Lena Gohlisch (l.) und die Spielerinnen von Alba Berlin wollen auch in der neuen Saison einen weiteren Entwicklungsschritt machen.
Foto: Philipp Sommer

BerlinEin bisschen Wehmut schwingt noch mit in Lena Gohlischs Stimme, wenn sie über den plötzlichen, Corona-bedingten Abbruch der vergangenen Saison in der 2. Damen Basketball Bundesliga Nord (DBBL) spricht. „Uns hat es mit am meisten getroffen“, sagt die 26-jährige Spielerin von Alba Berlin, „wir hatten gerade fünf unserer letzten sechs Spiele gewonnen und waren sicher in den Playoffs. Es wäre spannend gewesen, zu sehen, was dort möglich gewesen wäre.“

Der Saisonabbruch Mitte März sorgte dafür, dass diese Frage unbeantwortet blieb. Mehr noch: Wie in allen anderen Sportarten und -ligen auch, brachten Saisonabbruch und Corona-Pandemie auch für Albas ambitionierte Basketballerinnen zahlreiche neue Fragen mit sich. Zumindest eine ist ein gutes halbes Jahr später geklärt: Wenn Albas Frauenmannschaft am Sonntag (16 Uhr) mit einem Pokalspiel beim Erstligisten Falcons Bad Homburg in die Saison 2020/21 startet, tut sie das mit unverändert großen Ambitionen.

Im Sommer vergangenen Jahres verkündete Alba, neben dem Breitensport im Mädchenbereich, auch den leistungsorientierten Frauenbasketball stärker fördern zu wollen. Eher mittel- als langfristig soll so aus der Zweitligamannschaft ein Erstligateam werden, das um Titel mitspielt. Ein Plan, dem bis dato auch die Coronapandemie nichts anhaben kann: Statt das Engagement im Frauenbasketball in der Folge der Krise wieder herunterzufahren, was aus finanziellen Gründen auch plausibel zu begründen wäre, hat der Club die Professionalisierung seiner Damenmannschaft im vergangenen Sommer sogar weiter vorangetrieben.

Zu einig sei man sich im Management von Alba, dass der leistungsorientierte Frauenbasketball in Club und Stadt weiter wachsen müsse, erklärt Himar Ojeda. Die Folgen dieser Einigkeit können sich sehen lassen: Mit Ruth Sherrill und Ewelina Jackowska verpflichtete Ojeda erneut zwei ausländische Profis. Außerdem wird ab sofort auch jede andere Spielerin der Zweitligamannschaft finanziell unterstützt. Möglich ist dies, weil das Budget für die Frauenmannschaft, trotz eines leicht geschrumpften Gesamtbudgets des Clubs, erhöht wurde.

Die Vergütung reicht dabei, je nach Spielerin, von Gehaltszahlungen über einen Platz in der Spielerinnen-WG bis hin zu anderen Formen der Unterstützung. An die der männlichen Alba-Profis kommt sie zwar noch immer bei weitem nicht heran, allerdings ist es bei den anderen Teams der 2. DBBL keinesfalls selbstverständlich, dass die Spielerinnen überhaupt für ihren Sport entlohnt werden. Für Lena Gohlisch ist die größere finanzielle Unterstützung folglich ein wichtiger Schritt der Professionalisierung. „Nur dadurch können wir fünfmal die Woche als ganzes Team trainieren“, sagt die Aufbauspielerin. Anders als vergangene Saison, in welcher „immer irgendjemand noch zu seinem Nebenjob musste“.

Ebenfalls neu ist unter anderem, dass sich ab sofort eine Physiotherapeutin in Vollzeit um die Frauenmannschaft kümmert und das Team nun ein eigenes Budget beim Teamausrüster hat. Dinge, die nach Kleinigkeiten klingen, für viele von Albas Spielerinnen allerdings keine Normalität sind. Auch für Lena Gohlisch nicht. 2003 hat sie bei den Alba Minis mit dem Basketballspielen angefangen. Das Jugendprogramm des Clubs steckte da noch in den Kinderschuhen. „Wir waren damals zwei Mädchen und 30 oder 40 Jungs“, erinnert sie sich. Eine Mädchenmannschaft gab es noch nicht, weshalb Gohlisch zum TuS Lichterfelde wechselte, wo sie später zur Zweitligaspielerin reifen und sich auch für ein Erstligaengagement beim TK Hannover empfehlen sollte.

Erst im Sommer 2019 kehrte sie nach Berlin zurück. „Weil Alba dann in der zweiten Liga gespielt hat und alles ein bisschen professioneller war.“ Ein hauptamtlicher Trainer nur für die Frauenmannschaft, dauerhafter Zugang zu Halle und Kraftraum und die Integration weiblicher Talente in das Club-eigene Entwicklungsprogramm um Individualtrainer Carlos Frade waren gute Argumente. Genauso die Auswärtsfahrten im Alba-Mannschaftsbus oder wie am kommenden Sonntag mit der Bahn, statt in stets zu engen Neunsitzern. Alba hätte mittlerweile auch bei den Damen strukturell ein Niveau erreicht, was an die erste Liga heranreicht, sagt Gohlisch.

Dass es Zeit und viel Arbeit brauchen wird, um den Weg in die erste Liga mit Akteurinnen aus dem eigenen Jugendprogramm sportlich zu gehen, war und ist allen Beteiligten bewusst. Auch Lena Gohlisch: „Es dauert einfach, Spielerinnen mit Bundesliganiveau selbst zu entwickeln. Da wird bei Alba hart dran gearbeitet, aber das geht nicht von heute auf morgen.“

Wie lange es dauert, kann auch Himar Ojeda nicht sagen. Einen festen Zeitplan für den Aufstieg gebe es nicht. Fest steht, dass Albas Verantwortliche sich diesen Sommer auch von der Pandemie und deren Folgen nicht in ihren Plänen im Frauenbasketball beirren lassen haben. „So wie es im Endeffekt gelaufen ist, haben wir eher einen Schritt nach vorne gemacht, was ich so ehrlicherweise nicht unbedingt erwartet hätte“, sagt Lena Gohlisch und klingt dabei schon deutlich weniger wehmütig als noch kurz zuvor.