Ein Wochenende, zwei Meldungen über Alba Berlin. Die Basketballer haben in den Nachwuchsligen JBBL und NBBL den Titel gewonnen, also die Deutsche Meisterschaft der unter 16-Jährigen und der unter 19-Jährigen. Das ist Nachricht eins, Nachricht zwei: Die Profis des Klubs haben gegen Ludwigsburg auch im dritten Halbfinalduell gesiegt und sind ins Finale eingezogen.

Sie haben erstmals seit vier Jahren wieder die letzte Runde der Play-offs erreicht. Die bisher letzte Meisterschaft verantwortete Coach Luka Pavicevic. Zehn Jahre sind seither vergangen, fünf Cheftrainer begrüßt und verabschiedet worden. Bis nun Aito Garcia Reneses übernahm.

Beide Meldungen scheinen wenig miteinander zu tun zu haben. Zumal jene aus dem Basketballverein von der aus der Basketball GmbH überstrahlt wird, schon wegen der Erwartungen, die Albas Fans mit dem Finale verbinden. Ein Blick in die Saison 2010/2011 mag den Zusammenhang verdeutlichen. Es war die Saison, in der Pavicevic entlassen wurde, weil die Teilnahme an den Play-offs in Gefahr geriet. Es war ein Bruch, noch kein Umbruch. Joshiko Saibou, damals 21, spielte für Alba. Das heißt: Er spielte in zwei Partien insgesamt nur 4:09 Minuten lang.

Vor der laufenden Saison kehrte Saibou zurück und gehört nun zu den Schlüsselspielern, an deren Seite Talente wie Tim Schneider oder Jonas Mattisseck Erfahrungen im Profigeschäft sammeln können. Talente, ungefähr so alt wie damals Saibou. Schneider , 20, war bis zur Diagnose eines Knochenmarködems über dem Sprunggelenk und dem damit verbundenen Saison-Aus ein Faktor in Albas Rotation, spielte 14:34 Minuten im Schnitt. Mattisseck, 18, kam auf 7:31. Er führte Albas U19 als Rookie des Jahres zum Titel.

Interesse der Konkurrenz

Die individuelle Entwicklung bedingt die Entwicklung des Teams. Sie hängt zentral mit Coach Reneses zusammen. Sein Ruf als Talentförderer und Potenzialentwickler hat beim Bau des Kaders sehr geholfen. Seine Philosophie, jedem Basketballer im Rahmen der Systeme größtmögliche Verantwortung zu übertragen, vermittelt Freude am Spiel, macht Alba attraktiv. So könnte Stefan Peno, 21, zwar nach dieser Saison zum FC Barcelona zurückkehren. Aber auch zwei weitere Jahre zu bleiben, sagt der Guard, seien eine reizvolle Option in seinem Vertrag.

Reneses steht an der Spitze des Systems. So wie sich beim Eisberg ein wichtiger Teil unter Wasser befindet, ist Albas Unterbau für die Öffentlichkeit unsichtbar. Peno und Kollegen können auf eine Rundum-Betreuung zurückgreifen. Auf einen Individualtrainer etwa mit individuell abgestimmten Programmen zu individuell vereinbarten Zeiten. So ein Umfeld bietet Barcelona ebenfalls, doch anders als bei den Spaniern kommt Peno in Berlin zum Einsatz, verbessert sich dadurch, weckt das Interesse der Konkurrenz.

Genauso verhält es sich mit Marius Grigonis, 24, um den sich Zalgiris Kaunas offenbar bemüht. Die Meisterschaft wäre ein Argument, um den Litauer zu halten. Sie gewährt sicheren Zutritt zur Euroleague. Erfolg ist daher nicht nebensächlich für Alba, aber auch nicht alles. Die Basis für Wachstum ist gelegt. Die U16 und U19 lassen grüßen.