Da war die Welt noch in Ordnung - zumindest für Albas Fans. Die freuten sich auf ein Heimspiel im Pokalfinale, während Klubboss Marco Baldi, dem die Terminkollision bereits bewusst war, schon händeringend nach Ausweichmöglichkeiten fahndete.
imago-images/isslerimager

BambergLuke Sikma und Aíto García Reneses scheinen zu den Menschen zu gehören, die nach einem herzhaften Abendessen auch noch etwas Süßes benötigen. Nur so ist zu erklären, warum der Flügelspieler  von Alba Berlin am Sonntagabend um kurz vor 21.30 Uhr noch ein Eis verspeiste, während sich sein Trainer etwas Schokoladiges für die Rückfahrt gönnte. Ansonsten waren Getränke der Renner im kleinen Bamberger Bahnhofs-Shop, in dem unmittelbar nach dem Besuch der Alba-Profis die Lichter ausgeknipst wurden.

Das hatte die Berliner Mannschaft zwei Stunden zuvor mit den Bambergern gemacht. Dort, wo sie noch vor knapp einem Jahr unglücklich das Finale um den BBL-Pokal verloren hatte, wurde eindrucksvoll Revanche genommen, der Gegner deutlich geschlagen. „Es hatte noch einen Nachgeschmack vom Vorjahr, deshalb fühlt sich der Sieg toll an“, sagte Luke Sikma, „aber unsere Arbeit ist noch nicht getan. Wir sind glücklich über den Erfolg, aber jetzt haben wir noch ein Heimspiel und das wollen wir gewinnen.“

Der Termin für dieses Spiel steht mit dem 16. Februar auch schon fest. Doch ist er ein Problem: Die Eisbären Berlin haben an diesem Tag in der Arena am Ostbahnhof ein Heimspiel gegen Mannheim, in Albas Ausweichspielstätte, der Max-Schmeling-Halle, empfangen die Füchse Berlin den SC Magdeburg zum Derby. Albas Verantwortliche hatten schon vor geraumer Zeit auf den Fall eines Endspiels in eigener Halle hingewiesen und am Sonntag nun die sportliche Tatsache geschaffen.

Das Problem ist vielschichtig. Auf der einen Seite gibt es nur diesen einen Termin, der von den Ligaverantwortlichen in Abstimmung mit Pokal-Sponsoren und Bildrechteinhaber Magentasport festgelegt wurde. Das war auch schon im Halbfinale so und sorgte unter anderem dafür, dass in Ulm eine Messe verschoben wurde, damit dort das Spiel gegen Oldenburg stattfinden konnte.

Endspiel in Hamburg

Nun kann Alba die Eisbären nicht einfach so rauswerfen, eine Verlegung des Endspiels auf den 15. Februar ist aber ohnehin nicht möglich, da an diesem Tag eine andere Veranstaltung in der Arena steigt und die Eisbären auch am 14. Februar in Krefeld spielen. An diesem Tag ist die Arena am Ostbahnhof übrigens in der Hand vom Istaf Indoor. Und am 16. Februar Eisbären und Alba spielen zu lassen, die Halle innerhalb weniger Stunden von Eishockey auf Basketball oder umgedreht umzubauen? „Da müsste man prüfen, wie lange das dauert“, sagt Marco Baldi. Albas Geschäftsführer steht vor der großen Aufgabe, das Problem mit der Heimspielstätte sachlich zu moderieren und zu einer Lösung zu führen, mit der alle Seiten leben können. Ein Umzug nach Hamburg, über den nach Spielende in Bamberg spekuliert wurde, oder gar ein Tausch des Heimrechts mit Gegner Oldenburg dürften keine Lösungen sein, mit denen sich Alba anfreunden kann und sollte. Zu sehr hatten sich die Berliner im Vorjahr über den Nachteil von drei Auswärtsspielen in vier Partien des Wettbewerbs geärgert, zu groß wären außerdem auch die finanziellen Einbußen.

Auch wenn man in der Saisonbudgetierung damit nicht planen konnte, so stellt eine zu erwartend volle Halle ein schönes Plus im Geldbeutel dar, auf das niemand verzichten will. Und außerdem würde man den Spielern die Chance nehmen, diesen lang herbeigesehnten Titel in eigener Halle, vor den eigenen Fans zu gewinnen. Zu groß ist die Vorfreude bei allen Berliner Spielern auf dieses Endspiel in Berlin. Und nicht nur bei ihnen. „Wir wollen diesen Titel auch unseren Fans schenken“, sagt Luke Sikma.

Nicht nur er hatte schließlich zu später Tageszeit am Sonntagabend im Zug nach Berlin gesessen, sondern auch ein paar Berliner Fans, die teilweise sogar extra den Montag frei genommen hatten. Für die Fans wäre der erste Titel seit 2016, auch damals war es der Pokal, der Lohn für die Strapazen, die sie auf sich nehmen. Der Lohn dafür, dass sie sich in Bamberg erneut unter das Hallendach setzen lassen und ihr Team auch von dort unterstützen. Aber natürlich wäre dieser Titel auch für jeden Spieler im Kader sehr wichtig. „Wir haben jetzt das dritte Pokalfinale in Folge erreicht. Darauf kann Alba Berlin sehr stolz sein“, sagte Martin Hermannsson. Neben dem BBL-Pokal hatte der Isländer mit seinem Team im vergangenen Jahr noch das Eurocup-Endspiel und die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayern München verloren. Spieler wie Luke Sikma und Niels Giffey bringen es mit zwei Finalniederlagen (Pokal und Meisterschaft) in der Saison 2017/18 sogar mittlerweile auf fünf vergebene Titelchancen am Stück.

Komponente Heimvorteil

Beim Erfolg in Bamberg hat man der Mannschaft am Sonntag ansehen können, wie sehr sie gewillt ist, diesen ersten Titel einzufahren. Auch wenn der BBL-Pokal mit vier Siegen auch im Jahr 2020 rein rechnerisch die am einfachsten zu gewinnende Trophäe ist, so steht das Bamberg im Jahr 2019 dafür, dass das auch nicht automatisch den Finalsieg bedeutet. Auch nicht, wenn man als Favorit dort in das Rennen geht. Die Komponente Heimvorteil ist auf dem Weg zum Titel nicht zu unterschätzen.

Alba hat diesen Vorteil zugelost bekommen und sollte ihn auch nutzen können. Für die Mannschaft und die Fans braucht es eine kurzfristige Lösung. Mittelfristig aber sollten sich vielleicht auch die Liga-Verantwortlichen darüber Gedanken machen, ob sie nicht ein wenig Flexibilität in die Festsetzung der Spieltermine bringen.