Niels Giffey kommt mit dem Euroleague-Ball bislang ganz gut zurecht.
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BerlinDes Basketballers bester Freund ist nun einmal sein Ball, Veränderungen in der Beziehung sind unerwünscht. Die Bindung wird über einen langen Zeitraum aufgebaut. Aber: Nicht aus jedem Flirt wird eine gute Beziehung, wie im wahren Leben entscheidet nicht immer die Optik darüber, ob man sich nach zwei Dates noch ein drittes Mal sieht.

Es ist erst zwei Wochen her, da sollten Alba Berlins Basketballer zum Pokal-Finale mit einem neuen Ball verkuppelt werden. Für manche sah er toll aus, bei manchen blitzte er bereits beim ersten Sehen ab. „Die Optik war noch das beste am Ball, an den musste man sich ganz besonders gewöhnen“, sagt Johannes Thiemann. Frisch ausgepackt fühlte sich die Kugel   nicht gut an. Auf die Zwangshochzeit im Endspiel selber folgte die Trennung. „Der Grip war komplett anders als bei normalen Bällen, der war sehr rutschig, den konnte man schlecht greifen“, so Thiemann, „aber gut: Die Bedingungen waren für alle gleich, und wir haben gewonnen.“

Albas Profis spüren den kleinsten Unterschied

Thiemann benötigt in seiner Freundschaft zum Spielgerät besonders viel Halt, Grip eben. Als Center muss er zupacken. In der Dreierbeziehung aus unterschiedlichen, aber doch ähnlichen Bällen in der Euroleague und der Bundesliga (BBL) – beide kommen immerhin aus einer Familie – klappt das hervorragend. „Gerade dann, wenn man mal einen unsauberen Pass bekommt oder selber ein schlechtes Dribbling setzt, ist es wichtig, dass man den Ball trotzdem weiter kontrollieren kann“, sagt Thiemann, „ein Ball, an den man sich gewöhnt hat, verzeiht auch den einen oder anderen kleineren Fehler.“ Wie in einer Beziehung. Aber es gibt noch andere Werte.

Aufbauspieler Jonas Mattisseck schätzt die tieferen Kuhlen des Euroleague-Modells, das an diesem Donnerstag im Duell mit Efes Istanbul zum Einsatz kommt (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) wegen des besseren Grips. Auch „das Dribbling ist interessant, da merkt man schon, wie der Ball zurückkommt“, sagt der 20-Jährige, „ich mag es nicht so sehr, wenn der Ball extrem hoch springt.“ Lieber bodenständiger, das gibt der Beziehung Stabilität. Doch müssen sich beide Partner stets aufs Neue entdecken, die Alba-Profis vor Euroleague-Spielen an jenes Modell, das nicht ganz so extrovertiert in einer Mischung aus klassischem Orange und Schwarz daherkommt, mit starkem Grip und perfektem Gewicht.

Überhaupt kein Grip

Ein Profi merkt dabei den kleinsten Unterschied. Als Mattisseck vorige Saison in Bernau in der Pro B aushalf, musste er sich an einen Ball aus einer anderen Familie gewöhnen. Das Übergewicht wirkte sich anfangs negativ auf die Beziehung aus: „Die ersten Würfe mit einem Pro-B-Ball sind meistens zuerst noch etwas zu kurz, aber auch da gewöhnt man sich dran.“ Doch selbst ein kleiner Flirt, der zwar in einem Pokalsieg endet, beeinflusst eine Beziehung nicht. „Es ist schon immer eine kleine Umstellung. In der Regel reicht aber ein Tag“, sagt Mattisseck.

Ein Spieler weiß die Vorzüge einer Beziehung spätestens dann zu schätzen, wenn er, wie Niels Giffey, im Sommer beim Nationalteam ist. „Wenn man bei der Nationalmannschaft ist, dann ist es heftig“, sagt der Alba-Kapitän, „da wird mit diesen Fiba-Bällen gespielt, und die sind ganz anders. So dünne Lederbälle.“ Albas Trainingsbälle hält er wegen des perfekten Grips mit einer Hand fest. „Mit dem Fiba-Ball habe ich dazu überhaupt keine Chance, der rutscht mir immer aus der Hand.“ In einer guten Beziehung muss man Kompromisse eingehen. Es gibt aber essenzielle Eigenschaften, die darüber entscheiden, ob eine Beziehung eine lange Zukunft hat. Manch ein Ball hat sie, manch ein Ball nicht.