So sehen Sieger aus: das Team von Alba Berlin.
Foto: AFP/Christof Stache

München/BerlinNach zwölf Jahren hat das Warten für Alba Berlin endlich ein Ende: Zum ersten Mal seit 2008 ist der Hauptstadtklub wieder Deutscher Basketball-Meister. Der Dominator dieses Finalturniers in München hat dank einer über weite Strecken souveränen Vorstellung mit 75:74 (42:35) auch das zweite Finalspiel gegen die MHP Riesen Ludwigsburg gewonnen und holte sich mit einem Gesamtvorsprung von 24 Punkten seine neunte deutsche Meisterschaft. Dank des Pokalsiegs in heimischer Halle im Februar sicherten sich die Berliner auch das erste Double seit 2003.

Dass es sich bei diesem Titel angesichts der Umstände um keinen ganz gewöhnlichen Titel handelt, zeigte sich bei den Feierlichkeiten. Anstatt übereinander herzufallen, wie es bei einem solchen Triumph eigentlich üblich ist, feierten die Berliner zunächst beinahe distanziert. Erst als Kapitän Niels Giffey hygienisch korrekt den Pokal vom Boden aufsammeln durfte und in die Höhe reckte, brachen langsam die Dämme. Stefan Peno und Peyton Siva schnitten das Korbnetz in der Münchner Halle als Erinnerung ab.

„Das ist eine verdammt komische Situation“, sagte Center Johannes Thiemann im Magenta-Interview, „aber ich bin glücklich, dass wir es geschafft haben.“ Allzu lange dauerte die Party in der Heimat des großen Rivalen Bayern München allerdings nicht. 30 Minuten nach Pokalübergabe, so sieht es das Hygienekonzept vor, musste das Team zurück ins Hotel. „Es ist schon hart, dass man den einen oder anderen nicht in den Arm nehmen darf“, sage Geschäftsführer Marco Baldi, der nicht zusammen mit der Mannschaft in die Kabine durfte, wo statt Alkoholhaltigem nur Wasser floss. Dennoch kündigte er an: „Wir werden das Feiern nachholen. Denn ich weiß, wie glücklich unsere Fans sind.“

Wirklich aufregend war dieses zweite Finalspiel zu keinem Zeitpunkt. Denn bereits mit dem 88:65 am Freitag hatte Alba die Grundlage für dieses Double geschaffen. Ohne ihren verletzten Aufbauspieler Marcos Knight, der zum wichtigsten Spieler des Turniers gewählt wurde, konnten die Ludwigsburger keine Aufholjagd mehr starten. Zumal die Berliner auch nie das Gefühl vermittelten, ernsthaft nachzulassen. Nach allen zehn Partien des Turniers gingen sie als Sieger vom Platz. „Ab den Play-offs waren wir im Rhythmus“, sagte Kapitän Giffey. „Das fühlt sich sehr, sehr gut an. Wir haben jetzt alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.“

In den beiden vergangenen Jahren hatte Alba, Dauermeister in der BBL von 1997 bis 2003, jeweils die Finalserie um die Meisterschaft gegen Bayern München verloren. In eigener Halle schied der Titelverteidiger allerdings schon im Viertelfinale gegen Ludwigsburg aus. Die Berliner mit ihrem gut besetzten Kader präsentierten sich in Bayern dagegen als homogene Mannschaft.

Mit dem ersten Meistertitel seit zwölf Jahren zahlt sich auch die Beharrlichkeit von Marco Baldi aus. Mit Leidenschaft und Hingabe hatte er in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, die dominierenden Bamberger (Meister 2010 bis 2013 und 2014 bis 2017) und Münchner (Meister 2014, 2018, 2019) wieder zu überflügeln.

Seit mittlerweile drei Jahren arbeitet Baldi zusammen mit Trainer Reneses an der Entwicklung des Großprojektes Alba: Dieses ist in erster Linie auf die Förderung der Jugend ausgerichtet. Die Finalteilnahme in München war dennoch bereits die siebte von insgesamt acht möglichen unter dem spanischen Trainer. "Diese Konstanz hat kaum ein Team in Europa - oder nur ganz wenige", sagte Baldi. Und in Deutschland derzeit keines.

Meistertrainer Aito Garcia Reneses ließ sich allerdings nicht entlocken, ob er weiterhin dieses Projekt anleiten wird. „Heute feiern wir, das ist nicht der Tag, um darüber zu entscheiden“, sagte er. Argumente für eine weitere Zusammenarbeit hat Alba in den vergangenen Tagen genügend gesammelt.