Berlin - Mit gedrosseltem Tempo durchschritt Sasa Obradovic die Katakomben der Arena am Ostbahnhof. Alba Berlins Trainer, der Heißsporn an der Seitenlinie, hatte sein Temperament nach dem 80:88 gegen Ulm wieder heruntergekühlt. An der Grundsatzproblematik, von seinem Körper Besitz ergriffen zu haben. Es ging nämlich um das Thema Energie.

„Ich habe schon früher gesagt, die Euroleague wird uns in die Situation bringen, zu verlieren“, sagte Obradovic. „Ich glaube, dass uns am Ende die Kraft gefehlt hat“, resümierte Spielmacher Heiko Schaffartzik unmittelbar nach der Schlusssirene. Keine 48 Stunden zuvor nämlich war das Team an selber Stelle in der Euroleague beim 74:71-Sieg gegen den französischen Meister Elan Chalon gefordert gewesen.

Auch Geschäftsführer Marco Baldi erklärte: „Es lag an der Energie. Eindeutig.“

Nach dem so spektakulären Saisonstart bescherte Alba gleich die erste Pflichtspielniederlage eine ernüchternde Grundsatzfrage. Wie belastbar ist das Team? In der Ukraine, so Obradovic, habe er mit seinem alten Arbeitgeber Donezk auch des Öfteren im Zweitagesrhythmus gespielt, erklärte der Serbe, aber so aggressiv wie in der deutschen Bundesliga werde dort nicht agiert.

Die Ernüchterung speiste sich auch aus dem Bewusstsein, dass Alba in den nächsten Wochen weiter diesem rigorosen Rhythmus unterworfen sein wird.

Verschärfend hinzu kommen dann noch die Reisestrapazen. Nächsten Donnerstag spielt man an der Danziger Bucht, gegen den polnischen Meister Gdynia, zwei Tage darauf dann in Ludwigsburg.

Andererseits wäre es am Sonnabend durchaus möglich gewesen, diese Energie-Debatte ein wenig hinauszuschieben. Mit der unterdessen schon gewohnten Penetranz setzte das Obradovic-Team dem Meisterschaftszweiten der vergangenen Saison zu und führte schnell mit 29:14. Doch plötzlich passte im Zusammenspiel nach vorne nur noch wenig zusammen. Abspielfehler häuften sich ebenso wie die Würfe aus der Distanz jenseits der Dreierpunktlinie, die aber fast alle missrieten. Nur drei von 19 Versuchen fanden ihr Ziel.

Dass all dies nicht nur eine Frage der Kraft war, erkannte auch Baldi. Er sagte, es fehle dem neu zusammengestellten Team noch an einem „Instrumentarium“, um Spielsituationen besser zu erkennen und effektiver miteinander auszunutzen. Aber im Laufe der Saison würde sich Alba dieses „Instrumentarium“ schon erarbeiten. Zudem schöpfte er aus dem Umstand Hoffnung, dass bald vier weitere Teams der Liga in europäischen Wettbewerben gefordert sein werden. Baldi verbreitete Zuversicht, Obradovic hingegen eine Atmosphäre der Nachdenklichkeit.