Berlin - Stefan Peno schaute sich interessiert die nagelneuen Autos an. Der Serbe schlenderte durch den Ausstellungsraum eines der Sponsoren von Alba Berlin,  bekam aber kein Auto, da er noch keinen Führerschein hat. Auch Martin Hermannsson blieb bei der alljährlichen Übergabe der Dienstwagen an die Basketballer von Alba Berlin nur die Rolle des Sozius: An Selbstfahren ist bei dem Aufbauspieler seit der vergangenen Woche nicht zu denken.

Und an Basketballspielen noch viel weniger. Mit einem Stützschuh humpelte der Isländer durch das Autohaus. Er wird noch mehrere Wochen ausfallen. Joshiko Saibou und Peyton Siva durften zumindest ein Fahrzeug in Empfang nehmen, spielen werden aber auch sie erst einmal nicht.

Bewährungsprobe gegen Zagreb

Dass Alba drei Aufbauspieler fehlen, war vor allem bei der Niederlage in Vechta deutlich zu sehen und stellt Albas Verantwortliche vor ein Dilemma. Sollen sie einen neuen Spieler verpflichten oder auf das noch vorhandene Personal bauen? Beim Duell im Eurocup an diesem Mittwoch mit Zagreb (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof) wird kein Neuer vollwertig einsetzbar sein, doch spielen sie bei Alba alle Varianten durch.

In Vechta lag die Hauptlast auf bei Stefan Peno, der gut 30 Minuten auf dem Parkett stand. Der 21-Jährige überzeugte mit seinem guten Zug zum Korb, mit dem er ausschließlich punktete, verteilte zudem acht Vorlagen für seine Teamkollegen. Dem Serben fehlt aber noch ein konstant guter Wurf von außen.

Entlastung und Hilfe gab es in Vechta von den jungen Bennet Hundt und Jonas Mattisseck. Und mit Kenneth Ogbe startete ein gelernter Flügelspieler ebenfalls als Point Guard. Es war eine  bewusst getroffene Entscheidung, wie der Zugang erzählt: „In Zukunft ist das die Position, die ich gerne spielen würde.“ Aber: „Ich glaube, dass es auf dem Level noch Zeit braucht. Das habe ich schon in Vechta gemerkt. Man hat mehr den Ball in der Hand, mehr Verantwortung.“

Zeit hat Alba Berlin derzeit nicht, und auch weil die Variante mit Mattisseck und später auch Hundt neben Peno besser funktionierte, rückte Ogbe in der zweiten Hälfte wieder auf den Flügel. Der Substanzverlust durch die Ausfälle von Siva, Saibou und Hermannsson war sichtbar. Bei allem Talent, welches Peno, Mattisseck, Hundt und Ogbe mitbringen, fehlt es ihnen an Erfahrung. Die etatmäßigen Point Guards sind 24 (Hermannsson) und 28 Jahre alt (Siva und Saibou). Dieser Fakt würde für einen neuen Spieler sprechen. Zumal noch nicht abzusehen ist, wann das Trio wieder zurückkehren und hundertprozentig fit sein wird.

Gegen eine Nachverpflichtung spricht Albas Anforderungsprofil. Assistenztrainer Thomas Päch sagt: „Es muss jemand sein, der uns auch sofort helfen kann.“ Und der müsse sich natürlich auf ein zeitlich begrenztes Engagement einlassen. Denn klar ist: Wenn auch nur zwei der drei verletzten Aufbauspieler wieder zurück sind, würden die Dienste des Ersatzmannes nicht mehr benötigt.

Druck für die Talente

Ein weiteres Kriterium in den Personalpuzzle ist der Terminplan. Darin stehen für diese Woche mit Zagreb und Bamberg zwei Heimpartien, nächste Woche folgt eine Heimpartie gegen Limoges und ein Auswärtsspiel in Würzburg, danach pausiert Alba wegen Länderspielen fast zwei Wochen lang. Im Anschluss daran könnten wieder Siva und Saibou einsatzfähig sein. Auf Verstärkung zu verzichten, wäre also eine Wette auf die rechtzeitige Genesung.

Zwar erhöht sich so der Druck auf die unerfahrenen Guards erheblich. „Da müssen die jungen Spieler aber durch. Am Ende wollen sie professionelle Basketballspieler werden und müssen mit Verantwortung umgehen können“, sagt Päch.

Und wie auch immer sich die Berliner am Ende entscheiden werden, ob sie wie bisher oder mit Verstärkung weitermachen – eine derart radikale Lösung, zu der ihr Gegner an diesem Mittwoch griff,  hat Alba nicht nötig: Cedevita Zagreb tauschte kürzlich im Rundumschlag die Führungsriege aus: Präsident, Sportdirektor und Cheftrainer mussten gehen. Auch der ehemalige Alba-Spieler Matej Mamic dankte in Zagreb als Sportdirektor ab.

Bei allen personellen Problemen: Alba wahrt Kontinuität. Auch bei den jährlichen Pflichtterminen. Im Autohaus etwa. Dort ging es nicht nur um die Frage nach Verstärkung, sondern auch darum, wer Hermannsson im Auto mitnimmt. Und wann Peno seinen Führerschein macht.