Die Berliner Fans im Block 212 hüpften, trommelten und klatschten als ob sie in paar Minuten den Titel feiern könnten. Dass der Blick auf den Videowürfel und der 46:72-Rückstand vor dem letzten Viertel eigentlich Grund zur Tristesse hätte sein müssen, schien die Alba-Anhänger an diesem Abend, an dem sie elfte deutsche Meisterschaft hätten feiern können, nur bedingt zu stören. Mit zwei überzeugenden Auftritten hatte sich ihre Mannschaft in die Situation gebracht, am Freitagabend diesen Titel gewinnen zu können, da schienen sie die am Ende deutliche 60:90-Niederlage irgendwie verschmerzen zu können. Immerhin hat Alba Berlin ja bereits am Sonntag (15 Uhr) in München den nächsten Matchball.

Erstmals seit Februar 2020 ist die Halle wieder ausverkauft

Die Fans waren es auch, die beim Einlauf der beiden Mannschaften in die Arena am Ostbahnhof ein Bild boten, das nicht mal eine Hand voll Spieler des aktuellen Alba-Kaders gesehen hatte. Malte Delow, Jonas Mattisseck, Luke Sikma und Johannes Thiemann waren dabei, als zum zuvor letzten Mal ein Berliner Heimspiel am 16. Februar 2020 beim Pokalsieg gegen Oldenburg ausverkauft war und hinterher gefeiert wurde. Feiern, das wollten sie diesmal wieder. Mit einer 2:0-Führung im Rücken sollte das dritte Spiel gegen den FC Bayern München und damit auch zum dritten Mal in Folge die deutsche Meisterschaft gewonnen werden. Dass neben beim Gegner nicht nur Vladimir Lucic, sondern auch Leon Radosevic kurzfristig durch eine schwere fiebrige Infektion ausfiel, galt am Rande des Spielfelds als weiterer Vorteil im Kampf um den Titel.

Aber: Selbst wenn Johannes Thiemann und Oscar da Silva am Vortag davon nichts wissen wollten, so schien sich die mittlerweile ungewohnte Kulisse und die Ausgangslage negativ auf das Berliner Spiel auszuwirken. Auf das schöne Tänzchen von Luke Sikma vor dem Korbleger zum 2:0 und weiteren zwei Punkten von Jaleen Smith sollte nämlich aus Alba-Sicht offensiv erst einmal nicht mehr viel folgen. Ohne Wurfglück von der Dreierlinie, durch Schwächen im Rebound und Ballverluste gerieten die Berliner in Rückstand, lagen nach viereinhalb Minuten mit bereits 4:13 hinten.

Auf dem Feld schien aus der im Vorfeld gezeigten Vorfreude auf den Titelgewinn eine Last geworden zu sein, den Meisterpokal, der vor dem Spiel im Mittelkreis erleuchtet wurde, an diesem Abend zu gewinnen. Das sah offenbar auch Trainer Israel Gonzalez, der beim Münchner Treffer zum 19:8 und noch gut drei Minuten Restzeit in Viertel eins seine erste Auszeit in dieser Finalserie nahm.

Ein Sinnbild für eine Mischung aus eigenem Pech und Stärke des Gegners war eine Szene in der 13. Minute, die den Großteil der 14.500 Zuschauer verzweifeln ließ: Erst blockte Christ Koumadje auf spektakuläre Weise einen Korbleger von Bayerns Ognjen Jaramaz, doch die zweite Chance nutzte Nick Weiler-Babb und erhöhte per Dreier auf 33:17. Mit hohem Druck in der Verteidigung machten die Münchner den Berlinern des Leben in der Offensive weiter schwer, zauberten ihrerseits in der Offensive keineswegs, aber trafen zumindest mit stabilen Quoten. Zwischenzeitlich lagen die Gastgeber im zweiten Viertel mit 22 Punkten hinten (22:44) und ließen elf Dreierversuche ungenutzt. Erst kurz vor der Pause war Jaleen Smith erstmals aus der Distanz erfolgreich und konnte zur Pause auf 33:52 verkürzen.

Alba Berlin tut sich nach der Pause offensiv weiter schwer

Für die Wende reichte das freilich noch lange nicht, 19 weitere Punkte galt es nach dem Seitenwechsel erst einmal aufzuholen, doch ließ der erste Treffer dreieinhalb Minuten auf sich warten. Davor war man fast geneigt, Mitleid mit den Berlinern zu empfinden, die sechs Korbleger und einen weiteren Dreierversuch vergaben, ehe Maodo Lo von der Dreierlinie auf 36:54 verkürzte. Jedes noch so kleine Erfolgserlebnis wurde vom weiter hoffnungsvollen Publikum mit lautem Applaus honoriert, die Unterstützung von den Rängen aber schien weiter zu lähmen, statt zu pushen.

Das offensive Desaster der Berliner fand im Laufe des Viertels seine Fortsetzung, 30 Sekunden vor dessen Ende gelang den Gastgebern erst der zehnte Punkt, zwischenzeitlich betrug der Rückstand sogar 27 Zähler - beim Stand von 46:72 gab es vor dem Schlussdurchgang im Prinzip keine Hoffnung mehr. Die letzten Minuten plätscherten ohne große Unterbrechungen vor sich hin. Während bei den Münchnern selbst schwierigste Würfe in den Korb gingen, fand Alba Berlin auch im Schlussabschnitt keinen Rhythmus. Dass die Fans das Spiel dennoch akustisch lautstark bis zum Ende begleiteten, hatte sich Alba Berlin vielleicht nicht an diesem Abend, dafür aber in den restlichen Saisonspielen zuvor verdient.