Gemeinsame Bremer Vergangenheit: Florian Kohfeldt diskutiert intensiv mit Alexander Nouri.
Foto: Nordphoto/Imago Images

Frankfurt am MainEchte Männerfreundschaften gibt es im Bundesligazirkel etliche. Weil   Werder Bremen seinen Aufenthalt in der Mainmetropole bis einen Tag vor dem Bundesligaspiel bei Hertha BSC (Sonnabend, 15.30 Uhr) nach dem Pokalspiel bei Eintracht Frankfurt (0:2) ausdehnte, schaute auf einmal auch Rouven Schröder im Mannschaftshotel am Mainufer vorbei. Der Sportvorstand des FSV Mainz 05, ehemals Direktor Profifußball bei Werder, wollte seinen alten Freund, Torwarttrainer Christian Vander, treffen.

Auch Florian Kohfeldt, Bremens Chefcoach, und Alexander Nouri, Berlins Übergangstrainer, kennen sich aus der gemeinsamen Zeit am Osterdeich. Der eine (Kohfeldt) gehört seit 2001 den Grün-Weißen an, der andere trug von 1994 bis 2001 das Trikot mit der Werder-Raute und war von 2014 bis 2017 in unterschiedlichen Trainerfunktionen beim Verein angestellt.

Herthas Trainer fürchtet um seinen Job

„Ich freue mich ihn zu sehen, aber am liebsten wäre mir, wenn er mir nach dem Spiel gratuliert“, sagte Kohfeldt. Denn: „Entscheidend ist, dass wir bei Hertha punkten. Egal, ob mit einem Feuerwerk oder einem Rotzspiel mit einer Chance.“ Ähnlich hat sich sein Gegenüber fast zeitgleich geäußert: „Wir wollen dieses Heimspiel unbedingt gewinnen, denn wir wissen natürlich um die Konstellation in der Tabelle“, sagte Nouri, der mit dem Hauptstadtklub noch zehn Zähler mehr als die Hanseaten auf dem Konto hat. Es gehört zu den Kuriositäten dieser hyperaktiven Branche, dass sein Job trotzdem deutlich unsicherer ist. „Deshalb möchte ich auch nicht mit ihm tauschen“, merkte Kohfeldt an.

Dass Werder seit Wochen zu wenig anbietet, „um ein Bundesligaspiel zu gewinnen“, dämmert auch dem 37 Jahre alten Fußballlehrer, von dem die Verantwortlichen an der Weser überzeugt waren, dass er nicht mit jenem Stempel versehen wird, mit dem seine Vorgänger Viktor Skripnik und eben Nouri aus dem Amt gefegt wurden: von den eigenen Amateuren befördert, um irgendwann bei den Profis den Grad der Überforderung zu erreichen. Über den aktuellen Hertha-Trainer, von Jürgen Klinsmann nach einer Hospitanz in den USA an die Spree geholt, hieß es bei Werder, ihm fehlte neben Führungsqualität auch eine fußballerische Philosophie. Netter Kerl ja, guter Coach nein.

Bei der Hertha ist es ein offenes Geheimnis, dass der beim Zweitligisten FC Ingolstadt grandios gescheiterte Nouri allerhöchstens bis Saisonende bleibt. Manager Michael Preetz will mit ihm die Saison einigermaßen anständig zu Ende bringen, um nicht noch einen vierten Trainer installieren zu müssen. Aber geht das mit dem im Oktober 2017 in Bremen nach zehn sieglosen Spielen vom Hof gejagten Deutsch-Iraner wirklich gut? Dass die Hertha kürzlich bei Fortuna Düsseldorf einen 0:3-Rückstand in den vielleicht wichtigsten Punktgewinn der Saison umwandelte, sollen Akteure wie Torwart Thomas Kraft, nicht aber der 40-Jährige in die Wege geleitet haben, der sich bei allen drei Treffern auffallend teilnahmslos verhielt. Als habe er damit nichts zu tun.

Kohfeldt bekam den Spitznamen: Student

Die Begegnung zwischen Kohfeldt und Nouri hat eine Vorgeschichte. Kohfeldt wurde einst von Skripnik ins Trainerteam   geholt. Spitzname: Student. Zu diesem Zeitpunkt betreute Nouri die U23. Er übernahm, als Skripnik im September 2016 seinen Job verlor. „Ich bin froh und dankbar, diese Möglichkeit bekommen zu haben“, sagt Nouri rückblickend. Gleichzeitig delegierte Geschäftsführer Frank Baumann Kohfeldt zur zweiten Mannschaft.

Selke setzt aus

Pause: Stürmer Davie Selke verschwendet nach eigener Auskunft keine Gedanken an die Spielverbotsklausel gegen Hertha BSC, ins Berliner Olympiastadion will er am Sonnabend auf jeden Fall kommen. Der 25-Jährige war in der Winterpause vom Hauptstadtklub an seinen ehemaligen Verein ausgeliehen worden.
Probleme: Groll hegt Selke nicht. „Es war nicht so, dass Hertha mich abgeben wollte“, erklärte er. Er habe auch zum damaligen Trainer Jürgen Klinsmann bis zum Schluss ein gutes Verhältnis gehabt. Durch die Zugänge Matheus Cunha und Krzysztof Piatek sei der Platz im Angriff aber knapp geworden. „Ich wollte einfach weiter meine Spiele machen.“

„Ich musste die Ausbildungsprinzipien des Vereins umsetzen, ich habe mich dann vor allem mit Markus Feldhoff ausgetauscht“, erzählt Kohfeldt. Professionell soll der Austausch gewesen sein, betont er. Ansonsten funkten beide zu wenig auf einer Wellenlänge. Intellektuell scheinen die Unterschiede groß zwischen dem zuvorderst mit seiner Rhetorik punktenden Kohfeldt und dem in erster Linie über die Motivationsschiene arbeitenden Nouri.

Kohfeldt wäre es am liebsten, wenn die unterschiedlichen Ansichten im Olympiastadion sichtbar werden, wo er sich auf „einen besseren Rasen“ als in Frankfurt freut. Noch immer ist der DFB-Trainer des Jahres 2018   der Meinung, dass sich sein für Europapokalträume zusammengestelltes Ensemble am besten spielerisch befreit. „Ich bereite uns so vor, dass wir den Ball haben müssen.“ Schließlich wisse er ja auch, für welchen Fußball Alexander Nouri stehe.