Im Sport führen denkwürdige Situationen auf dem Spielfeld manchmal zu denkwürdigen Situationen abseits davon. Infolge mehrerer teils erschreckend schwacher Auftritte und einer veritablen Heimkrise, verstärkt durch die 2:5-Niederlage am Dienstagabend in der Arena am Ostbahnhof gegen die Nürnberg Ice Tigers, hat der Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sich mit sofortiger Wirkung von Cheftrainer Clément Jodoin getrennt. Sportdirektor Stéphane Richer übernimmt als Interimstrainer.

Im Anschluss an die Niederlage gegen Nürnberg hatte Jodoin seine Spieler noch überraschend offen kritisiert, ging mit der Mannschaft so hart ins Gericht wie noch nie seit seinem Amtsantritt.

Zweifel an Fitness und Moral

„Die Ergebnisse in den letzten Spielen wurden absolut nicht unserem Anspruch gerecht“, kritisierte nun auch Stéphane Richer, nahm die Mannschaft aber etwas in Schutz: „Das Team hat gezeigt, dass es gut spielen und gewinnen kann. Es fehlt aber die Konstanz. Wir brauchen neue Reize, um das Leistungsvermögen der Jungs besser ausschöpfen zu können.“

Zuletzt gab es im Trainerstab der Eisbären Zweifel am Fitnesszustand einiger Akteure. In der Mixed Zone musste Brendan Ranford nach dem Ende der Partie gegen Nürnberg zum Seilhüpfen antreten. Eine Strafaktion für den 26 Jahre alten Kanadier? Fitnesscoach Jake Jensen stand jedenfalls demonstrativ daneben, um ihn zu kontrollieren. Auch Florian Busch kam später schweißüberströmt aus dem Fitnessraum.

Einige Eisbären-Spieler hatten zuletzt geäußert, dass sie sich müde fühlten. Darüber hatte sich Jodoin am Dienstag besonders aufgeregt. „Das sind alles nur Ausreden, sie sollen lieber mal in den Spiegel schauen“, schimpfte er. „Wir sind aus Köln zurück nach Berlin geflogen, Nürnberg ist heute mit dem Bus angereist. Vielleicht sollten wir demnächst auch mal den Bus nehmen.“

Entschuldigung bei den Fans

Jodoin beließ es nicht bei der öffentlich geäußerten Kritik an seinen Spielern. Zum Abschluss seiner Brandrede wollte es sich der angefressene Trainer nicht nehmen lassen, sich im Namen der Mannschaft bei den Eisbären-Fans zu entschuldigen. „In der Organisation arbeiten viele Leute von acht bis fünf Uhr oder sogar von acht bis acht, um die Halle zu füllen“, der 66 Jahre alte Coach. „Als Eishockeyprofi musst du drei Stunden am Tag arbeiten. Da ist es deine Pflicht, den Job richtig zu machen.“ Was er da noch nicht wusste: Es waren seine Abschiedsworte als Trainer der Eisbären.