.

„Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Frauenvolleyball in Berlin gesehen habe“, sagte eine Besucherin. Für den letzten internationalen Wettbewerb muss man tatsächlich einige Kalenderseiten zurückblättern. 2002 fand das Endspiel der Weltmeisterschaft schon einmal in der Schmelinghalle statt, da fehlte allerdings eine wesentliche Komponente: Die deutsche Nationalmannschaft, die bereits in der Zwischenrunde ausgeschieden war.

Nervenaufreibende Partie

Nicht so in diesem Jahr: Souverän hatten sich Guidetti und seine Spielerinnen erst durch die Vorrunde und das Viertelfinale und anschließend durch den deutschen Schienenverkehr gekämpft. Mit stehenden Ovationen und schwingenden Klatschpappen wurden sie vom Berliner Publikum zum Halbfinale gegen Belgien empfangen. Unter der Regie des Hallensprechers wurde kurz der Finalapplaus eingeübt.

Was sich aber tatsächlich um 22.30 Uhr in der Halle abspielte, übertraf alle Erwartungen: Außenangreiferin Heike Beier stieg zum Angriff hoch und versenkte den Ball im gegnerischen Feld. Es war der Punkt zum 15:11 im fünften und entscheidenden Satz. Und dann war nur noch ein Knäuel zu sehen, aus Spielerinnen und Betreuern, mittendrin der nur 1,78 Meter große Guidetti, der schnell nicht mehr zu sehen war. 3:2 (18:25, 20:25, 25:21, 25:21, 15:11) setzte sich die deutsche Nationalmannschaft nach einer nervenaufreibenden Partie gegen die starken Belgierinnen durch und darf nun weiter von Gold träumen. „Ich danke euch so sehr“, brüllte Mittelblockerin Corina Ssuschke-Voigt dem Publikum zu.

Denn zunächst sah es nicht nach einem Triumphzug des deutschen Teams aus. Gleich zu Beginn lagen sie zurück (1:4). Mit einem Ass glich Spielführerin Margareta Kozuch zwar zum 8:8 aus, aber sie und ihre Mannschaftskolleginnen kamen nicht ins Spiel. Zu sicher agierten die Belgierinnen im Angriff, brachten in der Abwehr jeden Ball zurück und gewannen den ersten Satz 25:18. Im zweiten Durchgang konnte die DVV-Auswahl zwar eine komfortable Führung herausarbeiten (19:15), aber durch Eigenfehler an Ende des Satzes schrumpfte der Vorsprung schnell. Die Belgierinnen konnten auch diesen Satz mit ihrer starken Block-Abwehr-Leistung zu ihren Gunsten entscheiden (25:20).

„Morgen wird es besser“

Zu Beginn des dritten Satzes gingen die deutschen Volleyballerinnen noch einmal in Führung (6:3), doch die Blicke zeigten Zweifel, von dem Selbstvertrauen aus, das das Team in den vorangegangenen Partien ausgezeichnet hatte, war nichts mehr zu spüren. Immer wieder landeten die Blockspielerinnen im Netz, spielten den Gegnerinnen zu einfache Bälle auf die Arme, was die zu Punktgewinn nutzten. Als beim Stand von 15:16 der Stoppball der belgischen Mittelblockerin Laura Heyrmann im deutschen Feld einfach auf den Boden fiel, reagierte Guidetti und brachte die Berlinerin Saskia Hippe.

Fann passierte endlich das, was die Spielerinnen im gesamten Turnierverlauf ausgezeichnet hatte: Sie kämpften unermüdlich um jeden Ball und holten sich den dritten und den vierten Satz. Zu Beginn des entscheidenden Satzes hielt es schließlich keinen Zuschauer mehr auf dem Platz. Beide Teams kämpften unermüdlich um jeden Punkt und der Boden bebte unter den trampelnden Füßen des Publikums. Endlich kehrte das Selbstbewusstsein in die Blicke der Spielerinnen zurück. Denn Ball zum 14:10 schlug Charlotte Leys ins Aus und die ganze Halle brüllte „Punkt, Punkt!“ Zwei Punkte später konnten sorgte Heike Beier endlich für die Erlösung.

„Wir wissen, dass wir heute nicht perfekt gespielt haben“, sagte Ssuschke-Voigt. „Aber morgen wird es besser“, versprach sie. Da treffen die deutschen Volleyballerinnen auf Russland (20 Uhr, Schmelinghalle).