Berlin - Die erste gute Nachricht: Ja, diesmal wurde gespielt. Musste Alba Berlin aufgrund der coronabedingten Verschiebung des Top Four um den BBL-Pokal eine Woche zuvor unverrichteter Dinge aus München wieder abreisen, hatte sich die Reise in die bayerische Landeshauptstadt am Sonntag gelohnt. Die zweite gute Nachricht: Mit einer überragenden Leistung hat Alba den FC Bayern München mit 100:62 geschlagen. „Es waren zwei verschiedene Halbzeiten. Die zweite Halbzeit sah für mich so aus, als ob der Bayern-Trainer sich auf das große Saisonziel konzentriert hat“, sagte Alba-Kapitän Niels Giffey bei Magentasport, „wir wollten das Spiel dominieren und keine Chance lassen, es wegrutschen zu lassen.“

Alba Berlin braucht etwas Anlaufzeit

Nach so einer deutlichen Angelegenheit hatte es in den ersten Minuten gar nicht ausgesehen. Unter den Augen von Bundestrainer Henrik Rödl benötigten die Berliner eine kurze Anlaufzeit in der Offensive. Aber: Drei Tage nach der Heimniederlage gegen Braunschweig kehrte mit jeder Minute der ersten Halbzeit die Spielfreude in die Mannschaft von Trainer Aito Garcia Reneses zurück. Besonders deutlich war diese Luke Sikma anzusehen, der bis zur Pause mit acht Punkten sowie jeweils fünf Rebounds und Assists sein komplettes Paket auf den Münchner Hallenboden zauberte. Ging das erste Viertel noch mit 23:21 knapp an die Berliner, so legten die nahezu perfekte zehn Folgeminuten hin. Mit 29:9 holten sie sich den zweiten Abschnitt. Weil sie in der ersten Halbzeit starke 81 Prozent aus dem Zweierbereich trafen, weil sie das Reboundduell mit 19:7 deutlich für sich entschieden und weil die 52 Punkte aus 15 Assists resultierten.

Und: Weil sie den FC Bayern München nervten. Christ Koumadje ging Münchens Center Jalen Reynolds unter dem offensiven und dem defensiven Korb auf die Nerven. Die Aufbauspieler Zan Sisko und Wade Baldwin brachten offensiv nicht viel zustande, sondern fielen eher durch Undisziplinierten auf. Sisko handelte sich innerhalb von zehneinhalb Minuten Einsatzzeit vier Fouls ein, Baldwin benötigte für seine drei Fouls nur knapp acht Minuten. Während die Bayern wohl gedanklich mit ihrer Euroleague-Play-off-Runde gegen Mailand, in der es am Mittwoch weitergeht, beschäftigt waren, gingen die Berliner konzentriert zu Werke. Offensiv gelang fast alles, mit der Schlusssirene zum Gang in die Kabinen schraubte Johannes Thiemann mit einem Dreier den Vorsprung erstmals auf über 20 Punkte (52:30).

Andrea Trinchieri stellt das Coaching praktisch ein

Münchens Trainer Andrea Trinchieri hatte seinen Spielern offenbar nicht viel mitzuteilen und ließ sie nach wenigen Momenten seiner Anwesenheit in der Kabine allein. Genau wie nach dem Seitenwechsel auf dem Feld. Der sonst so exzentrische Trinchieri überließ seine Mannschaft ihrem Schicksal, ließ etwa Sisko und Baldwin komplett draußen. Er wechselte kaum noch und fiel selbst nur mit apathischen Blicken in Richtung Hallendecke und einem technischen Foul wegen Meckerns statt mit dem gewohnten Coaching an der Seitenlinie auf. Alba ließ sich davon nicht irritieren, lag vor dem Schlussabschnitt mit 83:46 in Führung und brachte den Sieg locker nach Hause.