Albas Kenneth Ogbe (l) kämpft gegen Jan Vesely von Fenerbahce Istanbul um den Ball.
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BerlinEin Dreier aus der Mitte, ein Dreier vom linken Flügel. Mit zwei Würfen hatte Leo Westermann seine Punktzahl kurz vor Ende mehr als verdoppelt und damit entscheidenden Anteil am 74:70-Sieg von Fenerbahce Istanbul gegen Alba Berlin. Viele Unterschiede hatte es nicht gegeben. In einigen Statistiken war Alba sogar besser als Fenerbahce, leistete sich weniger Fehler. Vor allem dann, als es drauf ankam. „Wir haben am Ende etwas nachgelassen und das hat uns das Spiel gekostet“, sagte Kenneth Ogbe.

Mit Spielbeginn hatten es die langen Schlangen vor der Halle größtenteils auf ihre Plätze geschafft und so sahen gut 12.000 Zuschauer in der Arena am Ostbahnhof ein intensives Spiel. Vor allem die ersten acht Minuten gefielen den türkischen Fans ganz besonders. Ihr Team hatte ja auch über weite Strecken in Führung gelegen. Doch mit jedem Spieler, der von der Alba-Bank auf das Feld geschickt wurde, kletterte die Frustrationsskala der Gäste nach oben. Fünf Ballverluste und zwei Offensivfouls prägten das Spiel des Teams aus Istanbul und Alba Berlin profitierte davon. Makai Mason, Kenneth Ogbe, Johannes Thiemann und Tyler Cavanaugh hatten gerade defensiv nach ihrer Einwechslung einen hervorragenden Job gemacht und auch offensiv dafür gesorgt, dass die Gastgeber das erste Viertel mit 22:17 gewannen. Und dieser Spielstand hatte auch Auswirkungen auf die Zuschauer. Waren die rund 3000 Fenerbahce-Fans zu Beginn noch akustisch überlegen, so sank ihr Lautstärkepegel Stück für Stück.

Offensivfoul von Fenerbahce

Dafür wurde es nach zwei Minuten des zweiten Durchgangs auf der Gäste-Bank so richtig laut. Fenerbahce hatte sich zwei weitere Ballverluste erlaubt, ein Offensivfoul begangen und einen Dreier von Makai Mason kassiert. Zeljko Obradovic war davon überhaupt nicht angetan. „Attackiert den verdammten Ball“, brüllte der Istanbuler Trainer in nicht ganz jugendfreien, englischen Worten. Seine Gesichtsfarbe hatte sich längst in tiefrot verändert und sollte auch beim ersten zweistelligen Berliner Vorsprung (30:20) in der 15. Minute nicht heller werden. Allein den Punkten von Luigi Datome konnten er und die Istanbuler Fans es verdanken, dass es lediglich mit einem 33:41-Rückstand in die Pause ging.

Dass sich die Gäste von so einem Spielstand nicht sonderlich beeindrucken lassen, war nach dem Seitenwechsel zu sehen. Fenerbahce konnte die Zahl der Ballverluste minimieren. Waren es noch 14 in der ersten Halbzeit, kamen im dritten Viertel lediglich vier, im Schlussabschnitt gar nur einer dazu. Mit zunehmender Energie auf dem Feld und einem immer knapper werdenden Spiel steigerte sich auch wieder die Lautstärke der türkischen Anhänger. Aber: Erst knapp vier Minuten vor dem Ende der Partie konnten sie über die erste Führung seit dem ersten Viertel und nach dem Schlusspfiff über den Sieg jubeln. Entscheidend ist eben nicht die Anzahl der Fehler, sondern der Zeitpunkt, wann man sie macht.