Alba Berlin kann nicht nur schön spielen, sondern auch hart für Siege arbeiten

Zweimal in Folge entscheidet eine Aktion unter dem eigenen Korb ein Spiel für die Berliner. In dieser Woche sind sie dreimal in eigener Halle gefordert.

Entscheidung unter dem eigenen Korb: Ben Lammers (3.v.l.) sicherte Alba Berlin gegen Baskonia mit einem Block den Sieg.
Entscheidung unter dem eigenen Korb: Ben Lammers (3.v.l.) sicherte Alba Berlin gegen Baskonia mit einem Block den Sieg.Imago/Camera4+

Ganz so emotional wie wenige Tage zuvor ging es hinter der Bande diesmal nicht zu. Anders als der nach der entscheidenden Szene gegen Baskonia von seinem Sitz springende und jubelnde Geschäftsführer Marco Baldi nahm Himar Ojeda die Schlusssequenz beim knappen 90:89 Alba Berlins in München relativ gelassen hin. Der Sportdirektor erhob sich von seinem Platz hinter Bande und schritt zur Mannschaft, nicht aber ohne eine paar besondere Worte des Dankes in Richtung Ben Lammers.

Wie schon gegen Baskonia hatte der Center auch gegen die Bayern nicht in der Offensive mit einem spektakulären Dunking oder seinem gefühlvollen Zweier aus dem Halbfeld die Partie entschieden, sondern mit hervorragender Defensivarbeit unter dem eigenen Korb. Als Lohn der harten Arbeit in den vergangenen Wochen bezeichnete Ojeda diesen Sieg, aber auch die beiden Erfolgserlebnisse zuvor in der Euroleague gegen Villeurbanne und Baskonia.

In der Bundesliga hat sich Alba Berlin gemeinsam mit Bonn etwas abgesetzt

Vor dieser Woche mit drei Partien, die am Dienstag (20 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Mailand startet, hat sich Alba durch den Erfolg gegen die Bayern in der Bundesliga gemeinsam mit Bonn etwas abgesetzt. In der Euroleague sind die Berliner als Schlusslicht nach dem Ende der Hinrunde nicht mehr ganz so abgeschlagen. Trotz der mageren Bilanz von fünf Siegen bei zwölf Niederlagen hat sich Alba Berlin in der europäischen Königsklasse den Ruf, eins der attraktivsten Teams in Europa zu sein, in den vergangenen Jahren erst unter Aito Garcia Reneses und danach unter Israel Gonzalez erspielt.

Aber: In der Schönheit des Basketballs zweier spanischer Basketball-Trainer-Philosophen kam manchmal die nötige Härte in der Crunchtime, der entscheidenden Phase eines Spiels, zu kurz. Da wurden auch in dieser Saison Partien wie in Kaunas oder in eigener Halle gegen Barcelona, die vielleicht so manch andere Mannschaft siegreich gestaltet hätte, verloren. Zu weich seien die Spieler, wenn man ihnen körperlich begegnet, zu sehr würden die Nerven flattern, wenn es um was geht – auch dieser Ruf eilte Alba Berlin bis zum ersten Titelgewinn unter spanischer Leitung vor mittlerweile knapp drei Jahren nach.

Drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege in den zurückliegenden drei Spielzeiten hatten viele Kritiker eines Besseren belehrt, sie aber zuletzt auch wieder lauter werden lassen. Auf drei Siege zum Start in der Euroleague folgten unglaubliche zwölf Niederlagen – fünf davon mit lediglich vier oder weniger Punkten Differenz. Spielerische Qualität konnte den Berlinern oft nicht abgesprochen, die Frage nach den Nerven der Spieler ob dieser knappen Spiele aber schon gestellt werden. Zur Verteidigung der Mannschaft müssen auch in dieser Saison wieder viele Verletzungen angesprochen werden. Lediglich Yovel Zoosman und dessen israelischer Landsmann Tamir Blatt haben alle 17 Euroleague-Spiele absolvieren können – Verletzungen, Erkrankungen oder die Überbelastung aus der Vielzahl der Spiele schwächten den Kader nahezu in jeder Partie.

Vier Spiele in acht Tagen: Wieder einmal ein Marathon für Alba Berlin

Bis auf den Dauerverletzten Marcus Eriksson aber ist die Mannschaft jetzt wieder komplett und kann endlich den so für den Alba-Basketball wichtigen Spielfluss aufnehmen. „Jetzt haben wir diese Probleme nicht mehr und wir finden langsam wieder unseren Rhythmus. Ich hoffe, wir behalten das bei“, sagte Trainer Israel Gonzalez nach dem Sieg in München. Der war allerdings der Start für einen wahren Marathon von vier Spielen in acht Tagen. Und das nach elf Spielen im Dezember. „Die Spieler sind jetzt sehr, sehr müde. Ich weiß nicht wie, aber wir müssen die Energie dann wiederfinden. Vielleicht können wir es über die Rotation lösen“, sagt Himar Ojeda.

Das war Alba Berlin im ersten Vergleich mit der Startruppe aus Mailand ziemlich gut gelungen. Selbst der Ausfall des derzeit immer besser in Form kommenden Maodo Lo konnte beim Sieg im Hinspiel durch Tamir Blatt mehr als nur kompensiert werden. Als Team und mit viel Energie müsse man spielen, um das Spiel zu gewinnen, sagt der israelische Aufbauspieler. Die eigentliche Kunst wird aber darin bestehen, auch für das Spiel am Donnerstag gegen Real Madrid (20 Uhr) und Bundesliga-Tabellenführer Bonn am Sonntag (15 Uhr) noch genug Energie übrig zu haben.