Ein Gespenst geht um in Zentral-Europa. Genauer gesagt in der Bundeshauptstadt und da im beschaulichen Stadtteil zu Köpenick. Doch handelt es sich beileibe nicht um das Gespenst des Kommunismus, obwohl die Nachfolgerpartei der SED dort seit 2005 in Gestalt von Gregor Gysi zuverlässig das Bundestagsmandat abräumt. Sondern hier handelt es sich schlichtweg um das nur in Sportlerkreisen gefürchtete Abstiegsgespenst.

Denn der dort ansässige, eigentlich recht respektable Zweitligist namens 1. FC Union müht sich derzeit kräftig, dem Bundesliga-Unterbau zu entfleuchen. Nach unten aber und nicht wie ersehnt nach oben. Diesem Unterfangen sind die Eisernen am Osterwochenende durch ein 1:2 (0:1) bei der SpVgg Greuther Fürth unfreiwillig ein gehöriges Stück näher gekommen. Und da der Trend der Friend ist, wie der leicht philosophisch angehauchte Fußballguru Uli H. aus M. dereinst postulierte, muss einem angst und bange werden. Denn dass die Eisernen nach zehn Punkten aus den zwölf Spielen unter Übungsleiter André Hofschneider auf einem kreuzgefährlichen Wege sind, sieht jeder.

Sechs Spiele sind es nur noch und alle gegen direkte Konkurrenten. Das birgt ebenso viel Chancen wie Risiken. Denn eins haben die Mannen um Felix Kroos bislang nachhaltig bewiesen – dass sie Abstiegskampf nicht können. Vielleicht auch deshalb, weil sie sich eigentlich zu Höherem berufen fühlten und im Unterbewusstsein die lauernden Gefahren unterschätzt haben. „Man muss jetzt mal auf den Tisch hauen“, forderte Christopher Trimmel mit Nachdruck. Der Österreicher ist einer der wenigen Profis, der in dieser Saison Konstanz beweist und über den Zweifel der Selbstüberschätzung erhaben ist.

An eine Entlassung des Cheftrainers denkt noch keiner

Redebedarf haben sie also schon mal festgestellt. Was einem aus den letzten Wochen nicht unvertraut vorkommt, auch wenn es nie was geholfen hat. Doch der Wunsch nach Meinungsaustausch besteht nicht nur intern, wie die Bilder vom Wochenende aus dem Ronhof belegten. Denn dort bekamen Berufsfußballspieler nach dem Abpfiff einige erregte Worte des eisernen Anhangs mit auf den Weg. Aufgefordert wurden sie – in der Sache hart, im Ton verbindlich – jetzt endlich mal alle Anstrengungen auf ihr fußballerisches Tun zu richten und eventuelle Zukunftsgedanken ihrerseits hinten anzustellen, bis im Sinne des Klassenerhaltes das Schicksal des Klubs geklärt sei. Der sei wertvoller als Fußballerbeine, wurde ihnen klar gemacht. Die würden kommen und gehen, seien, so aus Fankehlen in Fürth vorgetragen, austauschbar. So wie auch Trainer!

Aber an eine Entlassung des erfolglosen Cheftrainers denkt im Klub noch keiner. Die üblichen Mechanismen des Schulterschlusses werden propagiert. „Wir müssen punkten und das werden wir schaffen, wenn wir alle Kräfte bündeln. Der gesamte Verein rückt noch enger zusammen, das ist deutlich zu spüren“, merkte Lutz Munack, der Geschäftsführer Sport der Köpenicker an. Hofschneider selber denkt auch nicht daran, den Bettel hinzuschmeißen. In der Tradition eines Pawel Kortschagin nimmt er sich in die Pflicht. Aufgeben? Ist nicht!

Ein Abstieg wäre ein Desaster

Ein Abstieg würde die Eisernen teuer zu stehen kommen. Er kostet Nerven und vor allem Geld. Eigentlich wollte sich Union − in dieser Spielzeit mit 12,035 Millionen Euro aus den Fernsehtöpfen bedacht – so es denn mit dem Aufstieg nicht klappt, an die Spitze im TV-Ranking aller traditionellen Zweitligisten setzen. Würde ihnen in der kommenden Spielzeit eine Summe von 16,627 Millionen Euro bringen. Der sportliche Absturz ließ diese Summer schon jetzt auf 13,949 Millionen für 2018/19 abschmelzen.

Ein Abstieg wäre ein Desaster. Drittligisten kassieren nur rund eine Millionen Euro. Dass zudem die Sponsoren weniger Geld in die Schatullen der Köpenicker einzahlen müssten, käme obendrauf. Auch die Zuschauer-Einnahmen würde sinken! Erschwerend käme hinzu, dass Union keine Ablösesummen generieren könnte. Alle Profis − darunter das ganze Tafelsilber wie Steven Skrzybski, Kristian Pedersen oder nach Gesundung Sebastian Polter – könnten ablösefrei weg. Es wäre also nicht mal möglich, durch Transfererlöse eine schlagkräftige Truppe aufzustellen, die den sofortigen Wiederaufstieg anpeilen könnte. Wie schwer das ist, zeigt Hansa Rostock. Der Ex-Bundesligist versucht vergeblich seit 2012 der Drittklassigkeit zu entkommen.