Berlin - Erst lag Luke Sikma am Boden, dann hechtete auch noch Peyton Siva nach dem Ball, machte ihn fest und erzwang zumindest einen Sprungball, den er anschließend gewann. Aus einem gegnerischen Einwurf hatte Alba Berlin gerade einen Ballgewinn gemacht und trotz eines scheinbar beruhigenden 76:59-Vorsprungs kurz vor Ende des dritten Viertels genau die Energie gezeigt, die es braucht, um in der Euroleague zu gewinnen. Und weil Alba Berlin diese Energie gegen Khimki Moskau bis zum Ende hoch halten konnte, holte die Mannschaft mit dem 100:80 den dritten Sieg der Saison.

Den Start hatte Aito Garcia Reneses da sicher schon fast vergessen. Der Alba-Trainer ist nicht gerade als Freund von Auszeiten bekannt. Wenn der Spanier aber bereits nach 68 Sekunden seine Jungs noch einmal zur Bank beordert, um mit ihnen in den Dialog zu treten, muss etwas grundsätzlich nicht gestimmt haben. Ballverluste, Fehlwürfe und gegnerische Punkte hatte er zu Beginn der Partie gegen Khimki Moskau gesehen und wollte das mit dieser frühen Auszeit ändern. „Der Start war sehr schlecht, zu statisch“, sagte der Coach später.

Und musste auf den Effekt seiner frühen Ansprache noch etwas warten: Aus dem 0:6 zum Zeitpunkt seiner Auszeit wurde im Anschluss ein 0:10. Nach drei Fehlwürfen und fast drei Minuten Spielzeit war es Ben Lammers, der Alba etwas verspätet, aber noch nicht zu spät am Duell mit Khimki Moskau teilnehmen ließ. Nach siebeneinhalb Minuten war die Partie ausgeglichen und startete praktisch wieder bei Null.

Im zweiten Viertel des Spiels erzielte erneut Ben Lammers die ersten Alba-Punkte, diesmal war es sogar die erste Führung (25:24). Beim 32:26 für die Berliner sah sich der Moskauer Trainer zu einer einminütigen Gesprächsrunde mit seiner Mannschaft gezwungen. Und tatsächlich hatte sich Alba Berlin vom unkonzentrierten Spielbeginn erholt. Das spiegelte sich auch in den Statistiken wider: Hatten sich die Gastgeber in den ersten zehn Minuten noch sechs Ballverluste erlaubt, so waren gerade einmal zwei im zweiten Abschnitt ein Zeichen von höherer Konzentration und Genauigkeit im Spiel der Berliner. Gepaart mit steigenden Wurfquoten und besserem Reboundverhalten sowie einer klugen Verteidigung gegen die Moskauer Center konnte der deutsche Meister den Vorsprung halten und mit einem 50:44 in die Kabine gehen. Ein belebendes Element im Spiel der Berliner war Louis Olinde, der nach auskurierter Verletzung erstmals seit Mitte Oktober wieder im Kader stand. Dafür musste diesmal Jonas Mattisseck mit muskulären Problemen kurzfristig passen.

Neben den ebenfalls verletzten Marcus Eriksson und Lorenz Brenneke konnte der Aufbauspieler auch nach dem Seitenwechsel eine gute Leistung seiner Teamkollegen auf dem Feld sehen. Nach zweieinhalb Minuten des dritten Viertels hatten sie mit dem Korb zum 57:46 den Vorsprung erstmals in einen zweistelligen Bereich geschraubt und erfüllten genau das, was sich Coach Aito in der Halbzeit gewünscht hatte: „Wir müssen das Spiel mit der Energie beenden, mit der wir zum Ende gespielt haben – offensiv, wie defensiv.“

Und seine Spieler hatten seinen Wörtern in der Kabine offenbar diesmal besser gelauscht, als noch vor dem Anpfiff der ersten Halbzeit. Defensiv gestatteten sie den Moskauern keine einfachen Würfe und im Angriff zeigten sich die Berliner äußerst treffsicher. Angeführt von Kapitän Niels Giffey, der acht Punkte im dritten Viertel erzielte, baute Alba Berlin den Vorsprung auf 67:51 aus und hatte das Spiel von da an im Griff. So, wie Peyton Siva in eingangs beschriebener Szene.