Berlin - Was bei Spielen in der Deutschen Eishockey Liga für gewöhnlich ganz gut klappt, lief beim 50-Kilometer-Gehen der Frauen und Männer im Herzen der City West ins Leere.  Mit dem Zorba Sirtaki Mix, dem Klatschpappenklassiker, versuchten die Organisatoren die Menschen auf den Tribünen am Breitscheidplatz zu animieren, und der eine oder andere beziehungsweise die eine oder andere klatschte ja tatsächlich im Takt, aber letztlich wollte bei der ersten Entscheidung dieser Europameisterschaft  keine rechte Stimmung aufkommen. Wie auch – bei den 50, 60 Zuschauern, die sich zunächst im Zielraum eingefunden hatten, darunter viele Betreuer und Familienmitglieder der Athleten. Beim Finish kurz vor 13 Uhr waren es immerhin etwa 200 Interessierte, die für die mitunter sehr erschöpften Sportler Spalier standen.

Lag es an der frühen Startzeit? Immerhin starteten die 36 Männer und 19  Frauen bereits  um 8.35 Uhr in den Rundkurs entlang der Budapester Straße. Lag es am kreislaufbelastenden Wetter? Immerhin  wurden schon gegen 9.30 Uhr mehr als 30 Grad Celsius gemessen, gegen Mittag nahezu 40? Oder  liegt es daran, dass Gehen   für viele nicht nur eine Randsportart, sondern  in letzter Konsequenz eine  nur schwer nachvollziehbare Sportart bleibt.

Gratwanderung in der City-West

Beim späteren Sieger, dem Ukrainer Maryan Zakalnytskyy, deutete jedenfalls schon früh vieles darauf hin, dass seine schnelle Wanderung durch Berlin  zu einer Gratwanderung wird. Immer wieder schien er bei seinen ausgreifenden Schritten  gegen die Regel den Bodenkontakt zu verlieren, wurde schließlich auch verwarnt, aber von einer Roten Karte beziehungsweise einer Zeitstrafe sahen die Wettkampfrichter dann doch ab. Und was war das doch für eine seltsame Klammer, die der 23-Jährige auf seiner Nase trug? So eine Art Wäscheklammer, mit der er ... ja was denn eigentlich bezwecken wollte. Nun gut, Zakalnytskyy siegte vor dem als Favorit gehandelten Slowaken Matej Toth (3:47:27), der nach Hälfte der Strecke erhebliche Probleme zu haben schien und sich erst gegen Ende von dieser Schwächephase erholten konnte. Die Bronzemedaille  ging an den Weißrussen Dmitri Dsjubin (3:47:59).

Und die deutschen Starter? Die begriffen offensichtlich einen Tick zu spät, welch große Chance sich für sie an diesem Tag auf den Gewinn einer Medaille eröffnet hatte. Carl Dohmann aus Baden-Baden, der vom zweimaligen Olympiateilnehmer Robert Ihly trainiert wird, fehlte vielleicht einfach nur das Quäntchen Mut, um mit einer Zeit von 3:50,27 Stunden nicht nur als Fünfter ins Ziel zu kommen. Andererseits darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass er damit das beste Ergebnis eines deutschen Gehers bei einer Europameisterschaft seit 28 Jahren erzielt hatte. „Der fünfte Platz ist mein größter internationaler Erfolg. Es war ein offenes Rennen, auch um die Medaillen. Alle hatten mit der Hitze zu kämpfen. Mit etwas mehr taktischem Geschick, wäre vielleicht noch ein Platz weiter vorne drin gewesen“, sagte Dohmann.   Nathaniel Seiler aus Bühlertal   belegte Platz sieben, während Karl Jungannß aus Erfurt Mitte des Rennens disqualifiziert wurde.

Walking im Tiergarten

Bei den Frauen  siegte Ines Pereira Henriques (4:09:21 Stunden), die noch nicht einmal an ihre Grenzen gehen musste, um Silbenmedaillengewinnerin  Alina Zwilij  aus der Ukraine (4:12:44 Std.) auf Distanz zu halten. Die 38 Jahre alte Weltmeisterin aus Portugal  erweckte beim Zieleinlauf sogar den Eindruck, als habe sie eine Runde Walking durch den Tiergarten hinter sich, während der eine oder andere Mann, den sie überholt hatte, durch die Reihen  torkelnd nach Erfrischungsgetränken verlangte. Eine deutsche Geherin hatte das Abenteuer Langdistanz nicht gewagt.