Alba Berlin: Ismet Akpinar, der 13. Mann

Ismet Akpinar hat sich bei Alba gerade von seinen neuen Kollegen verabschiedet. Die Berliner Basketballer fliegen heute Richtung Izmir. Dort treffen sie in einem Turnier auf Gastgeber Karsiyaka, auf Besiktas Istanbul und Nischni Nowgorod. Es soll ein letzter Härtetest sein, nächste Woche beginnt mit dem Supercup gegen Meister Bamberg die Saison. Akpinar macht sich unterdessen mit Albas U19 bekannt.

Es ist nicht neu für den 18-Jährigen Spielmacher, dass seine Mannschaft verreist und er zeitweilig in ein Juniorenteam wechselt. Beim SC Rist Wedel war das ähnlich. Sein bisheriger Klub trat allerdings in der Zweiten Liga Pro B an. Die Reisen gingen nach Recklinghausen oder Wolfenbüttel. Bei Alba hat er jetzt die Perspektive Bundesliga. Im Koordinatensystem des Basketballs kreist Akpinar zwar noch über Wolfenbüttel, von Istanbul trennt ihn ein gutes Stück, doch den Weg wollen sie jetzt gemeinsam gehen, Spielmacher und Verein.

Ismet Akpinar hat im vergangenen Februar bei Alba unterschrieben. Lange bevor die Berliner im Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft scheiterten, bevor klar war, dass sie die Euroleague verpassen, dass sie an Trainer Sasa Obradovic festhalten und mit ihm einen Bruch vollziehen. Trotzdem steht er für den neuen Kurs, vielleicht am meisten von allen im Kader. Er hat einen Vertrag über vier Jahre. Er soll ein Versprechen an die Zukunft sein. „Er ist der Jüngste im Team“, sagt Obradovic. „Er wird mehr Zeit brauchen als die anderen.“

Die Zeit soll Akpinar bekommen, er und der Rest des Teams. So weit das in einer Stadt wie Berlin und einem Klub mit der Vorgeschichte von acht Meistertiteln möglich ist. „Wir machen uns keinen Druck“, sagt Obradovic vorsichtshalber. Weil er weiß, dass der Druck nicht von innen, sondern von außen kommt, formuliert er das Ziel defensiv: „Erst mal die Playoffs, dann sehen wir weiter.“ Vielleicht würden sie sechs Monate benötigen, um zu einer schlagkräftigen Einheit zu werden, sagt der Coach, vielleicht neun Monate. In neun Monaten endet die Saison.

Zwang zum Erfolg

Alba hat stets versucht, Talente in den Profikader zu führen, richtig gelungen ist das in den zurückliegenden Jahren nicht. Das mag an den Talenten selbst gelegen haben. Sicher aber spielte der Zwang zum Erfolg eine Rolle, dem zunächst der Klub, mit den Titeln schließlich auch das Umfeld alles unterordnete.

Gelingt nun die Neuausrichtung, könnte sie Akpinar den Übergang leichter machen. Vielleicht hilft ihm sein Sinn für Realität. Er sagt: „Ich bin der 13. Mann, ganz klar.“ Von dieser Position aus muss er hart um einen Platz auf der Bank kämpfen und noch härter um eine Rolle in der Rotation. „Der Coach hat mir gesagt, er kann niemandem garantieren, dass er fünf Minuten spielt.“ In den Testspielen war Akpinar manchmal länger im Einsatz. Während der Saison wird sich das ändern. Der 1,90 Meter große Guard sagt, er ist darauf eingestellt.

„Ich muss meine Chance im Training suchen.“ Zum Beispiel im Kräftemessen mit David Logan, der als einer der Eckpfeiler dem jungen Kern des Teams Halt geben soll. Die Arbeit mit dem Amerikaner, mit den anderen Spielmachern, vor allem mit Obradovic, das ist die Perspektive, die Akpinar in Alba sieht. „Die Arbeit an vielen Details.“ In der Vorbereitung auf die Saison zum Beispiel: Den richtigen Weg auf dem Spielfeld wählen. „Nicht immer direkt auf die Position gehen.“ Oder: Den Körper einsetzen. „In Bewegung bleiben, um sich selbst und den Ball zu schützen.“ Und immer wieder: Tempo, Tempo, Tempo. „Vor allem in der Defensive.“

„Basisarbeit“, sagt Obradovic, „persönliches Training“ nennt er die Überstunden der Jüngeren vor oder nach den Einheiten mit dem Team. Akpinar bildet sich zudem bei der U19 fort. Vermittelt werden Spielverständnis und individuelle Taktik. Trainiert werden Kondition und Muskeln, um irgendwann der Dynamik und Härte der Bundesliga gewachsen zu sein. „Wir müssen ihm eine gute Grundlage geben“, sagt Obradovic über Akpinar. Bei den etwas erfahreneren Talenten wie Center Jonas Wohlfarth-Bottermann, der bereits die Erste Liga kennt, stellt sich der Trainer darauf ein, „dass es auf und ab geht“. Es klingt wie eine Bitte um Geduld.

Anspruchsvoll ist also Akpinars Aufgabe und vieles für ihn neu. Etwa, dass er sich allein auf den Sport konzentrieren kann: „Ist etwas in der Wohnung oder mit dem Auto nicht in Ordnung, ruft man einfach den Richtigen im Klub an, schon wird das behoben.“ Wenn es auf dem Spielfeld doch genauso wäre.