Berlin - Ihre Banner hatten sie wieder vor den Blöcken aufhängen, ihre Botschaften an die Mannschaft hinterlassen dürfen. Eine Stunde vor Spielbeginn aber mussten die Fanclub-Verantwortlichen von Alba Berlin die Arena am Ostbahnhof wieder verlassen. Anders als am Dienstagabend, wo im zweiten Playoff-Spiel gegen Ulm bis zu 1000 Zuschauer zugelassen sind, mussten die Ränge wieder einmal leer bleiben. Gerade in der knappen Schlussphase der 71:73-Niederlage aber hätten sie am Sonntag geholfen. Aber egal ob mit oder ohne Zuschauer: „Wir können auf jeden Fall viel besser spielen und werden es übermorgen auch machen und müssen“, sagte Tim Schneider.

Luke Sikma, Johannes Thiemann und Louis Olinde fehlen weiter

Die fünf freien Tage zuvor hatten er und seine Teamkollegen genutzt, um Energie zu tanken. Gehofft hatten viele, dass in dieser Zeit vielleicht Luke Sikma und Johannes Thiemann wieder spielfähig werden. Während Louis Olinde noch immer mit Krücken in die Halle gehumpelt kam, sahen die Bewegungsabläufe bei Sikma und Thiemann schon wieder besser aus, für einen Einsatz aber reicht es noch immer nicht. So saß das Trio abermals an der Stirnseite des Spielfeldes und konnten die Teamkollegen in der ersten Halbzeit offensiv aus nächster Nähe betrachten.

Vor allem Christ Koumadje fiel mit zwei hübschen Offensivaktionen, einem feinen Hackenwurf und einem Dunking auf und wurde mit einem Platz in der Starting Five für seine Leistungen gegen Hamburg belohnt. Aufbauspieler Peyton Siva versuchte den 2,21 Meter großen Center immer wieder ins Spiel einzubauen und probierte es mit hohen Anspielen. Defensiv sollte Koumadje in einer Zonenverteidigung der Anker seines Teams sein und den Gegenspielern die Würfe erschweren. Die Ulmer aber hatten ganz genau hingeschaut, wie Alba Berlin in der Serie gegen Hamburg mit Koumadje auf dem Feld verteidigte und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Offensiv hatten die Gäste einen guten Rhythmus gefunden, während Alba Berlin diesen vor allem aus dem Dreierbereich lange vergeblich suchte.

Es dauerte 15 Minuten, bis Peyton Siva den ersten Dreier für die Berliner traf. Zu diesem Zeitpunkt des zweiten Abschnitts hatten die Ulmer, die das erste Viertel noch mit 20:16 für sich entscheiden konnten, mickrige zwei Punkte erzielt. Alba Berlin hatte die Intensität in der Verteidigung erhöht und den Gästen damit vor allem die freien Würfe genommen. Fast immer war die Hand eines Berliners vor dem Gesicht eines Ulmers oder aber verhinderte mit einem Foul die einfachen Punkte. Letzteres allerdings zum Nachteil von Christ Koumadje, der etwas unbeholfen wirkte und sich bereits im zweiten Viertel sein viertes Foul einhandelte. Sein Team allerdings hatte sich da schon längst eine knappe Führung erarbeitet, verpasste es vor dem Gang in die Kabine allerdings, diese noch etwas komfortabler zu gestalten. Das 37:34 zur Halbzeit ließ die Tür für Ulm weiterhin offen.

Zwölf-Punkte-Führung reicht Alba Berlin nicht

Auch nach dem Seitenwechsel lagen die Berliner durchweg vorne. Vereinzelt fielen nun ein paar Dreier, aber eben nicht so sicher wie gewohnt. Vor allem Marcus Eriksson ließ jegliche Treffsicherheit vermissen, traf in den ersten drei Vierteln jeweils nur einen seiner vier Zweier- und Dreierversuche. Lediglich Peyton Siva hatte so etwas wie einen offensiven Rhythmus gefunden, dem Rest des Teams aber schien dieser in den freien Tagen nach dem dritten Spiel gegen Hamburg abhandengekommen zu sein. Und auch deshalb bejubelte Jayson Granger nach knapp zwei Minuten des Schlussviertels seinen ersten getroffenen Dreier, als hätte er gerade mit seinem Team die Meisterschaft gewonnen.

Als Maodo Lo im nächsten Angriff gleich den nächsten, ebenfalls seinen ersten, Wurf aus der Distanz verwandelte, war Alba Berlin das gelungen, was das Team vorher verpasste: eine zweistellige Führung. Bei noch knapp acht Minuten Spielzeit leuchtete ein 63:51 für die Gastgeber auf der Anzeigetafel und wäre wohl von Zuschauern lautstark bejubelt worden. Aber: Es war nicht die Entscheidung und auch nicht der ausreichend große Puffer, um dieses erste Spiel für sich zu entscheiden.