Vielleicht sollte Roman Abramowitsch ja einfach die Finger von der Mannschaft lassen. Wen hat der russische Besitzer des FC Chelsea in zehn Jahren nicht schon alles geholt, was für große Trainer beschäftigt und was für große Teams aufs Feld geschickt. Doch noch nie lief es so gut wie in den letzten beiden Jahren – zumindest was europäische Titel angeht.

Immer wenn alle dachten, es sei vorbei mit der englischen Fußball-Herrlichkeit, wenn die Aushängeschilder aus Manchester kläglich gescheitert waren, kam der FC Chelsea um die Ecke und klaute sich einen Pokal. Im vergangenen Jahr den der Champions League, vor den Augen der entsetzten Bayern, die sich noch heute fragen, was damals eigentlich passiert ist.

Am Mittwoch den der Europa League gegen Benfica Lissabon, das zwar hübsch aufspielte, aber daheim offenbar ohne Tore trainiert. Zwei Europapokale gleichzeitig zu besitzen, das hat noch niemand geschafft, und beide Male schlug Chelsea mit einer Effizienz zu, die zwar keine Bewunderung hervorruft, aber immerhin einen gewissen Respekt. Es sei denn, man heißt Roman Abramowitsch.

Keine Spur von Abramowitsch

Der Chelsea-Boss ließ sich nicht blicken in Amsterdam, anders als vor einem Jahr in München, wo er den Triumph auf der Tribüne betont lässig quittierte. Später machte er keinen Hehl daraus, dass ihm der Fußball seines Teams ganz und gar nicht gefallen hatte.

Abramowitsch liebt das schöne Spiel, und im Sommer wurde dann auch mächtig in Spielwitz investiert. Es kamen Techniker wie Óscar, Eden Hazard oder Marko Marin, am Ende reichte es aber doch wieder nur zu nüchternem Zweckfußball à la Lampard, Terry, Torres oder Cole.

Das kann einen Abramowitsch nicht zufriedenstellen, und statt die Strategie des glanzlosen Erfolgs zu konservieren, will er erneut tief in die Tasche greifen. 100 Millionen Pfund sollen für drei bis vier Spieler ausgegeben werden, plauderte der scheidende Coach Rafael Benítez aus. Vielleicht wird der FC Chelsea also bald wieder hübschen Fußball spielen. Ob er dann noch Europapokale gewinnt, ist eine andere Frage.