37:35-Krimisieg gegen die Löwen: Lindberg hebt die Füchse ins Final Four

Am Ende hielt es keinen auf dem Sitz in der Max-Schmeling-Halle. Ob Kreuzbandriss oder Bandscheibenvorfall, selbst die verletzten Handballer der Füchse Berlin stürmten nach Abpfiff auf die Platte um mit ihren Mannschaftskameraden zu feiern. Torhüter Silvio Heinevetter wedelte euphorisch mit der grünen Klubfahne. Wer hätte schon damit rechnen können, dass sich der Dienstagabend so entwicklen würde? Dass die Füchse tatsächlich Gelegenheit bekommen würden, ihre lustig bedruckten T-Shirts überzuziehen, auf denen stand: „Nu aber Butter bei die Füchse.“

Nach einem Krimi mit Herzinfakt-Risiko besiegten die Berliner die Rhein-Neckar-Löwen im DHB-Pokal-Viertelfinale in der Verlängerung mit 37:35 (30:30/13:17) und zogen damit ins Final Four ein.

Genz glänzt im Füchse-Kasten

Wenn der Liga-Fünfte auf den Dritten trifft, der EHF-Cup-Sieger auf den deutschen Pokalsieger und Meisterschaftszweiten, ist Spannung garantiert. Beide Mannschaften schenkten sich keinen Zentimeter. Zwei Abwehrreihen standen sich gegenüber, die durchaus etwas härter zupackten, das Kreisspiel florierte. Die Mannheimer hatten sich nach 25 Minuten mit fünf Toren abgesetzt – nicht zuletzt aufgrund unglücklicher Schiedsrichterentscheidungen. Mit 6 405 Zuschauern im Rücken kämpften die sich wieder heran.

Auf beiden Seiten setzten die Torhüter bis dahin wenig Akzente. Erst durch den in der 34. Minute eingewechselten Fredrik Genz änderte sich das. Nach zwei Paraden aus dem Feld hielt der 21-Jährige einen Siebenmeter und gab seinen Team Impulse. „Freddy, der von der Bank kommt, hält ein paar Dinger und hält uns am Leben“, lobte Heinevetter.

Im Rückraum koordinierten Fabian Wiede und Mattias Zachrisson das Spiel und so arbeiteten sich die Hausherren Schritt für Schritt bis auf ein Tor heran. Am Ende drehte Andreas Palicka im Tor der Löwen ebenfalls auf, während den Füchsen auf der anderen Seite die Kraft ausging. So schien es zunächst – doch dann legte Berlin den Schalter um. Heinevetter kam wieder, hielt einen Siebenmeter, vorne traf Hans Lindberg zum 28:29 in der 56. Minute. Das Drama spitzte sich zu. Kurz vor der Schlusssirene erkämpfte sich Johan Koch einen Strafwurf. Kapitän Lindberg trat zum Siebenmeter an. Was nun? Treffer oder Trauer? Lindberg wählte die frechste aller Varianten: einen Heber, der im Netz zum Gleichstand landete und sein Team in die Verlängerung hob.

Heinevetter schwärmt: „Nervenstärke ist sein zweiter Vorname”

„Nervenstärke ist sein zweiter Vorname“, konstatierte Heinevetter. Die Halle tobte. Das Momentum war auf Berliner Seite. In der Verlängerung ließen die Füchse keine Zweifel aufkommen, dass sie Anfang April zum Final Four nach Hamburg reisen. „Wir haben erst die letzten fünf Minuten richtig funktioniert“, sagte Lindberg, „doch wir haben an uns geglaubt und das Glück gesucht.“