Als die Vorstellung im Firmensitz der Alba Group vorüber ist, durchforstet Aíto Garcia Reneses sein Smartphone nach einer Filmszene. Der Trainer war darauf angesprochen worden, was schon mal passiert, schließlich steht es bei Wikipedia. Dass er nämlich in dem spanischen Film „La familia y uno màs“ eine Statistenrolle hatte. 1965, er war Basketballer bei Estudiantes in Madrid. Ein Teamkollege  spielte die Hauptrolle. „Also in Wirklichkeit war das nicht mein Teamkollege, der konnte ja nicht mal Basketball spielen“, erzählt Reneses. „Guapa, guapisima“ musste er damals über  die Freundin des Kollegen sagen: schön, bildschön. Und zum Hauptdarsteller selbst irgendetwas wie: „Wir alle glauben  an Dich.“ Jetzt findet er die Szene nicht im Smartphone wieder. „Auf meinem Tablet ist sie ganz sicher“, sagt Reneses.

Berlin ist sein erster Job im Ausland

Das mit der Schauspielerei war eine einmalige Sache. Das mit dem Glauben an den Anderen im Team wurde aber zum Leitfaden des 70 Jahre alten Trainers. Deshalb ist er nach  einer Saison im Ruhestand nun mit Alba Berlin einen Vertrag über zwei Jahre eingegangen. Deshalb wagt er sich nach  seiner Zeit bei Joventut Badalona, dem FC Barcelona, in Malaga, Sevilla und auf Gran Canaria erstmals an ein Engagement im Ausland. „Ich habe Vertrauen in Himar“, hat Reneses gestern bei der Vorstellung über den Sportdirektor seines neuen Arbeitgebers gesagt, über Himar Ojeda.

Es ging um die Vertragsverlängerungen von Akeem Vargas und Niels Giffey, um die Verpflichtung von Joshiko Saibou, den Weggang von Tony Gaffney, Malcolm Miller und Gerald Robinson.  Der Kern jener Mannschaft, die Reneses trainieren wird, steht somit: Bogdan Radosavljevic, Tim Schneider mit seinem neuen Dreijahresvertrag, Ferdinand Zylka als zwölfter Mann und vor allem Point Guard Peyton Siva  bleiben  dem Klub ebenfalls erhalten.

Alba feilt weiter am Kader

Weitere Zugänge bahnen sich an, wobei Sportdirektor Ojeda die Vorauswahl trifft. „Er hat den Spielermarkt das ganze Jahr über im Blick“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Aíto ist dann in die endgültige Entscheidung eingebunden.“ Der eigentliche Job des spanischen Trainers beginnt dann mit der Saisonvorbereitung, die wieder einmal etwas schwieriger sein wird, weil Alba-Profis bei der Europameisterschaft im Einsatz sein werden und der Rest der Mannschaft Mitte August auf Tour durch China geht, wohin die Berliner ja gute wirtschaftliche Beziehungen unterhalten und woher auch ihr künftiger Trikotsponsor Techcent stammt.

Aus der wirtschaftlichen Gemengelage ergibt sich für Coach Reneses, dass er über einen 25 Prozent höheren Personaletat verfügen kann als noch sein Vorgänger, der im April entlassene Ahmet Caki. Eine unerlässliche Steigerung angesichts der Konkurrenz, die ebenfalls nachlegt. Der Abstand zu den deutschen Marktführern Bamberg und Bayern dürfte jedenfalls ungefähr gleich bleiben. Alba-Manager Baldi sagt: „Deren Budget ist immer noch mehr als doppelt so hoch wie unseres.“

Reneses formte drei NBA-Stars

Auch deshalb haben sie Reneses verpflichtet. Aus diesem Grund war im Vorjahr bereits Ahmet Caki gekommen, als Trainer seinem Nachfolger nicht unähnlich, wie Baldi meint. Reneses selbst sagt: „Ich will helfen, die Spieler besser zu machen, nicht nur die jungen, sondern alle, die sich verbessern wollen.“ Der Coach hat das gestern mehrfach wiederholt, auf Englisch: „Better and better.“ Reneses verfügt über Talent im Umgang mit Talenten, dieser Ruf eilt im voraus.

Was denn sein Geheimnis sei, dass er immer wieder begabte Basketballer entdecke, auch das wurde der Spanier bei der Vorstellung gefragt. „Ich habe nicht gesucht“, hat Reneses gesagt. „Ich habe die Spieler in meinen Klubs vorgefunden. “ Ricky Rubio, Pau Gasol oder Kristaps Porzingis waren schon da. Die drei sind in der NBA untergekommen, angekommen am Ende der Verwertungskette namens Spielermarkt.

Der neue Trainer hofft, Alba etwas zu vermachen

In Berlin geht es für Reneses nun erst einmal darum, Spieler an den Profikader heranzuführen und dabei den Spagat zu schaffen, in Bundesliga und Eurocup konkurrenzfähig zu sein. Es geht um die Zukunft. „Wenn ich Berlin verlasse, möchte ich, dass Alba besser geworden ist.“ Dazu wolle er den Talenten, den jungen und weniger jungen vor allem vermitteln, dass es nicht reiche, körperlich und technisch Fortschritte zu machen, sondern dass auch der Geist mitwachsen müsse. Und deshalb wiederum will Reneses viel mit den Talenten sprechen.

Im Originalton natürlich, anders als in dem Film von 1965. Das „Guapa, guapisima, wir alle glauben an Dich“ war nämlich synchronisiert. „Aber die Stimme klang genau wie meine.“  Und ganz im Sinne des Spaniers waren die Worte ja sowieso.