Alba Berlin: Keine Atempause

Was? Wohin? Zum Fanblock? „Oh“, sagte David Logan und machte ein schuldbewusstes Gesicht. Vielleicht glaubte er, auf der Teambesprechung etwas überhört zu haben. Jedenfalls ließ sich Albas Spielmacher bereitwillig umleiten, ging nicht vom Parkett aus nach links zur Kabine, sondern nach rechts zum Alba-Block. Dort, wo die Trommeln verstummten und Kapitän Sven Schultze mittels Megafon das Kommando übernahm, das da lautete: Tanzen! Also verschwand Logan im kollektiven Gehopse, im allgemeinen Gelb der Fans und Profis, die erstmals auf diese Art gemeinsame Sache machten.

Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Dieses 83:73 (41:45) im Bundesligaduell gegen Bayreuth kam sogar unter geradezu historisch anmutenden Umständen zustande. Nicht, weil es der 15. Sieg in Serie war und die Mannschaft damit einen Rekord von 1999 übertraf, als Alba nach 14 Partien dem MBC unterlag. Vielmehr wegen der ebenfalls rekordverdächtigen Begegnung im Eurocup gegen Juschne mit der weitesten Anreise zu einem Spiel in der Klubgeschichte. Nur dreißig Stunden lagen zwischen der Rückkehr aus der Ukraine und Bayreuth in der Arena am Ostbahnhof. „Die Köpfe waren noch nicht ganz da“, sagte Jan Jagla, der schon am Morgen wusste, wie er sich an diesem Abend fühlen würde. „Nach einer Nacht mit richtigem Schlaf war es sehr schwer, wieder rauszukommen.“

Zwölfmal wechselte die Führung

Die Berliner lieferten sich mit Bayreuth ein umkämpftes Duell, in dem zwölf Mal die Führung wechselte. 67:61 lagen sie kurz vor der letzten Pause vorn, ließen die Gäste zwar beim 70:71 noch einmal vorbeiziehen, setzten sich danach aber ab. „Uns sind leichte Sachen misslungen“, sagte Alba-Coach Sasa Obradovic, wobei ihm zuerst die vielen verlegten Freiwürfe einfielen, nur 21 von 34 saßen. Doch bescheinigte Obradovic seinen Basketballern angesichts der Umstände „einen großartigen Charakter“ und bilanzierte: „Es steckt sehr viel Glaube in unserem Spiel.“

In der Statistik ließ sich das unter anderem an den Rebounds ablesen. Bis zur Halbzeit gestattete Alba keinen einzigen Bayreuther Offensivrebound, am Ende stand ein einziger zu Buche. 41:29 lautete das Endergebnis in dieser Statistik. Das war umso bemerkenswerter, da Gäste-Trainer Michael Koch Berlins Schwäche in seine taktischen Überlegungen einbezog und mit vielen verschiedenen defensiven Varianten aufwartete. Albas Geschäftsführer Marco Baldi ging davon aus: „Der hat sich gesagt: Denen stellen wir jetzt mal eine schöne Aufgabe.“

Kluge Entscheidungen

An deren Lösung arbeiteten vor allem die erfahrenen Profis im Team: Regisseur Logan etwa, der 19 Punkte erzielte, vier Assists lieferte und vier Fouls zog. Power Forward Jagla, der in dieser Saison bislang auf eine Dreierquote von 48 Prozent kam, verdoppelte beinahe diesen starken Wert nun gegen Bayreuth mit vier von fünf Distanzwürfen, also 80 Prozent. 14 Punkte sprangen für ihn heraus. „Schieß doch, schieß doch, wenn du nicht triffst, hast du ein Problem“, gab Baldi des Gegners mutmaßlichen Gedanken wieder. Jagla hatte kein Problem. Center Levon Kendall fiel wiederum mit sechs Punkten und ebenso vielen Rebounds auf, mit vier Assists und ebenso vielen gezogenen Fouls. Hinzu kamen zwei Balleroberungen. „Er hat ganz kluge Entscheidungen getroffen“, urteilte Baldi.

Aufgabe gelöst, aber Prüfung bestanden? Noch nicht, sagte Baldi, das Abenteuer Ukraine „wird uns noch ein, zwei Wochen nachgehen. Deshalb ist es für uns jetzt extrem wichtig, dass wir gut regenerieren, dass wir das Richtige essen. Dass jeder ein bisschen ruhiger macht.“

Am Mittwoch wird das kaum möglich sein. Dann gastiert Bonn in der Arena am Ostbahnhof. Es geht um die Qualifikation zur Pokal-Endrunde in Ulm. „Wenn wir das Spiel verlieren, werden alle sagen. 15 Siege? Super Rekord. Aber das Top 4 findet ohne euch statt.“ Wenn Geschichte gemacht wird, fällt die Atempause bekanntermaßen aus.