Fußballspielen. Damit hat Heiner Pietzsch, der Berliner Unternehmer, Kunstsammler und Mäzen, in der DDR-Oberliga das erste Geld seines Lebens verdient. „Das wissen die Allerwenigsten“, sagt er. 19 Jahre alt war Pietzsch alt, und Jungkicker in seiner Geburtsstadt bei Rotation Dresden. „Rotation war damals der Vorzeigeklub und Vizemeister der DDR“, sagt Pietzsch mit der Stimme eines Mannes, der sich an ein Spielfeld erinnert, das er geraume Zeit schon nicht mehr betreten hat.
Rotation ist lange her. Mittlerweile ist Heiner Pietzsch – hellgrauer Anzug, zartbuntes Einstecktuch, gütiger Blick – 83 Jahre alt. Und gleich im dritten Satz des Gesprächs in seinem Büro in Berlin-Schmargendorf, wo er sich von seinem gewaltigen Schreibtisch erhebt, und mit wenigen Schritten die Antes-Skulptur vor der Fensterfront passiert, nennt er zwei Schlüsselworte. Sie werden entscheidend sein für dieses Kapitel der Geschichte, die fortan in Berlin spielen soll. Dort, wohin es Pietzsch 1951 zog. Fußball ist das eine Wort, Finanzen das andere. Beide beschreiben zwei Phänomene, die unberechenbar sind – und vermutlich deshalb oft so spektakulär. Es geht um Tennis Borussia, das liebe Geld und um ein Rendezvous mit der Fußball-Bundesliga, das TeBe 1974 ganz unverhofft einging.

1974 war Pietzsch Pressesprecher bei dem Verein. Er nutzte den Fernschreiber in seinem Kunststoff-Unternehmen, um die Aufstellungen an die Berliner Zeitungen zu übermitteln. Als sportlicher Kopf fungierte Heinz Opitz. Klaus Schumann, seinerzeit Kassenprüfer, weiß noch, wie er während des entscheidenden Aufstiegsrundenspiels gezittert hat: Es war ein Mittwoch. Tennis Borussia spielte im Poststadion gegen St. Pauli. Bis zur 70. Minute führten die Gäste 1:0. „Aber wir ham det noch 3:1 jewonnen. Und da gleichzeitig Borussia Neunkirchen zu Hause gegen Oberhausen verloren hat, waren wir uffjestiegen“, erzählt Schumann. „Det war ’ne Sensation für alle.“

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