Es war eine echte Kampfansage, die Rasid Mahalbasic in Richtung Alba Berlin losschickte. Von Schweiß durchnässt und immer noch schwer atmend stand der Center der Baskets Oldenburg am vergangenen Sonnabend nach Albas 96:79-Sieg in Spiel drei der Viertelfinals vor der Fernsehkamera.

Und obwohl er noch gezeichnet war von der Niederlage seiner Mannschaft, die Alba eine 2:1 Führung in der Best-of-five-Serie bescherte, richtete der Basketballer den Blick nach vorne. „Wir sehen uns in Oldenburg“, sagte er: „Uns erwarten 6000 Fans, die hinter uns stehen. Wir werden Alba das Leben sehr schwer machen – das garantiere ich Ihnen.“

Enge Spielabfolge eröffnet Chancen

Die Berliner sind vor ihrem Spiel am Dienstag (19 Uhr) in Oldenburg also gewarnt. Nicht nur durch die Kampfeslust von Mahalbasic, sondern auch durch die Geschehnisse aus letztwöchigem Spiel zwei, welches nach Verlängerung 100:105 verloren ging. Wollen die Alba-Akteure am Dienstag vorzeitig ins Halbfinale einziehen, müssen sie eine erneute Niederlage verhindern. Sie müssen aus den Erfahrungen lernen.

Das immerhin ist der Vorteil an Play-offs: Die enge Spielabfolge eröffnet die Chance, einen Fehler sofort abzustellen. Albas Manager Marco Baldi ist sich der Bedeutung dieses Duells bewusst. Er hat in all den Jahren mit Alba in den Play-offs erlebt, welche Dynamik eine Serie entwickeln kann: „Oldenburg steht mit dem Rücken zur Wand und wird jetzt alles was es hat aus dem Repertoire holen“, sagt der Manager.

Oldenburger setzen auf Heimvorteil

Das, was Baldi dabei als alles bezeichnet, ist keinesfalls auf das sportliche Geschehen beschränkt. Neben einem voraussichtlich sehr physischen und hart umkämpften Spiel erwarten die Akteure von Alba psychologische Spielchen und Sticheleien. „Die werden alles aus der Kiste holen“, sagt Baldi: „Nicht nur Basketballerisches.“

Die Oldenburger setzen auf ihren Heimvorteil. Während zu Albas diesjährigen Play-off-Heimspielen durchschnittlich weniger Zuschauer kamen als noch in der Hauptrunde, nämlich jeweils rund 8.800 pro Partie, dürfte die Oldenburger Arena am Dienstag zum Tollhaus werden. Die Halle ist seit Tagen ausverkauft, die Anhänger der Norddeutschen sind für ihre Leidenschaft bekannt. 

Gastgeber drehten das Spiel

„Wir haben kein Publikum, das bei strittigen Entscheidungen ausflippt. In Oldenburg ist das anders“, sagt Baldi und ergänzt: „Wenn da einer ein Foul kriegt, dann tobt die ganze Halle. Natürlich hat das einen Einfluss auf das Spiel.“ Die Schiedsrichter, das könnte eine in diesem Satz versteckte Botschaft sein, sollten sich auf eine hitzige Atmosphäre einstellen und kühlen Kopf bewahren.

Am vergangenen Dienstag schon ging es hoch her. Selbst als Alba Mitte des Schlussabschnitts mit zehn Punkten in Front lag, standen die Fans vor ihren Sitzen und trieben die Oldenburger an. Mit Erfolg: Während Albas Akteure nach und nach den Faden verloren, drehten die euphorisierten Gastgeber das Spiel. Im folgenden dritten Spiel am vergangenen Sonnabend ließ Alba dieses Kunststück nicht erneut zu. Zwar ließen sich die Oldenburger auch da zu keinem Zeitpunkt wirklich abschütteln, aber Alba blieb souverän und bis zum Ende in Front. 

Giffey: „Wir müssen der Aggressor sein“

Die Berliner beeindruckten dabei vor allem mit hoher Intensität, viel Einsatz und großer Körperlichkeit. Allesamt Tugenden, die auch am Dienstag entscheidend sein dürften. „Nichts geht von alleine, es gibt keine Geschenke, sondern alles muss erkämpft werden“, weiß auch Baldi. Je vertrauter die beiden Kontrahenten mit dem Spielstil des jeweils anderen sind, desto wichtiger werden Einsatz und Wille.

Die Alba-Akteure sollten also bereit sein für den großen Schlagabtausch. Kapitän Niels Giffey beantwortet jedenfalls die Frage nach dem Schlüssel zum dritten Sieg in dieser Play-off-Serie nicht mit komplizierten taktischen Maßnahmen. Stattdessen sagt er kurz und knapp: „Wir müssen der Aggressor sein.“ Ein Vorhaben, das deckungsgleich sein dürfte mit dem von Rasid Mahalbasic und seinen Oldenburgern.