Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat den Berlin-Ligisten BSV Al-Dersimspor vom Spielbetrieb suspendiert. Die Sanktion gilt zwei Wochen lang bis zum 11. Oktober. Bis zu dem Tag, an dem vor dem Sportgericht über eine endgültige Strafe verhandelt werden soll. Ein Spieler des BSV Al-Dersimspor hatte nach dem Spiel der Berlin-Liga am vergangenen Sonntag gegen den Frohnauer SC (2:4) den Schiedsrichter attackiert. Daraufhin hatten die Schiedsrichter entschieden, den Klub zu boykottieren, weil das nicht der erste Vorfall dieser Art bei diesem Verein war. Dersimspor hat den betreffenden Spieler bereits ausgeschlossen, der BFV hat ihn ebenfalls bis zum 11. Oktober suspendiert.

„Wir fordern eine Rückkehr zur Toleranz und Respekt auf Berlins Fußballplätzen“, sagt Bernd Schultz, Präsident des BFV. Bereits die Partie an diesem Wochenende beim Berliner SC wurde abgesagt.

Der BSV Al-Dersimspor, sportlich beheimatet auf dem Lilli-Henoch-Sportplatz am Anhalter Bahnhof, ist ein Verein, dessen erste Männermannschaft im Abstiegskampf geübt ist und sich deshalb oft auch rustikaler Mittel bedient. Die Spieler sind gefrustet.

Beim Stand von 2:1 gegen Frohnau für Al-Dersimspor hatte Referee Stefan Paffrath einem Dersimspor-Spieler die Gelb-Rote Karte gezeigt (60.). Zwischen der 85. und 90. Minute plus Nachspielzeit stellte der Schiedsrichter weitere drei Spieler von Al-Dersimspor vom Platz.

Beim tumultartigen Abgang nach dem Spiel soll der Referee von einem Spieler geschlagen worden sein. Der ist inzwischen vom Verein suspendiert worden. Immerhin sollen Funktionäre des Gastgebers den Unparteiischen geschützt haben.

Berliner Fußball-Verband zog sofort Konsequenzen

Der BFV zog sofort Konsequenzen, indem der Schiedsrichterausschuss festlegte, bis zur Sportgerichtsverhandlung des Falles werden keine Unparteiischen zu den Spielen des BSV Al-Dersimspor zu schicken. Nun entschloss sich der BFV, Al-Dersimspor ganz aus dem Spielbetrieb zu nehmen.

Schon am 27. September soll eine Entscheidung fallen, ob die Mannschaft vorläufig vom Spielbetrieb suspendiert wird. „Der Schutz der Schiedsrichter hat für uns oberste Priorität“, sagte Berlins Schiedsrichter-Chef Jörg Wehling. Der ist im Moment bei Spielen von Al-Dersimspor nicht gewährleistet.

Die Spiele der Ersten Männermannschaft werden nun nicht angesetzt, aber bis zum Urteil nicht gegen den Klub gewertet. Die Partien müssten eventuell nachgeholt werden. Kommt es aber zur vorläufigen Suspendierung, werden die Spiele gegen Al-Dersimspor gewertet. Die Härte dieser ersten ungewöhnlichen Maßnahme resultiert auch aus Vorkommnissen der Vergangenheit. Schon im Mai gab es nach Gesprächen des BFV mit Al-Dersimspor Auflagen in Sachen Disziplin, die der Verein aber nicht einhielt.

Sechs Rote, drei Gelb-Rote Karten an einem Spieltag

Das jüngstes Vorkommnis passt ins Bild, das der Amateurfußball leider oft abgibt. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Schiedsrichter in Berlin und anderswo. Viele Spiele laufen sehr emotional ab, oft herrscht eine aggressive Stimmung bei Spielern, aber auch bei Verantwortlichen am Rande des Rasens. Allein am 6. Spieltag der Berlin-Liga am vorigen Wochenende gab es in den neun Partien sechs Rote Karten, drei Gelb-Rote Karten und 29 Gelbe Karten.

Die undisziplinierten Kicker vom Berlin-Ligisten BSV Al-Dersimspor jedenfalls haben ihrem Verein, allen Mannschaften im Klub, nun einen Bärendienst erwiesen. Man darf gespannt sein, wie das Urteil des Sportgerichts ausfallen wird. So oder so, vielleicht wäre auch ein zusätzliches Anti-Aggressions-Training angebracht.