Berlin - Ein Dreier aus der Ecke, zwei schwierige Zweier im Zurückfallen und das jedes Mal mit Ablauf der Wurfuhr. Viel effektiver kann man in der Schlussphase mit einer Führung im Rücken nicht auftreten. Einen besseren Zeitpunkt für diese Treffsicherheit hätten sich Luke Sikma, Niels Giffey und Jayson Granger nicht aussuchen können. 91 Sekunden vor dem Ende des dritten Spiels der Finalserie um die deutsche Meisterschaft lag Alba Berlin am Samstagnachmittag mit 81:69 in Führung und hatte damit für die Entscheidung gesorgt. Während sich die Gastgeber ärgerten, dass sie in der verbleibenden Spielzeit nicht mehr trafen, konnten die Gäste damit leben, dass auch sie keinen Wurf im Münchner Korb mehr unterbringen konnten. Das 81:69 brachte den Berlinern die 2:1-Führung in der Serie und die Chance, am Sonntag (15 Uhr) an gleicher Stelle erneut deutscher Meister zu werden.

Alba Berlin startet in München fokussiert

Nach zwei Spielen in Berlin wurde der Titelverteidiger anderthalb Stunden vor dem Anpfiff freundlich begrüßt. Ein paar Bayern-Fans bildeten ein kleines Spalier auf dem Weg in die Halle und applaudierten vor allem Maodo Lo, der in den vergangenen zwei Jahren noch für die Münchner aufgelaufen war. Vielleicht war das auch eine zusätzliche Motivation dafür, dass Alba diesmal vom Sprungball an all das richtig machte, was zum Start von Spiel zwei in Berlin noch falsch gemacht wurde. Die Starting Five um Niels Giffey setzte genau das um, was der Kapitän vor dem Anpfiff forderte: Alle Spieler waren wach, fokussiert, treffsicher und folgerichtig nach gut zwei Minuten durch den Dreier von Markus Eriksson mit 9:0 in Führung.

Damit hatte die Mannschaft schon zwei Punkte mehr erzielt als im gesamten ersten Viertel bei der Heimniederlage zwei Tage zuvor. Ein wichtiger Faktor dabei: Christ Koumadje, der Peyton Siva ersetzte, direkt in der Anfangsformation stand und das Spiel an beiden Seiten des Feldes veränderte. Offensiv erzielte er schnell vier Punkte, defensiv beeinflusste er mit seiner Größe mal wieder die Würfe der Münchner.

Was anfangs gut klappte, änderte sich Mitte des ersten Abschnitts aber schlagartig wieder: Korbleger gingen plötzlich selbst im Nachfassen über mehr als vier Minuten nicht rein, die Dreier fielen nicht mehr und die Bayern kämpften sich mal wieder ran. Von der zwischenzeitlichen 14:6-Führung war nach zehn Minuten beim 19:18 nur noch ein Punkt übrig.

Nachdem das zweite Viertel zunächst ausgeglichen verlief und sich kein Team absetzen konnte, leisteten sich die Berliner erneut eine mehrminütige Flaute im Offensivspiel und gerieten durch einen 0:10-Lauf mit 29:37 erstmals in der Partie deutlicher in Rückstand. Das physische Spiel in der Defensive der Münchner setzte Alba wieder einmal zu und sorgte für einen Bruch des Rhythmus. Die Antwort darauf? Ein eigener 8:0-Lauf, mit dem man das Spiel zur Halbzeit wieder ausgleichen konnte. „Wir sind gut rausgekommen, aber haben es dann etwas schleifen lassen“, sagte Johannes Thiemann auf dem Weg in die Kabine vor dem Mikrofon von Magentasport.

Nach dem Seitenwechsel saß der Alba-Center zunächst wieder auf der Bank und musste von dort mit ansehen, wie seine Teamkollegen weiter den offensiven Rhythmus suchten und DJ Seeley acht Punkte zum 11:0-Lauf der Bayern beisteuerte. Freilich hatte das in diesem Spiel, in dieser Finalserie noch nichts zu heißen. Der nächste Lauf – ein 10:0 – gehörte natürlich wieder den Berlinern, die nach einem Dreier von Tim Schneider mit der Schlusssirene des dritten Viertels sogar mit einer 59:56-Führung in die letzten zehn Minuten von Spiel drei gingen.

Jayson Granger sorgt für notwendige Ruhe

Und genau diesen Schwung konnten die Berliner mitnehmen. Jayson Granger sorgte für die nötige Ruhe im Aufbau und den richtigen Rhythmus. 3:41 Minuten vor dem Ende lagen die Berliner plötzlich mit 75:64 in Führung – offensiv lief es nun rund, und defensiv hatte Alba nun die notwendige Intensität gefunden. Den Gastgebern konnten die 1300 Zuschauer in der Halle keine Energie mehr geben. Alba brachte die Führung über die Zeit, hatte mit dem letzten Lauf des Spiels für die Entscheidung gesorgt und kann am Sonntag den Meistertitel. Aber: „Der Job ist noch nicht erledigt, wir werden alles versuchen, den Sieg zu holen“, sagte Luke Sikma bei Magentasport und wirkte nicht euphorisch, sondern noch immer fokussiert. Wenn er und seine Teamkollegen das auch am Sonntag halten können, braucht es vielleicht kein fünftes Spiel für die Meisterschaft.