Es ist nicht schwer, spektakuläre Szenen von Malcolm Miller zu finden, obwohl der 23-Jährige am Mittwoch in Albas Eurocup-Heimpartie gegen Málaga (20.00 Uhr, Arena am Ostbahnhof) erst sein 14. Pflichtspiel für Berlin bestreiten wird. Anfang September brach der Forward sich in einem Testspiel das Handgelenk, erst Mitte November konnte er dann erstmals gegen Ludwigsburg spielen – er stellte sich beim ersten Sieg Albas bei den Schwaben seit fast vier Jahren gleich mit einem kräftigen Zug zum Korb und einem krachenden Dunking vor. Immer wieder finden sich solche Aktionen Millers in den Highlight-Videos, „Energie ins Spiel bringen“ und „kraftvolle Dunkings, die den Spielverlauf kippen können“ bezeichnet der 2,00-Meter-Mann aus Maryland als Teil seiner Aufgabe.

Seit Miller zurück ist, haben die Berliner vier Mal verloren und neun Mal gewonnen. Derzeit steht eine Gewinnsträhne von sieben Spielen zu Buche, die Mannschaft wirkt insgesamt stabiler, auch wenn sie sich immer noch Phasen wie die ersten 20 Minuten gegen den Tabellenvorletzten Vechta erlaubt, die wohl schlechteste Halbzeit der Saison. Ob die Serie etwas mit seiner Rückkehr zu tun hat? Miller lacht verlegen, das will der leise auftretende junge Mann nicht für sich in Anspruch nehmen. „Ich würde wirklich sehr gerne sagen, dass ich meinem Team helfe, ja“, antwortet er. Er habe aber immer daran geglaubt, dass Alba nach dem mühsamen Saisonstart irgendwann besser werden würde, „wir sind eine gute Mannschaft, wir mögen einander“, und schließlich investierten sie jeden Tag viel Arbeit. „2017 wird entscheidend sein, wie viel besser wir noch werden können“, sagt Miller.

Als der aus der US-D-League geholte Spieler im November endlich für Alba ins Wettkampfgeschehen eingreifen konnte, empfing ihn sein Trainer Ahmet Caki mit den Worten: „Er ist kein Spieler, von dem wir erwarten, dass er jedes Spiel 20 Punkte erzielt. Aber er macht die kleinen Dinge in der Defensive, die dem Team helfen, zusammenzuwachsen.“ In neun Bundesligaspielen stand Miller bislang durchschnittlich gut 16 Minuten auf dem Feld, erzielte 5,6 Punkte und griff 2,9 Rebounds. Im Eurocup waren es bei gleicher Einsatzzeit sogar 8,3 Punkte und 3,3 Rebounds. So viel zum Zählbaren. Das nicht Zählbare: „Ein Wegtippen des Balls hier. Eine wichtige Improvisation in der Verteidigung dort. Einiges davon macht er schon gut“, sagt Caki heute.

Miller musste sich in Berlin nicht nur an den europäischen Basketball gewöhnen, sondern auch an eine neue Position. Im Wechsel mit Niels Giffey spielt er auch als Power Forward in Brettnähe, zuvor hatte Miller vor allem von der Position drei als Flügelspieler agiert. Für das Gewühl unter dem Korb ist Miller vergleichsweise schmächtig, er setzt Athletik und Tempo dagegen und bezeichnet als seine größte Qualität Vielfältigkeit. Nur Millers eigentlich guter Distanzwurf könnte noch zuverlässiger durch den Ring fallen als bislang.

Gegen Málaga wartet auf ihn womöglich noch mehr Verantwortung in Korbnähe, der Einsatz der Brettspieler Elmedin Kikanovic, Bogdan Radosavljevic und Jonathan Malu ist verletzungsbedingt nicht wahrscheinlich. Und Ahmet Caki benennt die Bedeutung des Spiels deutlich. „Wir kennen die Regeln: Wer in Europa etwas erreichen will, muss seine Heimspiele gewinnen“, sagt der Trainer.