Berlin - Mit dem Anflug eines Lächelns im Gesicht und einem Proteinshake in der Hand kam Oscar da Silva noch einmal aus der Kabine geschlendert. Während er so über das vorangegangene Spiel und die Chancen im Kampf um die Play-offs fachsimpelte, hätte er freilich auch etwas zerknirschter dastehen können. Nicht, dass hier der falsche Eindruck entsteht und sich der Center von Alba Berlin nicht über die 79:95-Niederlage gegen den FC Barcelona geärgert hätte. Aber: Der mit 13 Punkten an diesem Abend erfolgreichste Berliner Werfer konnte das Spiel gegen den Spitzenreiter der Euroleague und die Tabellensituation für Alba richtig bewerten. „Die lassen halt keinen Fehler ungestraft“, sagte da Silva mit der nach so einem Spiel notwendigen Portion Respekt gegenüber der Leistungsfähigkeit des Gegners.

Mit diesem Halbsatz hatte der Berliner eigentlich schon das zusammengefasst, was sich in weiten Teilen des zweiten Viertels, aber auch gegen Ende der Partie deutlich zeigte. Immer dann, wenn Alba Berlin so ein klein wenig Hoffnung auf eine Überraschung oder zumindest nur Ergebniskosmetik hatte, erhöhte die Startruppe aus Katalonien die Schlagzahl. Man selbst habe gut gekämpft, eine gute Leistung gebracht, sagte Oscar da Silva und musste danach über die eigene Fehlerzahl sprechen. Unnötige Ballverluste etwa nach Einwürfen oder auch vergebene Korbleger, die im Gegenzug eigentlich fast immer bestraft wurden. Das Selbstbewusstsein, die Qualität des Gegners zeigte sich für da Silva in einer Szene, als Kyle Kuric den Ball erst in der Zone gefangen, von dort rausgedribbelt und hinter der Dreierlinie den anschließenden Wurf getroffen hatte.

Das 79:95 las sich am Ende deutlich, und natürlich war auch ein Leistungsunterschied zwischen beiden Teams deutlich zu sehen gewesen. Mit Blick aber auf das erste Duell zu Beginn der Saison und der damals noch deutlicheren 64:96-Niederlage ist allein schon ergebnistechnisch eine positive Entwicklung auszumachen. Die Sequenzen, in denen das Alba-Zusammenspiel im zweiten Aufeinandertreffen auch den großen FC Barcelona zu außerplanmäßigen Auszeiten zwang, haben gezeigt, dass sich Alba Berlin auf dem richtigen Weg befindet.

Dass dieser in die Play-offs der Euroleague führt, ist in den fünf ausbleibenden Spielen theoretisch noch möglich. Bewertet man das Spiel gegen Barcelona und vielleicht auch die Niederlage gegen Baskonia Vitoria wenige Tage zuvor richtig, sind die Play-offs aber noch zu weit weg. Deshalb „gehen wir das ohne Druck an“, sagte Oscar da Silva und schlenderte wieder entspannt zurück in die Kabine.