Spitznamen im Fußball sind manchmal Verniedlichungen, oft aber auch Ehrentitel. Kampfnamen oder Umschreibungen, die sich ein Spieler erst mal verdienen muss.

Akaki Gogia, der vergangene Saison als Leihgabe bei Dynamo Dresden auf sich aufmerksam gemacht hat (21 Spiele, zehn Tore), wurde nun hingegen ein Spitznamen zuteil, ohne dass er dafür etwas tun musste: Er ist so etwas wie das Phantom der Alten Försterei.

Der gebürtige Georgier, der auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, war in den vergangenen Wochen unsichtbar, aber trotzdem immer irgendwie anwesend. Geschuldet war dies der Tatsache, dass sich der fünfte Zugang des 1. FC Union in einem komplizierten Dreiecksgeflecht zwischen seinem eigentlichen Arbeitgeber FC Brentford, Dynamo Dresden und seinem neuen Verein in Köpenick verheddert hatte.

Unsichtbar in Köpenick

Schon am 22. Mai hatte sich Unions Cheftrainer Jens Keller verplappert und Gogia im Saisonabschlussgespräch mit Berlins versammelter Medienschar als Zugang aufgelistet. Die umgehende Korrektur von Pressesprecher Christian Arbeit folgte zwar prompt , aber jedem war klar: Das Ding ist durch.

An dem, was in den Wochen danach folgte, hätte der irische Schriftsteller Samuel Beckett bestimmt großes Vergnügen gehabt. Es war wie bei seinem berühmten „Warten auf Godot“. Egal, wer oder was zum 1. FC Union kam, Gogia war es nicht.

Wundersame Wertsteigerung

Und doch geisterte sein Name durch die Welt der Eisernen. Denn der Freistoßspezialist wurde durchaus gesichtet in Köpenick. Im Pentahotel gegenüber der Altstadt. Dann alleine auf den Trainingsplätzen unweit des Stadions. Nur eben nicht auf der öffentlichen Kaderliste.

Dann kam der 1. Juli. Der Tag, ab dem offiziell die neue Saison beginnt. Dresden konnte nun den Offensivspieler per Option für rund 700 000 Euro vom englischen Zweitligisten loseisen und sofort für einen Aufschlag von kolportierten 30 Prozent an Union weiterreichen.

Eine wundersame Wertsteigerung, die die Briten dem Vernehmen nach gerne selber eingestrichen hätten. Aber ihnen waren ja per Vertragswerk mit Dresden die Hände gebunden. Also grollten sie im Juni  ein klein wenig und verweigerten deswegen offenbar eine Gastspielgenehmigung, dank der Gogia die Warteschleife hätte beenden und mittrainieren können.

Debüt in Guben beim 7:0

Doch kaum war das Warten vorbei, und Gogia nun auch offiziell als Zugang verkündet – mit einem Vertrag für die Dauer von stolzen vier Jahren –, verlängerte Keller das Drama um einen weiteren Akt. Denn im Test am Sonnabend beim Oberligisten Barleben (7:1 für Union), gab Gogia wieder das Phantom und glänzte zur Verwunderung von Fans und Fotografen durch Abwesenheit.  

Tags darauf beim Test in  Guben gegen den BSV Guben Nord war es dann aber soweit. Gogia durfte endlich im rot-weißen Dress über den Fußballplatz spuken. Nach 64 Minuten kam der Neue für Simon Hedlund ins Spiel. Da stand es bereits 4:0 für die Eisernen nach Treffern von Berkan Taz, Hedlund, Cihan Kahraman (54.) sowie einem Eigentor der Gastgeber (56.).

Auf dem linken Flügel führte sich der 25-Jährige gut ein mit einer Balleroberung am gegnerischen Strafraum. Nur beim Abschluss fand er wiederholt seinen Meister im überragenden Gubener Keeper Danny Hübner. Stattdessen erhöhten Marcel Hartel, Peter Kurzweg und Sebastian Polter auf 7:0.

Selfie-Wünsche auf dem Platz

Erleichterung allerorten. „Wir haben uns ordentlich bewegt und hätten mit ein bisschen Glück noch ein paar Tore mehr machen können“, sagte Keller hinterher. „Und noch mehr freue ich mich für Andy, dass er endlich mit seinen neuen Kollegen zusammenspielen konnte und nicht mehr alleine trainieren musste.“

„Andy“ ist übrigens der echte Spitzname von Gogia, den Keller als Schlüsselspieler ansieht. Die Dribbelstärke des Offensivspielers, der auf den Flügeln und als Spielmacher auflaufen kann, gepaart mit Torgefahr − damit fügt die neue Nummer 11 dem Union-Spiel ein Element hinzu, das vergangene Saison öfters fehlte.

Wie groß die Sehnsucht nach dem Phantom war, zeigte sich nach dem Abpfiff, als er erst mal damit beschäftigt war, all die Selfie-Wünsche der Fans zu erfüllen. Die Mitspieler können ihn von heute an besser kennenlernen, wenn es bis zum 12. Juli ins Trainingslager nach Bad Kleinkirchheim in Kärnten geht.